Energiepolitik
Umlage für Öko-Strom steigt weiter ungebremst

Die Umlage für die Förderung der erneuerbaren Energien schießt weiter in die Höhe: 2012 wird sie voraussichtlich den Wert von 21 Mrd. Euro erreichen. Damit hätte sich die Umlage im Vergleich zu 2009 verdoppelt. Kritiker des Fördersystems sind alarmiert.
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BERLIN. Erst Mitte Oktober waren die Steigerungsraten für 2011 veröffentlicht worden. Die Umlage, die 2010 noch 2,047 Cent je Kilowattstunde beträgt, steigt mit dem Jahreswechsel um 70 Prozent auf 3,53 Cent. In der Summe heißt das: Sie wird in diesem Jahr zwölf Mrd. Euro erreichen, im nächsten Jahr 17 Mrd. Euro. Der Wert von 21 Mrd. Euro für 2012 ergibt sich aus der in der vergangenen Woche veröffentlichten "Berechnung der oberen Bandbreite der EEG-Umlage 2012" der Übertragungsnetzbetreiber. Sie sind für die Erhebung der Umlage zuständig. Auslöser für den Anstieg ist der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien.

Das Umlageverfahren ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Das EEG garantiert den Betreibern von Windrädern, Wasserkraftwerken, Photovoltaik- oder Biogasanlagen Vergütungen für jede Kilowattstunde Strom, die teilweise deutlich über den Marktpreisen für konventionell erzeugten Strom liegen. Die Kosten werden auf die Verbraucher umgelegt.

Verbraucherschützer beobachten die Entwicklung mit großer Sorge. "Die Prognose für 2012 deutet darauf hin, dass die Stromverbraucher an die fünf Cent je Kilowattstunde Strom für die Förderung der erneuerbaren Energien zahlen müssen. Damit wird die Umlage bald so hoch sein wie der Großhandelspreis für eine Kilowattstunde konventionell erzeugten Stroms", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Entscheidender Kostentreiber sei die Photovoltaik.

Tatsächlich wird die von einer neuen Photovoltaikanlage produzierte Kilowattstunde Strom mit rund 30 Cent vergütet, die Vergütung für Windstrom, der an Land produziert wird, beträgt dagegen nur etwa neun Cent. Zum Vergleich: Eine konventionell erzeugte Kilowattstunde ist an der Leipziger Strombörse für fünf Cent zu haben.

Bereits der Kostensprung von 2010 auf 2011 hatte im Oktober Kritik ausgelöst. Verbraucherschützer, große Stromverbraucher, aber auch das Bundeskartellamt stellten das Fördersystem insgesamt in Frage. Es werde höchste Zeit, die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen "in die Marktwirtschaft zu überführen", forderte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. Er spricht sich für die Kopplung der Einspeisevergütung an den Börsenpreis für Strom aus.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ein wenig Recherchearbeit hätte dem Artikel gut getan. Der Verweis auf das Umlageverfahren hat mich angeregt diesen Artikel zu lesen, allerdings musste ich mit enttäuschen feststellen, dass der eigentliche Preistreiber, nämlich das neue Ausgleichsmechanismusverfahren, keine Erwähnung findet. Gemäß der am 25.7.2009 in Kraft getretenen Ausgleichsmechanismusverordnung (AusglMechV) haben die Elektrizitätsversorgungsunternehmen seit 1. Januar 2010 für jede an Letztverbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom eine EEG-Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNb) zu entrichten. Mit diesen Zahlungen soll die Differenz aus den Einnahmen und den Ausgaben der Übertragungsnetz-betreiber bei der EEG-Umsetzung nach § 3 Abs. 3 und 4 AusglMechV sowie § 6 AusglMechAV gedeckt werden.

    Auf Deutsch bedeutet es, dass die ÜNbs Strom aus fluktuierenden Energiequellen (z.b. Wind und PV)an der Strombörse handeln bzw. diesen Strom dort verramschen. Der AusglMech sieht vor, dass die Differenz zwischen gezahlten EEG Förderungen (an die betreiber) und der Verkaufserlöse auf den Strompreis aufgeschlagen wird. Daraus ergibt sich, dass ein ÜNb kaum interesse daran hat grünen Strom ertragreich zu verkaufen und wir alle die Zeche zahlen.

    Der Anteil der EEG Förderung stieg von 2009 zu 2011 um 85%. Der Anteil der EEG Umlage jedoch um mehr als 200%. Das gibt zu denken!

  • ich habe mir mal die Mühe gemacht und bei meinem Stromversorger nachgefragt wieviele Kunden den grünen Ökotarif haben (100% erneuerbare Energie und etwas teurer). Der Normale Tarif besteht aus dem Mix 45% Kernkraft, ca. 25% Fossile, Rest erneuerbare Energie.
    Und nun kommt der Witz:
    Es sind sage und schreibe etwa 200 Kunden von 25000 Haushalten die diesen Grünen Tarif haben!
    bei angeblich 55% Atomkraftgegnern und so vielen Möchtegernökos frage ich mich schon was das für Heuchler sind.
    Das zeigt doch, daß das ganze Ökostromgedönse den Stromkunden nicht im geringsten interresiert. Hauptsache billig! inreresse besteht nur bei investoren die eine staatlich Garantierte Rendite herrausholen. Meine Solaranlagenbeteiligung bringt mir 20 Jahre lang ca 8-8,5% Rendite, staatlich Garantiert, andere beweggründe gab es nicht dies zu tun.

  • Es ist schon erstaunlich, dass selbst ein seriös wirkendes Medium wie das Handelsblatt durch einseitige Darstellung zur populitischen Meinungsbildung beiträgt, dass die Förderung alternativer Energien zu hoch oder unsinnig sei. Den ökölogischen Aspekt woll ich vollkommen vernachlässigen. Allein die Tatsache, dass die Ressourcen konventionell Energie (dazu gehört auch Uran) endlich sind zeigt dass es zu den erneuerbaren keine Alternative gibt. Wer glaubt, dass Atomenergie günstiger sei möchte sich allseitig informieren. bei allein bis dato 400 Mrd. EUR an Forschungsgeldern für Atomstrom wirken die Förderungen für Solar für die nächsten 20 jahre lächerlich. Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt (und nicht nur billig fernsehen möchte:-) ) der wird ein etwas neutraleres bild der Situation bekommen. PS: ich trage weder Sandalen noch einen selbstgestrickten Pulli - ich versuche die Realität zu erfassen und bin bereit für den Erhalt von umweltverträglichen Komfort zwangsweise auch zu bezahlen.

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