Energiewende

Experten warnen vor Ausbau der Bioenergie

Eine Studie kratzt am positiven Image von Bioenergie: Der Anbau von Monokulturen gefährdet die Artenvielfalt, birgt Umweltrisiken und verdrängt den Nahrungsanbau. Doch die Regierung will den Ausbau weiter vorantreiben.
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Ein Maisfeld vor einer Produktionsanlage für Ethanol. Die Gewinnung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt oft mehr Treibhausgase, als bekannt. Quelle: AFP

Ein Maisfeld vor einer Produktionsanlage für Ethanol. Die Gewinnung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt oft mehr Treibhausgase, als bekannt.

(Foto: AFP)

Bioenergie kann nach Einschätzung führender Wissenschaftler bei der Energiewende nur eine untergeordnete Rolle spielen. In einer am Donnerstag vorgestellten Studie kommt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu dem Schluss, dass entgegen der Regierungspläne auf den Ausbau der Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen verzichtet werden sollte.

Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden. Das Bundesumweltministerium erklärte, es setze weiter auf Biokraftstoffe. Der Biokraftstoffverband warf den Wissenschaftlern vor, sie würden die Vorteile von Biokraftstoffen verkennen.

Die Wissenschaftler kratzen am klimaneutralen Image der Bioenergie. Zwar stimme es, dass bei der Bildung von Biomasse prinzipiell so viel klimaschädliches Kohlendioxid aufgenommen wie später bei der Verbrennung wieder freigesetzt werde. Damit die Pflanzen aber gediehen, müssten sie gedüngt werden. „Düngung führt allerdings zu Emissionen von Stickstoff-basierten Treibhausgasen", heißt es in der Studie. Diese Gase hätten ein höheres Erwärmungspotenzial als Kohlendioxid.

Einen weiteren Minuspunkt sehen die Autoren der Studie im umfangreichen Import vor allem von Futtermitteln. Dabei wird die Rechnung aufgemacht, dass auf mehr deutschen Feldern Futtermittel angebaut würden, wenn dort nicht Energiepflanzen kultiviert würden. Durch die Importe von Futtermitteln und anderer Biomasse würden aber die Risiken einer intensiven Landwirtschaft exportiert.

Der Studie zufolge wurden 2010 in Deutschland sieben Prozent des Primärenergieverbrauchs durch Biomasse und landwirtschaftlichen Abfällen gedeckt. Ohne die Biomasseimporte wären es weniger als drei Prozent gewesen.

Monokulturen gefährden Artenvielfalt
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8 Kommentare zu "Energiewende: Experten warnen vor Ausbau der Bioenergie"

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  • Sie essen mit Sicherheit kein Fleisch?! Auf dreiviertel der Maisanbauflächen werden Tierfuttermittel für die Tiermast angebaut.
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    Genau..mich stört auch das Tiere mästen gewaltig..und sollten sie weiter wissen wollen,wie ich die Welt sehe,
    dann Weimars Welt lesen..hab mich da grad ausgemistet.
    Mit Lebewesen Geschäfte machen,sei es Kinderarbeit
    oder zur Unterstützung von Potenz und dem Drang seine
    Zähne in totes Fleisch zu hauen,ekelt mich an.

  • Wenn man die Studie der Leopoldina genau ließt, wird in erster Linie der intensive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden in der Landwirtschaft kritisiert. Das ist aber ein generelles Problem und nicht auf den Anbau von Energiepflanzen beschränkt! Auch die Verlagerung von "Problemen" ins Ausland durch den Import von Rohstoffen/ Nahrungsmitteln ist eher ein generelles Problem.

    Wenn wir das wirklich wollen (und es spricht sicher einiges dafür), dann müßten wir auch unsere Ernährungs- und sonstigen Verbrauchsgewohnheiten grundsätzlich überdenken und ändern! Wer der Leopoldina immer noch Beifall zollen möchte, der soll dieses jetzt tun!

  • Vor wenigen Jahren wurden noch landwirtschaftliche Flächen in Deutschland "stillgelegt", weil die Überproduktion die Preise verfielen ließ. Heute werden auf einem Bruchteil dieser Flächen "Energiepflanzen" angebaut. Verhungern wird deshalb kein Mensch, weder in Deutschland und schon gar nicht irgendwoanders in der Welt!

  • Sie essen mit Sicherheit kein Fleisch?! Auf dreiviertel der Maisanbauflächen werden Tierfuttermittel für die Tiermast angebaut, nur auf einem viertel der Flächen für die Energienutzung.

  • Die Kritik ist sicher von Seiten der Atom-/Kohle-/GasIndustrie im Eigeninteresse forciert, dennoch scheint sie durchaus auch sachgerecht und berechtigt.

    Die Verwendung von landwirtschaftlichen Flächen zur Energiegewinnung ist ethisch nicht zu rechtfertigen und skandalös angesichts des Hungers in der Welt. Das ist Mord mit anderen Mitteln.

    Hier zwei kleine lustige youtube-clips zum (eigentlich unlustigen Thema) Thema:

    Der Klimawandel und die Götter
    http://www.youtube.com/watch?v=6a67l3qq9MQ

    Der Klima-Thilo Fritz Vahrenholt und die grünen Khmer
    http://www.youtube.com/watch?v=k5TfJsjHGKU

  • Was waren das nur für Leute,die die Eckpfeiler der Energiewende festlegten ?
    Kurzzeitig hatte man den verdacht , es sind Menschen die wissen was sie machen , heute wissen wir , sie sind in Höchstem Maße verantwortungslos mit der Energieversorgung Deutschlands umgegangen .
    Dilettanten und Populisten forderten Kraftwerke abzuschalten , den Objektiven unter uns bereitete das Kopfzerbrechen !

  • Der Anbau von Monokulturen gefährdet die Artenvielfalt, doch die Regierung will den Ausbau weiter vorantreiben.
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    Noch so ein nicht wieder gutzumachender Fehler,der mir
    als Natur und Tierschützer das Herz zerreißt.

  • Gem. der Oekoreligion erfolgt die korrekte Energieerzeugung mit bereits im Mittelalter bekannten Verfahren.
    Die Einspeisung von Wind- und Solarstrom erfolgt gem. den Launen des Wetters. Die Verbrennung von Lebensmitteln kann man wetterunabhängig gestalten und bei entsprechenden Kapazitäten deren Schwankungen ausgleichen.

    Allerdings ist das Verbrennen von Lebensmitteln ähnlich ökologisch wie Solar- und Windenergie. Die Landwirtschaft erfordert enorme Flächen und viel Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel. Ähnlich Wind und Sonne erfordern diese Energieerzeugungsmethoden mehr Energie als diese erzeugen. Bioenergie ist umweltschädlich und hoffnungslos unrentabel. Hinzu kommt dass verbrennen der Lebensmittel die Preise erhöht wodurch zahlreiche Menschen in Ländern geringerer Kaufkraft sterben.

    Bioenergie ist so ökologisch wie Wind und Sonne. Die Oekoreligion geht über Leichen.

    Vandale

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