Energiepolitik: Mit Rot-Grün wird Strom wohl teurer

Energiepolitik
Mit Rot-Grün wird Strom wohl teurer

Die Energiewende ist eines der wichtigsten Themen im Bundestagswahlkampf. Auf der Energietagung des Handelsblatts machten die Herausforderer klar, dass ein Regierungswechsel Mehrbelastungen für die Industrie mitbrächte.
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BerlinWer Grünen-Fraktionsvizechefin Bärbel Höhn und SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber gestern auf der Bühne der Handelsblatt-Energietagung erlebt hat, musste sich schon fast wundern ob der demonstrativ zur Schau gestellten Harmonie. Tatsächlich liegen „Uli“, wie ihn Höhn freundschaftlich nannte, und sie selbst sehr eng beieinander mit ihren Vorstellungen von der Gestaltung der Energiewende.

Unangenehm könnte es bei einem Wahlsieg von Rot-Grün etwa für die Netzbetreiber werden: Wenn es nach den Parteien geht, sollen sie sich künftig mehr vom Staat reinreden lassen. „Wir müssen stärker an eine Bundesnetzgesellschaft kommen, an der auch der Staat Anteile hat. Ähnlich wie bei der Infrastruktur der Bahn sollen wir dann auch mehr Mitspracherechte haben“, sagte Höhn gestern bei der Handelsblatt-Energietagung.

Auch die SPD wünscht sich das. Zur Finanzierung der Netzanbindung von Offshore-Windparks soll die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) das nötige Kapital bereitstellen. Und auch für andere Unternehmen könnte es teuer werden, wenn etwa die Grünen nach der Bundestagswahl im September Teil der Regierung werden. Die Partei will viele der Ausnahmen, etwa die Vergünstigung bei der EEG-Umlage, die die energieintensive Industrie derzeit genießt, streichen.

„Wir wollen keineswegs sämtliche Ausnahmen abschaffen“ sagte Höhn. Aber die Grünen wollten die Vergünstigungen um ein Drittel reduzieren auf den Stand von 2008. Die begünstigten Unternehmen sollen zudem mit 0,5 statt bisher 0,05 Cent pro Kilowattstunde an der EEG-Umlage beteiligt werden.

Bei einem Wahlsieg der CDU würden hingegen die Betreiber von Photovoltaikanlagen und anderen erneuerbaren Energien zur Kasse gebeten werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die erneuerbare Energien herstellen, einen Teil der Absicherung übernehmen“, sagte CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs. „Sie sollen dazu verpflichtet werden, gesicherte Leistung dazu zukaufen.“ Auch die CSU ist von dieser Idee angetan.

Die FDP, deren Vertreter Christian Lindner zur Handelsblatt-Energietagung kurzfristig abgesagt hatte, plädiert für eine andere Lösung: Die Kraftwerksbetreiber sollen dafür bezahlt werden, Reserveleistungen vorzuhalten. „Eine Entschädigung für das Weiterlaufen von Kraftwerken ist absoluter Sozialismus“, hielt Höhn dagegen. „Insofern wundere ich mich, dass das ein FDP-Politiker so etwas vorschlägt.“

Wer auch immer die Wahl am Ende für sich ausmacht, das Thema Energie dürfte jedenfalls eines der wichtigsten im Kampf um die Plätze auf der Regierungsbank sein. Denn: „Die nächsten vier Jahre in der Regierung werden die entscheidenden Jahre für die Energiewende“, meint Höhn.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Energiepolitik: Mit Rot-Grün wird Strom wohl teurer"

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  • Voll des guten Glaubens !
    Die Spezialdemokraten werden den Teufel tun und Kohle benachteiligen.Sie SIND die Kohlemafia !!!!Die Sozis sind das schlimmste stalinistische Gesockse welches neben den Grünen hier Politik betreibt.Habe gestern erst erfahren, dass unsere strengen Waffengesetze nicht wegen der RAF, sondern von Prof.Karl Schiller,SPD, schon lange vor den RAF-Aktivitäten formuliert waren, um Volksaufständen vorzubeugen. "Vertrauen ist gut,Kontrolle ist besser".
    Volksverräter wie Noske waren ja auch Sozis.
    Diesen Figuren traue ich nicht über den Weg. Mal sehen, wer noch auf dem Wahlzettel steht.

  • HoffmannM
    Toll. Bestens aufgezeigt
    Die Grünen sind Antidemokraten und sie zeigen es mehr und mehr.

  • Zitat aus dem Artikel: "„Wir wollen keineswegs sämtliche Ausnahmen abschaffen“ sagte Höhn. Aber die Grünen wollten die Vergünstigungen um ein Drittel reduzieren auf den Stand von 2008. Die begünstigten Unternehmen sollen zudem mit 0,5 statt bisher 0,05 Cent pro Kilowattstunde an der EEG-Umlage beteiligt werden."

    Ich bin dafür.


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