Energiewende
Mittelständler wollen mehr Geld für Stromspeicher

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft plädiert für einen Ausbau der Förderung für Speichertechnik und macht Vorschläge, wie seiner Meinung nach die Energiewende billiger werden könnte.
  • 6

Berlin Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert eine stärkere Unterstützung für Stromspeicher. „Die breit angelegte Forschungsförderung für Speicher muss weiter ausgebaut werden“, sagte BVMW-Chef Mario Ohoven dem Handelsblatt. Dabei sollten alle Speichertechnologien gleich behandelt werden, heißt es in einem Positionspapier des Verbandes, das dem Handelsblatt vorliegt.

Zudem plädierte die Mittelstandsvereinigung dafür, die Verteilnetze stärker auszubauen. So könnte man Übertragungsleitungen „überflüssig machen“. Gegen die geplanten neuen Hochspannungsleitungen, die Strom über hunderte Kilometer vom Norden in den Süden Deutschlands transportieren sollen, protestieren bereits seit Monaten Bürgerinitiativen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte sich jüngst insbesondere gegen die geplante Trasse Suedlink gewehrt und vorgeschlagen, den Leitungsverlauf zu verschieben.

Durch eine Erweiterung der Verteilnetze „werden der Netzausbau und die Energiewende billiger“ meint Ohoven. Tatsächlich kosten auch die Investitionen in diese Leitungen bereits Milliarden.

Bezahlt wird der Netzausbau von den Stromverbrauchern über die Netzentgelte. Die machen jetzt schon zehn bis 25 Prozent der Stromrechnungen aus. Dabei kommt es allerdings darauf an, in welchem Netzgebiet man wohnt. Besonders hoch sind die Netzentgelte etwa in den neuen Bundesländern. Experten halten es für wahrscheinlich, dass sich die Unterschiede noch verschärfen werden.

Der BVMW, der laut eigenen Angaben 270.000 kleine und mittlere Unternehmen auch im Rahmen von Allianzen vertritt, plädiert daher für einen eine „ernsthafte“ Prüfung, die Kosten für den Ausbau der Verteilnetz bundesweit anzugleichen. Auch der Think Tank Agora Energiewende hatte bereits einheitliche Netzentgelte gefordert.

Außerdem will der Mittelstandsverband, dass Strom aus Erneuerbaren Energien zu Zeiten, in denen besonders viel Strom im Netz ist, häufiger gekappt wird. Wenn zu Spitzenzeiten der Strom aus Erneuerbaren Energien um ein Prozent runtergefahren würde, könne auf 30 Prozent des Netzausbaus verzichtet werden, heißt es in dem Positionspapier.

Auch die sogenannte Anreizregulierung für den Netzausbau solle geändert werden, fordert der BVMW. Die bestimmt, wie viel Geld Netzunternehmen wie 50Hertz oder Tennet über die Netzentgelte von Stromverbrauchern einnehmen können um ihre Leitungen zu betreiben und auszubauen. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet zur Zeit an einer Novellierung. Der BVMW fordert, den Einsatz intelligenter Technologien bei der Anreizregulierung stärker zu berücksichtigen, damit die Netzbetreiber mehr in diese investieren. So könnten die Ausbaukosten deutlich gesenkt werden, argumentiert der Mittelstandsverband.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Energiewende: Mittelständler wollen mehr Geld für Stromspeicher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Ausbau der Stromnetze ist Sache des Staates, dafür nimmt der Staat Steuern ein.
    Stromnetz-Ausbau gehört zur Infrastruktur.
    Letztendlich ist der immer stärker steigende Strompreis nichts anderes als eine Steuererhöhung.
    Was sollen die Bürger denn noch zahlen?

  • Herr Feiden,

    es gibt im Grunde 2 Stromexportmechanismen in Deutschland.

    Zum Einen importiert D Grundlaststrom aus umweltfreundlichen Kernkraftwerken in Frankreich und exportiert vor allem im Winter wenn der Bedarf in F hoch ist Mittellaststrom aus Kohlekraftwerken nach Frankreich. Die Erlöse liegen in den meisten Fällen > 46 €/MWh.

    Zum Anderen exportiert D bei starker Sonneneinstrahlung am verbrauchsschwachen Wochenende und zu Starkwindzeiten am Wochenende. Da Ökostrom gesetzlichen Vorrang geniesst und da man zur Sicherung der Netzstabilität ein Minimum von ca. 50% Strom aus modernen Kraftwerken im Netz benötigt, ist dass dann buchhalterisch meist Strom aus Kohle und Kernkraft der den Nachbarländern ins Netz gedrückt wird. Ursache ist natürlich der umweltschädliche, wertlose Ökostrom. Der Ertrag des Strommüllexports liegt selten > 46 €/MWh, häufig < 0.

  • @Wolfgang Rosam

    Schauen Sie sich mal diese Auswertungen an, z.B. für den Monat Mai.

    https://www.energy-charts.de/price_de.htm

    Auffallend ist meines Erachtens, dass immer dann Strom aus Deutschland exportiert wird (heisst dort "Importsaldo"), wenn zur Mittagszeit die Sonne scheint... :-)

    Laut dem "Fraunhofer Institites für solare Energiesysteme" wurden in 2014 34 MRD KWh an Strom exportiert. Dies entspricht in der Menge der gesamten solaren Stromerzeugung (32,8 MRD KWh) oder rund 66% der Windstromproduktion (51,4 MRD KWh). Der Stromexport korreliert mit dem Ausbau der Erneuerbaren und hat im letzten Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Erlöst wurden lt. Börsenzeitung im letzten Jahr 4,6 Cent für die exportierte KWh. Wer nun weiss, was dem Privatmann für die KWh berechnet wurde, der kann auch den "Kapitalexport" zu Lasten der Deutschen berechnen (hier fällt mir ein Zitat von Joschka Fischer ein).

    Die deutsche "Energiewende" hat meines Erachtens nicht viel mit Energie wenden zu tun. Vielmehr fängt der hohe Strompreis die insbesondere durch Lohndumping zu wettbewerbsfähige deutsche Industrie wieder etwas ein und die Einnahmen aus der Stromsteuer, die wiederum die Lohngedumpten bezahlen müssen, können dazu dienen europäische (und aussereuropäische) Brandherde etwas einzudämmen.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%