Energiewende
Experten warnen vor Ausbau der Bioenergie

Eine Studie kratzt am positiven Image von Bioenergie: Der Anbau von Monokulturen gefährdet die Artenvielfalt, birgt Umweltrisiken und verdrängt den Nahrungsanbau. Doch die Regierung will den Ausbau weiter vorantreiben.
  • 8

Bioenergie kann nach Einschätzung führender Wissenschaftler bei der Energiewende nur eine untergeordnete Rolle spielen. In einer am Donnerstag vorgestellten Studie kommt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu dem Schluss, dass entgegen der Regierungspläne auf den Ausbau der Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen verzichtet werden sollte.

Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden. Das Bundesumweltministerium erklärte, es setze weiter auf Biokraftstoffe. Der Biokraftstoffverband warf den Wissenschaftlern vor, sie würden die Vorteile von Biokraftstoffen verkennen.

Die Wissenschaftler kratzen am klimaneutralen Image der Bioenergie. Zwar stimme es, dass bei der Bildung von Biomasse prinzipiell so viel klimaschädliches Kohlendioxid aufgenommen wie später bei der Verbrennung wieder freigesetzt werde. Damit die Pflanzen aber gediehen, müssten sie gedüngt werden. „Düngung führt allerdings zu Emissionen von Stickstoff-basierten Treibhausgasen", heißt es in der Studie. Diese Gase hätten ein höheres Erwärmungspotenzial als Kohlendioxid.

Einen weiteren Minuspunkt sehen die Autoren der Studie im umfangreichen Import vor allem von Futtermitteln. Dabei wird die Rechnung aufgemacht, dass auf mehr deutschen Feldern Futtermittel angebaut würden, wenn dort nicht Energiepflanzen kultiviert würden. Durch die Importe von Futtermitteln und anderer Biomasse würden aber die Risiken einer intensiven Landwirtschaft exportiert.

Der Studie zufolge wurden 2010 in Deutschland sieben Prozent des Primärenergieverbrauchs durch Biomasse und landwirtschaftlichen Abfällen gedeckt. Ohne die Biomasseimporte wären es weniger als drei Prozent gewesen.

Seite 1:

Experten warnen vor Ausbau der Bioenergie

Seite 2:

Monokulturen gefährden Artenvielfalt

Kommentare zu " Energiewende: Experten warnen vor Ausbau der Bioenergie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie essen mit Sicherheit kein Fleisch?! Auf dreiviertel der Maisanbauflächen werden Tierfuttermittel für die Tiermast angebaut.
    ----------------------
    Genau..mich stört auch das Tiere mästen gewaltig..und sollten sie weiter wissen wollen,wie ich die Welt sehe,
    dann Weimars Welt lesen..hab mich da grad ausgemistet.
    Mit Lebewesen Geschäfte machen,sei es Kinderarbeit
    oder zur Unterstützung von Potenz und dem Drang seine
    Zähne in totes Fleisch zu hauen,ekelt mich an.

  • Wenn man die Studie der Leopoldina genau ließt, wird in erster Linie der intensive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden in der Landwirtschaft kritisiert. Das ist aber ein generelles Problem und nicht auf den Anbau von Energiepflanzen beschränkt! Auch die Verlagerung von "Problemen" ins Ausland durch den Import von Rohstoffen/ Nahrungsmitteln ist eher ein generelles Problem.

    Wenn wir das wirklich wollen (und es spricht sicher einiges dafür), dann müßten wir auch unsere Ernährungs- und sonstigen Verbrauchsgewohnheiten grundsätzlich überdenken und ändern! Wer der Leopoldina immer noch Beifall zollen möchte, der soll dieses jetzt tun!

  • Vor wenigen Jahren wurden noch landwirtschaftliche Flächen in Deutschland "stillgelegt", weil die Überproduktion die Preise verfielen ließ. Heute werden auf einem Bruchteil dieser Flächen "Energiepflanzen" angebaut. Verhungern wird deshalb kein Mensch, weder in Deutschland und schon gar nicht irgendwoanders in der Welt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%