Energiepolitik: Gibt es den optimalen Energiemix?

Energiepolitik
Gibt es den optimalen Energiemix?

Wie verlässlich ist Russland als Gaslieferant? Der russisch-ukrainische Streit bringt die Befürworter eines stärkeren Einsatzes von Gas für die Stromerzeugung in die Defensive. Befürworter von Braunkohle und Kernenergie fühlen sich dagegen bestätigt.

BERLIN. Mit dem russisch-ukrainischen Gasstreit stellt sich die Frage des optimalen Energiemixes in Deutschland neu. Insbesondere die Befürworter eines stärkeren Einsatzes von Gas für die Stromerzeugung geraten in die Defensive. Befürwortern von Kernenergie und Kohle spielen die Engpässe beim Gas dagegen in die Hände.

So liefert der Gasstreit dem Versorger RWE Argumente für seine Braunkohlekraftwerke. Die Probleme mit russischem Gas zeigten, dass Versorgungssicherheit kein Selbstläufer sei, sagt Ulrich Jobs, Vorstandsmitglied des RWE-Konzerns: "Wir müssen versuchen, unsere heimischen Energiequellen zu nutzen. Dazu zählt auch die Braunkohle. Sie ist für Deutschland wertvoll".

Gerade um den Einsatz von Braunkohle gibt es seit Jahren Streit, da die Stromerzeugung aus Braunkohle besonders kohlendioxidintensiv ist. Umweltschützer wollen daher möglichst weg vom Energieträger Braunkohle. Auch neue Steinkohlekraftwerke lehnen sie ab. Sie sprechen sich dafür aus, verstärkt auf Gaskraftwerke zu setzen, da sie klimafreundlicher sind. Zugleich halten sie am Ausstieg aus der Atomkraft fest.

Aus Sicht der Kernenergie-Befürworter ist diese Argumentation nicht mehr haltbar: Wer wie die Grünen gleichzeitig Kernenergie und Kohleverstromung ablehne, verweise als Alternative wie selbstverständlich auf neue Gaskraftwerke; unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit klinge "das in Zeiten wie diesen für die Bürger unseres Landes jedoch wie Hohn", sagt Walter Hohlefelder, Präsident des Deutschen Atomforums.

Ein massiver Ersatz von Kohleund Kernenergie-Kapazitäten durch Gaskraftwerke krempelte die Struktur der Energieversorgung in Deutschland komplett um. Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke sind hierzulande als Grundlast-Kraftwerke im Einsatz, das heißt, sie laufen im Dauerbetrieb. Da Gas als Brennstoff vergleichsweise teuer ist, werden Gaskraftwerke hauptsächlich zum Ausgleich von Verbrauchsspitzen eingesetzt, wenn man entsprechende Strompreise verlangen kann. Nur elf Prozent des in Deutschland verbrauchten Strom werden derzeit in Gaskraftwerken produziert.

Sollten Gaskraftwerke Kohle- oder Kernkraftwerke ersetzen, würde das die Stromerzeugung verteuern. Allerdings kommt der Gaskraft entgegen, dass der Emissionshandel die Kohleverstromung wirtschaftlich zunehmend unattraktiv macht.

"Die Grundlast in Deutschland liefern zu 45 Prozent Kernkraftwerke, fast die Hälfte stammt aus Braunkohlekraftwerken und der Rest aus der Wasserkraft. Es gibt gute Argumente für Gaskraftwerke, aber nicht für den Einsatz in der Grundlast", sagt Hohlefelder.

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