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Energiewende: Bundesamt kommt mit Offshore-Anträgen nicht hinterher

Papierstau beim Bundesamt für Seeschifffahrt: Noch fast 100 Offshore-Projekte stehen zur Genehmigung aus. Beeilen braucht sich die Behörde dennoch nicht - der Windausbau hakt ohnehin an den fehlenden Netzen.

Hoffnungsträger im Meer: Offhore-Windkrafträder. Quelle: dapd
Hoffnungsträger im Meer: Offhore-Windkrafträder. Quelle: dapd

Sie ist der große Hoffnungsträger unter den erneuerbaren Energie: Die Offshore-Windkraft. Doch bisher steht mit Alpha Ventus nur ein einziger funktionsfähiger Windpark in deutschen Meeren.

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Dabei gibt es große Pläne: 100 Anträge für Windparks und in Nord- und Ostsee warten derzeit beim zuständigen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf Bearbeitung, teilte die Präsidentin Monika Breuch-Moritz am Dienstag in Hamburg mit. 126 Genehmigungsverfahren für Offshore-Windparks laufen bereits, davon seien 29 genehmigt; gebaut werde mittlerweile an acht Windparks. „Beim Ausbau der Windenergie brauchen wir einen langen Atem“, sagte Breuch-Moritz.

Offshore-Windenergieleistung 2011 weltweit

Einige Unternehmen haben bereits das Abenteuer Offshore auf Eis gelegt, wie etwa der Energieversorger EnBW. Das Unternehmen hatte für sein Projekt "Hohe See" in der Nordsee 1,5 Milliarden Euro eingeplant. Der Grund für den Aufschub sei die noch ausstehende Reform des Energiewirtschaftsgesetzes und die damit verbundene Unsicherheit über Termine für die Netzanbindung der Windräder, teilte EnBW damals mit.

Inzwischen ist die Reform zwar auf den Weg gebracht, umgesetzt sind die Gesetze jedoch noch nicht und der Energieversorger wartet auch weiterhin auf einen Termin für die Netzanbindung.

Erst heute hatte auch der österreichische Baukonzern Strabag den Ausbau seiner Aktivitäten im Bereich Windparks auf hoher See bis auf Weiteres gestoppt. „Es sprechen derzeit noch zu viele Gründe dagegen - von der unklaren rechtlichen Situation und unklaren Zukunft der Energiepolitik am deutschen Markt bis hin zur fehlenden Speichertechnologie für Strom aus erneuerbaren Quellen und zur fehlenden Transportmöglichkeit der Energie vom Erzeuger zum Verbraucher“, begründete Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner am Dienstag die Entscheidung.

Fragen zum Netzausbau

  • Wie groß ist der Ausbaubedarf?

    Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

  • Um welche Leitungen geht es?

    Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

  • Das Übertragungsnetz

    Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

  • Das Verteilnetz

    Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

  • Wer bezahlt den Ausbau?

    In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

    Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Dabei habe Deutschland mit dieser Energieform eine große Chance. „Wenn die Anlagen erst einmal stehen, dann brauchen sie keine Rohstoffe und verursachen keinen Abfall“, sagte BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz. Das sei der Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Das BSH erforsche am Rande des Offshore-Windparks Alpha Ventus die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Umwelt und die Kräfte, die auf solche Anlagen wirken. Die Ergebnisse würden in den weiteren Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Erste Ergebnisse weisen zum Beispiel darauf hin, dass Fische den Bereich von Offshore-Windparks gern aufsuchen. Sie ziehen auch Schweinswale und bestimmte Vogelarten nach sich, die das vermehrte Nahrungsangebot nutzen. Andere Vögel hingegen meiden die Offshore-Windparks.

  • 15.01.2013, 17:04 Uhrhagadi

    Schön liegenlassen die Bauanträge...ansonsten muss der Bürger für noch mehr zwar produzierten auf nicht lieferbaren Strom zahlen. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

  • 15.01.2013, 19:24 UhrEnergie_verstehen

    Liebes Handelsblatt-Team, leider hat ihr Beitrag grobe Mängel. Alpha Ventus ist nicht der einzige deutsche Offshore-Windpark. In der Ostsee steht der erste kommerzielle Windpark "Baltic 1". Zudem plant EnBW ein weiteren OWP - "Baltic 2" - Baustart soll 2013 sein. Offshore ist nicht nur Nordsee!

    Darüber hinaus sollte man beachten, dass nicht alleine der Netzanschluss Probleme bereitet. Vielmehr fehlt es an Logistik (Verlegeschiffe), Zulieferung von Investitionsgütern (Transformatoren etc.) und Seekabel.

    Ein wenig mehr Recherche wäre hilfreich, um auch die richtigen Informationen zu übermitteln.

  • 15.01.2013, 22:48 UhrJOETEM

    Strom aus PV wird in 2013 billiger ins netz gespeist als Off-Shore Strom und WA an Land produzieren den Strom zur Hälfte des Preises - beide PV und onshore-WKA sind von Privaten und dem Mittelstand schnell realisierbar.
    Die Off-shore WKA sind die letzte Rückszugschacne für Monopolisten Gigantomanie - und wieder zeigt sich: die machen die Energiewende nicht aus

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