Energiekonzerne
Emissionshandel treibt Industrie über die Grenze

Europas Energiekonzerne müssen sich auf den Emmissionshandel einstellen und bald die erforderlichen Zertifikate in vollem Umfang ersteigern. Davon profitieren vor allem Länder, dide auf Atomkraft und erneuerbare Energie gesetzt haben. Die deutschen Energiekonzern könnten zum großen Verlierer des Emmissionhandel werden.

BERLIN. Der Emissionshandel wird die deutschen Energiekonzerne erheblich belasten; die Konkurrenz in Frankreich dagegen wird von den Ende 2008 beschlossenen Regeln profitieren und Industriekunden mit günstigen Preisen locken können. Produktionsverlagerungen könnten die Folge sein. Das ist das Ergebnis von Berechnungen des Beratungsunternehmens Energy Environment Forecast Analysis (EEFA), die dem Handelsblatt vorliegen.

Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich Ende 2008 auf die Regeln für den Emissionshandel von 2013 bis 2020 verständigt. Zu den Eckpunkten zählt, dass ab 2013 die Betreiber fossiler Kraftwerke die erforderlichen Zertifikate zu 100 Prozent ersteigern müssen. Ausnahmen gelten nur in neun osteuropäischen Mitgliedstaaten.

Schon früh hatten deutsche Stromproduzenten vor den Folgen der Beschlüsse gewarnt und milliardenschwere Vorteile für die Konkurrenz prognostiziert. Die EEFA-Berater quantifizieren diese Vorteile nun. „Die französischen Energieversorger werden 2020 durch die Vollauktionierung der Emissionszertifikate zusätzliche Gewinne von 9,5 Mrd. Euro erzielen“, sagt Elmar Hillebrand von EEFA. Es gebe unter den EU-Staaten beim Emissionshandel eindeutige Gewinner und eindeutige Verlierer. „Abhängig ist das vom Kraftwerkspark. Staaten mit einem hohen Anteil von Kernkraft oder Wasserkraft wie etwa Frankreich und Schweden zählen zu den Gewinnern. Deutschland dagegen zählt wegen der Struktur seines Kraftwerksparks eindeutig zu den Verlierern, auch wegen des Ausstiegs aus der Kernenergie“, sagt Hillebrand.

Beispiel Frankreich: Die Franzosen produzieren über 80 Prozent des Stroms in Kernkraftwerken. Dazu benötigen die Betreiber keine Zertifikate. Dennoch können sie ihren Strom teurer verkaufen, weil das Strompreisniveau in ganz Europa insgesamt durch die Kosten des Emissionshandels steigen wird. In Deutschland dagegen wird knapp die Hälfte des Stroms in Stein- und Braunkohlekraftwerken produziert. Die Energiekonzerne müssen daher in großem Umfang Zertifikate kaufen.

Hillebrand rechnet mit gravierenden Konsequenzen für den Produktionsstandort Deutschland. Bislang habe die Frage im Mittelpunkt gestanden, ob die Industrie aufgrund der Strompreiseffekte aus Europa vertrieben werde. Unberücksichtigt seien die Wettbewerbseffekte innerhalb Europas geblieben. „Dabei ist dieser Aspekt nicht zu unterschätzen. So könnte es für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch durchaus interessant werden, Produktion von Deutschland nach Frankreich zu verlagern“, warnt Hillebrand. Das könnte dazu führen, „dass die Wertschöpfungskette hierzulande empfindlich gestört wird.“ Zwar sei damit zu rechnen, dass sich die Strompreisniveaus innerhalb Europas immer weiter angleichen. Französische Stromkonzerne hätten aber künftig ganz andere Verhandlungsspielräume, wenn sie Stromlieferverträge mit der Industrie aushandelten. „Der Emissionshandel sollte innerhalb Europas wettbewerbsneutral sein. Das ist eindeutig nicht mehr gegeben“, resümiert Hillebrand.

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