Energieversorgung
Gasstreit befeuert Energiemix-Debatte

Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland entfacht eine neue Debatte über den künftigen Energiemix. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte zum Auftakt der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin, die Abhängigkeit vom Erdgas müsse reduziert werden. Daher seien die Kernenergie sowie moderne und effiziente Kohlekraftwerke unverzichtbar.

BERLIN. Bei der Erneuerung des Kraftwerksparks in Deutschland dürften mit Erdgas betriebene Kraftwerke möglichst keine prominente Rolle spielen, sagte der Minister. Er sehe es „mit Sorge", dass immer mehr Erdgaskraftwerke gebaut würden. Nach Auffassung des Ministers kann die Braunkohle als heimischer und nicht subventionierter Energieträger noch über Jahrzehnte wichtige Beiträge für die Energieversorgung leisten. Glos setzt dabei große Hoffnungen in die Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid. Mit dieser Technik habe die Kohle auch in Zukunft "eine echte Chance".

Die Energiewirtschaft muss derzeit wichtige Investitionsentscheidungen treffen, da der Kraftwerkspark als veraltet gilt. Dabei gewinnt die Frage nach dem geeigneten Energieträger durch die Störung der Gaslieferungen aus Russland während der vergangenen vierzehn Tage an Brisanz. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wollen die Unternehmen der Branche allein in diesem und im nächsten Jahr 26 Mrd. Euro investieren. Unter den Projekten finden sich bislang auch Gaskraftwerke.

Glos forderte eine breitere Streuung beim Gasbezug. Er warb für ein deutsches Flüssiggas-Terminal und für die Nord-Stream-Pipeline. Auch der Nabucco-Pipeline, die von der türkischen Ostgrenze bis nach Österreich führen soll, stehe er aufgeschlossen gegenüber, sagte Glos. Der türkischen Regierung warf er jedoch vor, die Pipeline als Druckmittel in den Verhandlungen über einen EU-Beitritt des Landes einzusetzen. "Wir dürfen nicht eine Abhängigkeit durch die nächste ersetzen", sagte der Minister.

Ziel des Nabucco-Projektes ist es, zentralasiatische Gasquellen für Europa zu erschließen und damit die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Das Projekt wird von mehreren europäischen Unternehmen, darunter RWE, getragen. Allerdings konnten die Initiatoren des Projektes bislang noch keine Gaslieferanten gewinnen.

Glos forderte eine verbesserte Krisenvorsorge für Gasversorgungsengpässe. Dazu sei die Solidarität innerhalb Europas unerlässlich. Allerdings müsse jedes Land ein Mindestmaß an Eigenvorsorge treffen. Wenn ein Land nicht über die erforderlichen geologischen Bedingungen für unterirdische Gasspeicher verfüge, müsse es Gas in einem anderen Land speichern lassen. Der Bau von Pipelines, die die EU-Staaten verbinden, müsse voran getrieben werden.

Nach Auffassung des Branchenverbandes BDEW muss die Gasbevorratung aber auch in Zukunft privatwirtschaftlich organisiert sein. In der Krise habe sich das deutsche System bewährt, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller. Eine staatliche strategische Gasreserve lehnte Müller ab. Sie würde das Erdgas verteuern und die Verbraucher unnötig belasten.

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