Energiewende
Kaltreserve soll kosten

Durch die Energiewende kann es zu Strom-Lieferengpässen kommen. Um dies zu verhindern, werden fossile Kraftwerke in Kaltreserve gehalten. Für diese Reserve wollen die Kraftwerksbetreiber jetzt Geld sehen.
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Berlin Die Kraftwerksbetreiber wollen sich das Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen. Das geht aus dem Entwurf einer Selbstverpflichtungserklärung der Branche hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Die Unternehmen wollen mit der Selbstverpflichtung einer gesetzlichen Regelung zuvorkommen

Mit der Selbstverpflichtung, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erarbeitet hat, erklären sich die Betreiber bereit, in Kaltreserve oder in Betrieb befindliche Anlagen nicht stillzulegen, wenn sie von den Netzbetreibern als systemrelevant identifiziert worden sind. Voraussetzung dafür soll nach den Vorstellungen des BDEW sein, „dass dem Betreiber die hieraus resultierenden direkten und indirekten Mehrkosten erstattet werden“. Die Betreiber wollen sich außerdem verpflichten, Anlagen in Kaltreserve technisch zu ertüchtigen. Auch die direkten und indirekten Kosten der technischen Aufrüstung wollen sie sich erstatten lassen

Die Anlagen sollen dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber „zum uneingeschränkten Zugriff zur Verfügung“ stehen und ausschließlich auf Anweisung des Übertragungsnetzbetreibers Strom einspeisen. Wird die Anlage in Anspruch genommen, sollen Erlöse, die durch den Absatz des gelieferten Stroms entstehen, von den entstandenen Mehrkosten abgezogen werden. Erstatten lassen wollen sich die Betreiber neben den Brennstoffkosten und den Kosten für Emissionszertifikate auch etwa die Kosten für Hilfs- und Betriebsstoffe, aber auch Instandhaltungsmaterial, Personalkosten, Versicherungen und Abgaben

Hintergrund der Selbstverpflichtung sind die knappen Erzeugungskapazitäten: Mit den Beschlüssen zur Energiewende waren im vergangenen Jahr gleich acht Kernkraftwerke endgültig stillgelegt worden. Insbesondere im Südwesten Deutschlands sind dadurch Engpässe aufgetreten. Die Bundesnetzagentur hat darum eine Reihe älterer fossiler Kraftwerke zur „Kaltreserve“ bestimmt. Die alten und teilweise höchst ineffizienten Anlagen, darunter ein altes Ölkraftwerk in Österreich, werden im Notfall eingeschaltet. Trotz der Kaltreserve bleibt die Situation angespannt. Im vergangenen Februar war eine Engpass-Situation aufgetreten, die die Bundesnetzagentur in einem Bericht im Frühjahr als sehr ernst bezeichnete. Hinzu kommt, dass einige Betreiber zuletzt angekündigt hatten, Kraftwerke stillzulegen, die nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sind.

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  • Sehr geehrter Physiker,
    Ihr Bäcker kalkuliert die tatsächliche Nutzung des Ofens, die tatsächlichen Löhne (inklusive Urlaub und Krankheit), das Mehl, das Heizöl, den Strom etc. in den Preis für seine Waren ein.

    Wenn Sie also sonntags eine Semmel für 45 Cent kaufen, ist dies nicht der Preis für diese soeben von Ihnen erstandene Semmel sondern der sich aus einer "Mischkalkulation" über alle Waren Ihres Bäckers über einen Zeitraum gemittelt ergebende Preis.
    Ihr Bäcker kennt seinen Aufwand, schätzt seinen Absatz und findet so den Preis, der seiner Bäckerei das Überleben sichert.

    Bei einem Reservekraftwerk verhält es sich einwenig anders. Die regenerativen Energien haben gesetzlich geregelt Vorrang bei der Einspeisung, so dass NIEMAND eine Voraussage treffen kann, ob und wann das Kraftwerk jemals Strom liefern darf - und wenn, dann zu welchem Preis? - um seine laufenden Kosten zu decken.

    Die Kraftwerksmitarbeiter möchten genau wie Sie für ihre ehrliche Arbeit (Schichtdienst auch an Wochenenden und Feiertagen!) entlohnt werden. Die Maschinen müssen gewartet werden um im Anforderungsfall auch verfügbar zu sein.
    Druckgeräte und Sicherheitsventile müssen vom TÜV regelmäßig geprüft werden, egal ob die Anlage läuft oder nicht. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
    Ein Kraftwerk, das in einer windstillen Februarnacht versagt, kann sich Deutschland heute übrigens nicht mehr leisten.

    Welcher Unternehmer kann es sich leisten, auf seinen Ausgaben sitzenzubleiben ohne Aussicht auf Einnahmen?

    Der Bäcker würde in diesem Fall genauso seinen Laden schließen müssen, wie es die Kraftwerksbetreiber eigentlich zu tun gezwungen wären.

    Wenn also von einem Kraftwerksbetreiber erwartet wird, dass er ein eigentlich unwirtschaftliches Kraftwerk in Reserve hält, dann ist es doch nur recht und billig, dass die entstandenen Kosten auch ersetzt werden.

    Wie schon in meinem Kommentar geschrieben, spreche ich nur von den tatsächlichen Kosten und nicht von Phantasiepreisen.

  • Fürstliche Entlohnung !
    Wenn jemand seine Kosten erstattet bekommt, wird er in Deutschland also fürstlich entlohnt.
    Da ich sonntags beim Bäcker meine Brötchen hole, den Rest der Woche aber kein, werde ich demnächst den Bäcker fürstlich entlohnen, denn ich bezahle mit meinem Obolus ja den Ofen für die ganze Woche mit. Auch ja, und all die anderen Dienstleiter werde ich auch fürstlich entlohnen. Denn ich hoffe, dass auch ich fürstlich entlohnt werde, auch wenn ich mal nicht arbeite (Nachts, Sa.+So., Urlaub Krankheit...)

  • ...Bereithalten von Kapazitäten fürstlich entlohnen lassen.

    Warum diese Polemik? Erhalten Sie für die von Ihnen verfassten Artikel keine Entschädigung?
    Möchten Sie gern, dass man Ihnen den für Ihre ehrliche Arbeit zustehenden Lohn vorenthält und Ihnen stattdessen unterstellt, Sie seien ein (krimineller) Abzocker?

    In einer Marktwirtschaft muß ein Unternehmen bei Strafe seines Untergangs kostendeckend wirtschaften.

    Die Vorhaltung von Kraftwerkskapazität KOSTET und sie ist NOTWENDIG.

    Es ist das gute Recht von Energieunternehmen, sich die entstanden Kosten für das Produkt "Reserveenergie"
    ersetzen zu lassen - natürlich keine Phantasiepreise.

    Ich halte Polemik für kein angemessenes Mittel der vierten Säule der Demokratie.

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