Energieunternehmen
Fahndung nach dem Zirkusdirektor

Die Energieunternehmen wollen ihr ramponiertes Image aufpolieren. Ein neuer Mann an der Spitze soll die Branche wieder auf Kurs bringen. Doch die Kandidatensuche verläuft bislang erfolglos. Dabei haben die Energieversorger eine bessere Außendarstellung bitter nötig – der Weg aus der Imagekrise.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der Handlungsbedarf ist unübersehbar: Während die Gewinne der Versorger steigen, sinkt das Ansehen der Unternehmen in der Öffentlichkeit rapide. Die Manager haben erkannt, dass sie gegensteuern müssen. Doch der strahlende Darsteller, der der Branche hilft, verlorenes Terrain zurückzugewinnen, ist nicht in Sicht.

Seit Wochen werden Namen gehandelt. So überraschend sie auftauchen, so schnell verglühen sie auch wieder. Könnte vielleicht ein streitbarer früherer BDI-Präsident das Rennen machen? Oder der beschäftigungslose Ex-Manager eines großen Energiekonzerns? Friedrich Merz, der frühere Unionsfraktionschef, hat bereits abgewunken. Auch der kürzlich aus dem Amt geschiedene Wirtschaftsstaatssekretär Joachim Wuermeling und Klaus Kocks, früher bei Ruhrgas und Volkswagen für die Kommunikation zuständig, wollen davon nichts wissen. Kurzum: Es findet sich niemand.

Das kann nicht weiter verwundern: Die Anforderungen sind enorm. „Da muss man die Qualitäten eines Zirkusdirektors haben“, fasst ein Insider zusammen. „Wir brauchen einen sensiblen Kommunikator. Ein Rambo wäre auf diesem Posten eine Fehlbesetzung.“ Der sensible Kommunikator muss aber zugleich eine gewisse Durchsetzungsstärke haben. Denn sonst verschwindet er schnell im Schatten der mächtigen Platzhirsche vom Schlage eines Wulf Bernotat (Eon) oder Jürgen Großmann (RWE).

Mit Neid blicken die Energieunternehmen auf den Verband der Automobilindustrie (VDA). Der hat es geschafft es, sich mit dem neuen hauptamtlichen Präsidenten Matthias Wissmann gut zu positionieren. Die Debatte über die Kohlendioxidemissionen hatte gerade die deutschen Autohersteller in die Enge getrieben. Schnell galten sie als Blockierer.

Das Bild hat sich gewandelt. Wissmann, der über 30 Jahre Mitglied des Bundestages war und fünf Jahre lang das Amt des Bundesverkehrsministers innehatte, ist im Politikbetrieb bestens verdrahtet und weiß sehr genau, wie er die Interessen seiner Branche wirkungsvoll vertritt. „Die verkaufen sich heute viel geschickter. Inhaltlich haben sich die Positionen dagegen nicht verändert“, sagt ein Manager der Energiebranche voller Anerkennung.

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