Energiepolitik
Wie Baden-Württemberg die Atomenergie überwinden will

Nach der abrupten Energiewende der Bundesregierung liegen zwei der vier EnBW-Kernkraftwerke still - eine Härteprobe für die neue baden-württembergische Landesregierung, denn sie fordert den Umbau des Energie-Konzerns.
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Stuttgart. Wollte man den Irrgarten des kretischen Sagenkönigs Minos in die Neuzeit verlegen, böte sich der Glaspalast der EnBW am Karlsruher Stadtrand an. Die langen Flure sehen irgendwie alle gleich aus. Buchstaben, Nummern und Farben sollen bei der Orientierung helfen. Trotzdem verlaufen sich selbst langjährige Mitarbeiter immer mal wieder.

Ähnlich verwirrend stellt sich für die 20.000 Angestellten des drittgrößten deutschen Energiekonzerns der künftige Weg ihres Unternehmens dar. Mehr als 50 Prozent des Stroms für ihre sechs Millionen Kunden produzierte die EnBW bis zu diesem Frühjahr mit ihren vier Kernkraftwerken. Knapp die Hälfe der EnBW-Anteile hatte noch die inzwischen abgewählte schwarz-gelbe Landesregierung gekauft.

Die andere Hälfte besitzen traditionell die OEW, die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke, ein Zweckverband von neun schwarz dominierten Landkreisen zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee. Felsenfest standen Vorstand und Großaktionäre zum Atomkurs.

Jetzt ist alles anders. Zwei der vier EnBW-Kernkraftwerke stehen nach der abrupten Energiewende der Bundesregierung auf Dauer still. Die neue grün-rote Landesregierung will den zügigen "Umbau vom Atom- zum Neue-Energien-Konzern". Milliarden sollen in Windparks und CO2-arme Gaskraftwerke im Land gesteckt werden. 2010 spülte der Atomstrom noch deutlich mehr als die Hälfte des Gewinns in die Kassen. Den droht die neue Brennelementesteuer noch weiter zu schmälern.

Zwischen »vorsichtig zurückhaltend bis gedrückt« verortet Dietrich Herd, der für die Betriebsräte der EnBW spricht, die Stimmung der Berschäftigten, je nach Betriebsteil. Klare Worte von Vorstand und Aufsichtsrat zum künftigen Kurs des Energieversorgers werden dringend erwartet. Diejenigen, die den neuen Weg weisen müssen, sind aber noch dabei, sich neu zu sortieren. Im Laufe dieser Woche wird wohl endlich der neue Aufsichtsrat stehen: Fünf von der grün-roten Landesregierung vorgeschlagene Vertreter sitzen dann neben fünf Vertretern der OEW auf der Kapitaleignerbank. Werden die sich gegenseitig blockieren, gemäß der alten politischen Farbenlehre? Wird sich der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis, der vor vier Jahren noch vom Bau eines neuen Atomkraftwerks träumte, mit dem Windkraftkurs anfreunden – oder den Klageweg beschreiten?

Eine Strategie zu finden, die politische Wünsche und betriebswirtschaftliche Realitäten bei der EnBW in Einklang bringt, wird alles andere als einfach. Trotzdem soll nach dem Willen von Grün-Rot Baden-Württemberg auch bei der Energiewende zum Musterländle werden. »Der Umbau wird kein Zuckerschlecken«, sagt Nils Schmid, Vizeregierungschef sowie Finanz- und Wirtschaftsminister der grün-roten Landesregierung. Der SPD-Minister soll in Kürze in den Aufsichtsrat einziehen.

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