Energiewende: Die Kostenlawine rollt, die Politik laviert

Energiewende
Die Kostenlawine rollt, die Politik laviert

Die Kosten der Energiewende drohen, massiv auszuufern, weil die Ökostrom-Umlage nochmal einen Sprung um 20 Prozent nach oben machen wird. Experten schlagen eine Kostendeckelung vor. Doch so einfach ist das nicht.
  • 14

BerlinDie Kanzlerin verliert sich bisher vor allem in Ankündigungen. Die Dynamik der Kostenentwicklung bei der Energiewende müsse gebremst werden, sagt Angela Merkel. Aber wie? Das sagt sie vor der Wahl nicht. Die CDU-Chefin kann sich glücklich schätzen, dass es bisher elf Prozent weniger Windstromproduktion als noch 2012 gibt - sonst würden die Strompreise noch weiter steigen. Aber auch so drohen rund 40 Euro mehr nur durch Förderkosten für erneuerbare Energien. Hinzu kommen höhere Netzentgelte. 2014 wird ein Mehr-Personen-Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch über 1000 Euro für Strom berappen müssen.

Daher wird händeringend nach dem goldenen Schlüssel zur Begrenzung der Kosten gesucht. Von mehr Druck auf die Energieversorger, zulasten ihrer Margen die Preise zu dämpfen, redet die SPD. Die Grünen fordern eine Kappung der Industrierabatte um vier Milliarden Euro. Die Union will diese um 700 Millionen Euro senken. Am Donnerstag nun hat die Monopolkommission ihren Vorschlag vorgestellt. Klar ist: Der Ursprung der Anstiege liegt darin, dass inzwischen 25 Prozent der Stromproduktion außerhalb des Marktes steht und über die Strompreise mit festen Vergütungen gefördert wird. Nur: Der Vorschlag ist ein alter Hut.

Denn den jetzt wieder vorgeschlagenen Wandel zu einem Quotensystem hat das Beratergremium von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bereits 2011 angeregt. Grob gesagt geht es um folgendes: Versorger müssen schrittweise bis 2020 rund 35 Prozent des Stromeinkaufs mit erneuerbaren Energien abdecken. Der jeweils günstigste Anbieter bekäme den Zuschlag, das wären wohl vor allem Windparks an Land. Es gäbe keine auf 20 Jahre garantierte Vergütung wie bisher. Die FDP unterstützt das Quotenmodell in ihrem Wahlprogramm. Dadurch könnte aber etwa der Offshore-Ausbau in Nord- und Ostsee zum Erliegen kommen, da es mangels Abnahmegarantie Unsicherheit gäbe, ob sich die Milliardeninvestitionen rentieren.

Die Grünen argumentieren, stagniere aber der Ausbau, könne der Ökostrom zur Erfüllung der Quoten zu bestimmten Zeiten so teuer sein, dass das zu höheren Kosten als derzeit führen kann. Investoren würden zudem durch eine wachsende Planungsunsicherheit hohe Risikoaufschläge verlangen, die sie auf den Kilowattstundenpreis aufschlagen, meint der Bundesverband erneuerbare Energien. Und Bürgerwindparks und Energiegenossenschaften könnten wegbrechen, da das System die Macht großer Versorger stärkt, da sie bestimmen, woher sie ihren Grünstrom beziehen. „Das wäre die Remonopolisierung der Energieversorgung“, warnt Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD).

Die Frage ist, ob ein großer Wurf überhaupt möglich ist. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) würde ja parallel weiterbestehen. Es besagt, dass alle bisher laufenden Biogasanlagen, Windräder und Solarparks auf 20 Jahre garantiert Vergütungen über den Marktpreisen bekommen - die Differenz zwischen Vergütung und dem für den Strom im Verkauf erzielten Preis wird per Umlage auf die Strompreise gewälzt.

Seite 1:

Die Kostenlawine rollt, die Politik laviert

Seite 2:

FDP warnt vor Scheitern der Energiewende

Kommentare zu " Energiewende: Die Kostenlawine rollt, die Politik laviert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Alle alternative Energieformen pauschal beurteilen ist nicht gerade sehr klug.
    Alternative Energie beim Heizen ist ökonomisch und ökologisch. Wer z.B. lieber mit nachwachsendem Holz statt mit Öl oder Gas heizt, kann hier berechnen wie viel Energie Holz, Öl und Gas im Vergleich zueinander haben und wie viel CO2 & Geld man mit Holz einspart.

    <a href="http://www.normatherm.com/kaminofen/kaminofen-webapp.html">Kamin Webapp für iPhone, Safarie & Firefox</a>

  • @Vicario: Die Sonne scheint immer, seit meiner und Deiner Geburt und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch bis zu unserem Tod und noch sehr lange darüber hinaus ;-)

    P.S.: Deine emotionalen, unbeherrschten und damit unsachliche Kommentare machen nicht gerade Lust darauf "Alternativ" zu wählen. Die sind für mich keine ansprechende Werbung, sondern eher ein abschreckendes Beispiel, wie auch die so manch anderem Forenuser der hier pro "Alternativ" postet (und zu Beginn habe ich mich durchaus für diese Patei interessiert). Das ist schon ziemlich kontraproduktiv.

    Inzwischen bin ich sogar fast froh, dass der Trittin so präsent ist (obwohl auch ich ihn für ziemlich überheblich halte), weil es echt lustig ist wie der so manchen hier auf die Palme bringt. Mußte schon häufig herzhaft lachen.

    Jürgen, Danke dafür und Daumen hoch!

  • Sorry - aber da sollten Sie sich mal professionelle Berater ins Haus holen. Ich leite ebenfalls ein mittelständisches Unternehmen und habe kürzlich Strom-Kontrakte für 2015 und 2016 abgeschlossen. Selbst wenn die EEG-umlage weiter steigt, werde ich weniger zahlen als vor 2 Jahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%