Energieversorgung
Merkel interveniert im Gasstreit

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin telefoniert, um eine schnelle Wiederaufnahme der Gaslieferungen nach Westeuropa zu erreichen. Auch Altkanzler Gerhard Schröder schaltete sich in den Konflikt ein. In der Unions-Bundestagsfraktion wird zudem der Ruf nach Alternativen zu russischem Gas lauter.

HB BERLIN. Auch mit der ukrainischen Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko telefonierte Merkel, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte. „Die Bundeskanzlerin forderte beide Seiten auf, sich schnell an den Verhandlungstisch zurückzubegeben“, erklärte Wilhelm.

Darüber hinaus sei sie mit den Gesprächspartnern übereingekommen, dass rasch Experten aus der europäischen Gaswirtschaft und der EU entsandt werden. Diese sollen auf beiden Seiten der russisch-ukrainischen Grenze klären, wo die Ursache für die Durchleitungsprobleme liege. Putin und Tymoschenko hätten die Bereitschaft signalisiert, eine solche Prüfung durch neutrale Experten zuzulassen.

Wegen des Gasstreits zwischen den beiden Nachbarländern ist die Versorgung Europas mit russischem Gas durch die ukrainische Pipeline seit Mittwoch unterbrochen. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Lieferunterbrechung verantwortlich. Russisches Gas fließt derzeit nur über eine durch Weißrussland und Polen verlaufende Pipeline nach Westeuropa.

Mitten in dem Streit hat sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit dem russischen Regierungschef Putin in St. Petersburg getroffen. Angesichts des Lieferstopps von russischem Gas durch die Ukraine nach Westeuropa unterstützten die befreundeten Politiker erneut den geplanten Bau der Ostseepipeline Nord Stream. Das meldete die Agentur Interfax. Als Aufsichtsratsvorsitzender von Nord Stream sagte Schröder, dass die Pipeline im Oktober 2011 ans Netz gehen solle. Dieses Vorhaben sei wichtig für die künftige Energiesicherheit Europas, betonte Schröder nach russischen Angaben.

Putin und Schröder begrüßten demnach auch den Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel, internationale Beobachter in die Ukraine zu entsenden. Russland wirft Kiew „Gas-Diebstahl“ vor. Putin betonte, dass der aktuelle Energie-Konflikt mit der Ukraine das Vorhaben der Ostseepipeline beflügelt habe. „Unsere europäischen Partner sind heute von der Notwendigkeit dieses Projektes überzeugt und davon, dass es bald umgesetzt wird“, sagte Putin.

Das 2005 mit Sitz im schweizerischen Zug gegründete Unternehmen Nord Stream ist ein Konsortium, an dem auch die deutschen Unternehmen BASF/Wintershall und Eon Ruhrgas beteiligt sind. Russlands Gasmonomolist Gazprom hält 51 Prozent. Die Nord Stream Pipeline soll aus zwei je etwa 1200 Kilometer langen Strängen bestehen. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 7,4 Mrd. Euro. Nach Fertigstellung des zweiten Strangs 2012 soll sich die Kapazität auf rund 55 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr verdoppeln. Damit können mehr als 25 Mio. europäische Haushalte mit Energie versorgt werden.

Unterdessen drängen führenden Unions-Politiker auf Alternativen zu russischem Gas. „Der anhaltende Gasstreit zeigt deutlich auf, dass wir unsere Gasversorgung breiter aufstellen müssen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion im Bundestag, Katherina Reiche (CDU), im Gespräch mit Handelsblatt.com. Dazu müsse „dringend“ ein seit Jahrzehnten geplantes Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven. „Nur so kann Deutschland Gas aus Afrika oder dem Mittleren Osten sowie Lateinamerika beziehen, also aus Regionen, die bisher nicht zu unserer Versorgungssicherheit beitragen“, sagte die CDU-Politikerin.

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