Energiewende
„Ich sehe ein Gerechtigkeitsproblem“

Während Großverbraucher von Ausnahmeregelungen profitieren, treffen die steigende Strompreise vor allem die Mittelschicht und den Mittelstand. Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale fordert eine Entlastung.
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Handelsblatt: Die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien wird im kommenden Jahr noch einmal stark steigen. Ist das den Verbrauchern noch zuzumuten?
Holger Krawinkel: Eindeutig nein. Schon jetzt ist die Schmerzgrenze überschritten. Die Umlage beläuft sich aktuell auf 3,59 Cent je Kilowattstunde. Die Kanzlerin hatte im vergangenen Jahr zugesagt, der Wert von 3,5 Cent werde nicht überschritten. Diese Zusage ist somit bereits gebrochen. Vieles deutet darauf hin, dass im nächsten Jahr die Grenze von fünf Cent überschritten wird. Das ist dann absolut unzumutbar. Die Politik muss kurzfristig Lösungen anbieten, die den Verbrauchern eine spürbare Entlastung bringen.

Wer ist besonders betroffen?
Sozial Schwache, die Transferleistungen erhalten, sind nicht stark betroffen, weil die Transferleistungen regelmäßig angepasst werden. Die Lasten werden auf die Mittelschicht abgewälzt, in der Wirtschaft auf den Mittelstand, der nicht von Ausnahmeregelungen profitiert.

Was schlagen Sie vor?
Es gibt zwei Modelle, die sich schnell umsetzen ließen. Die Bundesregierung könnte die Stromsteuer streichen. Sie beträgt zwei Cent je Kilowattstunde. Die Entlastung würde sich auf etwa sieben Milliarden Euro summieren. Die andere Möglichkeit besteht darin, auf Strom den reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent statt den vollen Satz von 19 Prozent zu erheben.

Müsste man nicht die Ursache bekämpfen und die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien verringern?
Das ist nicht möglich. Jeder Betreiber eines Windrades oder einer Photovoltaikanlage bekommt feste Vergütungen für 20 Jahre zugesichert. Das lässt sich nicht einfach zurückdrehen. Daher muss die Belastung für die Verbraucher an anderer Stelle kompensiert werden.

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"Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss reformiert werden"

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  • Was sind denn die Alternativen? Bevor sich hier jeder in Rage schimpft, wär es nett einfach mal andere Optionen aufzuzeigen.
    Ein Ausstieg aus den fossilen Energien ist unausweichlich. Wer die Langzeitwirkung von anthropogen ausgestoßenen Treibhausgasen verneint, ist nicht ernst zu nehmen. Deshalb brauchen wir Erneuerbare. Auch möchte ich mein Geld nicht nach Russland oder Kuwait wandern sehen.
    Die Zeche zahlt der kleine Man? Jetzt im Moment, ja! Wer denkt, dass der Preis des Strom mit dem "Strompreis" abgedeckt wird hat sich geschnitten! Für Folgekosten muss keiner der vier Großen aufkommen. Und die Folgekosten bei den fossilen sind nun mal um einiges höher als bei Erneuerbaren.
    Die Umlage steigt und ist schon sehr hoch. Ich würde einen Mix aus EEG und Quotenmodell präferieren. Auch stärkere Integrationsmodelle wie Flexibility Bonus oder Eigenvermarktungsquote können dabei helfen, dürfen aber nicht wie die Marktprämie zu einer höheren Umlage führe... Sehr schwierig das Ganze!

  • Nicht aufregen, bei jeder Gelegenheit sind die Berufsdemonstranten mit den Grünen an der Spitze durch das Land gereist und haben dem Atomstrom ein frühes Ende beschert. Auch ich war mit dem Atomstrom nicht glücklich. Die Endlagerfrage ist ein wirkliches Desaster. An diesem Thema hat auch Herr Trittin als Umweltminister kläglich versagt.

    Der Ausstieg war viel zu schnell und überhastet, weil die die Grünen und die Roten sich als Umweltapostel aufgespielt haben und jeden Tag das Thema auf die Tagesordnung gebracht haben. Das war für jeden Demonstranten und Politiker absehbar, dass es nach dem Atomausstieg auch wieder nicht passt, weil Strom teurer wird.

    Jetzt stören die Windräder, die neuen Stromleitungen sind auch nicht erwünscht. Wann wissen diese Berufsdemonstranten was sie wollen? Sollen wir jetzt wieder Gas-Laternen aufstellen?

  • @margrit117888
    Zum Thema verdienen:
    Der Gipfel der Unverschämtheit ist, dass Herr Schäuble auf die EEG Umlage auch noch Mehrwertsteuer verlangt.

    Steuer auf die Steuer - das ist cool.

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