Energieversorgung
Stromverbraucher fordern Preissenkung

Industrie und private Stromverbraucher wollen möglichst unmittelbar von dem starken Verfall der Preise für Emissionszertifikate profitieren. "Die Stromkonzerne sind in der Pflicht, die enorme Kostenersparnis komplett an ihre Kunden weiterzugeben", sagte Alfred Richmann, Geschäftsführer des Verbandes der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF/BERLIN. Im VIK haben sich große Stromverbraucher aus der Industrie zusammengeschlossen. Schützenhilfe bekommen die Stromverbraucher von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD): "Die Energieversorger haben ihre Erhöhungen beim Strompreis immer wieder mit den hohen Kosten für die Emissionszertifikate begründet", sagte Gabriel dem Handelsblatt. Das allein sei " für alle Verbraucher schon eine Zumutung" gewesen, da die Stromkonzerne für einen großen Teil der Zertifikate keinen Cent hätten bezahlen müssen. "Jetzt, wo die Zertifikate-Preise im Keller sind, wäre es ein Gebot des Anstands, dass die Stromer wenigstens einen Teil dieser Ersparnisse an ihre Kunden weitergeben. Alles andere wäre schlicht Abzocke", sagte der Minister.

VIK-Geschäftsführer Richmann kritisierte, die Erfahrung der Vergangenheit lehre, dass die Stromkonzerne ihre Kunden keinesfalls in vollem Umfang von einem Sturz der Zertifikatepreise profitieren ließen. "Wir haben das bereits erlebt, als 2007 die Notierungen für die Zertifikate in den Keller gingen. Damals wurde nur ein Teil der Kostenersparnis weitergereicht", sagte Richmann, dessen Verband für etwa 80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes in Deutschland steht. Richmann beruft sich auf eine vom VIK in Auftrag gegebene Untersuchung des Dresdner Energiewirtschaftsexperten Christian von Hirschhausen. Demnach wirken sich steigende Zertifikatepreise dreimal stärker auf die Strompreise aus als sinkende Zertifikatepreise. Aus Sicht Richmanns ist das ein Zeichen fehlenden Wettbewerbs. Die großen Energieverbraucher in der Industrie leiden derzeit besonders unter den hohen Strompreisen.

Die Rezession in Deutschland hat zu einem dramatischen Preisverfall bei CO2-Verschmutzungsrechten geführt. Das führt dazu, dass die großen Versorger mehrere hunderte Millionen Euro weniger für den Kauf der Zertifikate aufwenden müssen (Handelsblatt vom 24.2.2009). Die Emissionszertifikate berechtigen Unternehmen dazu, eine bestimmte Menge des klimaschädlichen Kohlendioxids zu emittieren. In der Spitze hatte das Recht zur Emission einer Tonne Kohlendioxid im vergangenen Jahr an der Leipziger Energiebörse EEX fast 30 Euro gekostet. Das bekamen besonders die Energieunternehmen zu spüren, die einen großen Teil ihres Stroms in Kohlekraftwerken produzieren. Die Konjunkturkrise hat einen Preisverfall ausgelöst. Gestern kosteten die Zertifikate am Spotmarkt nur noch gut neun Euro. Für die Energiekonzerne bedeutet das eine erhebliche Entlastung.

"Man sollte nun zu einem Stromanbieter wechseln, der sich günstig am Spotmarkt mit Zertifikaten eingedeckt hat, und diesen Preisvorteil auch an die Kunden weitergibt", sagte Holger Krawinkel, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, dem Handelsblatt. Preiserhöhungen seien derzeit keinesfalls akzeptabel.

Die Energiekonzerne wehren sich gegen den Vorwurf, sie gäben den Preisvorteil nicht weiter. Die sinkenden Zertifikatepreise würden sich "mit Sicherheit" auf die Preise an den Strombörsen auswirken, heißt es in einem Konzern. RWE macht seinen Kunden dagegen keine Hoffnungen darauf, dass die aktuelle Preisentwicklung bei den Zertifikaten schnell auf den Strompreis durchschlägt: "Strom, den wir heute an unsere Kunden liefern, haben wir bereits 2007 und 2008 beschafft. Bis Herbst 2008 sind die Großhandelspreise noch deutlich gestiegen", sagte ein Sprecher. Erst in den vergangenen Monaten seien die Preise deutlich zurückgegangen. "Sollten sie weiter auf niedrigem Niveau bleiben, werden wir dies an unsere Kunden weitergeben", sagte der Sprecher weiter. Von zusätzlichen Gewinnen durch sinkende Zertifikatepreise könne keine Rede sein. Auch die Zertifikate würden zu einem großen Teil auf Termin gekauft. Die Zertifikate seien vor allem deshalb billiger geworden, weil die Industrie ihre Produktion drossele und nun viele Zertifikate verkaufe.

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