Energiewende
Netzausbau wird viele Milliarden verschlingen

Die Energiewende kommt, bekräftigt die Kanzlerin. Das kann jedoch nur mit einem massiven Ausbau der Stromnetze funktionieren, erklären die Netzbetreiber - und präsentieren der Politik einen kostspieligen Ausbauplan.
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BonnFür die Energiewende von Bundeskanzlerin Angela Merkel müssen in den kommenden zehn Jahren über 30 Milliarden Euro in die Stromnetze investiert werden. Allein die Modernisierung und der Ausbau der Trassen an Land verschlinge bis 2022 rund 20 Milliarden Euro, erläuterten die Übertragungsnetzbetreiber am Dienstag auf eine Pressekonferenz mit Merkel bei der Bundesnetzagentur in Bonn. Für die Windkraft auf hoher See kämen noch mal rund zwölf Milliarden Euro hinzu.

„Die Energiewende ist so, wie wir sie beschlossen haben, machbar“, betonte Merkel. „Es bleibt bei dem Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022“, versicherte die Kanzlerin. Befürchtungen, die mit dem Strompreis zu zahlende EEG-Umlage für die Förderung erneuerbarer Energie könne im kommenden Jahr durch den derzeit stürmischen Ausbau der Sonnenenergie drastisch steigen, wollte die Bundeskanzlerin nicht kommentieren. "Das ist im Moment noch Kaffeesatzleserei", sagte sie.

Die weitere Entwicklung hänge auch von der Novelle des EEG-Gesetzes ab, das die Förderung der Solarenergie weiter reduzieren solle. Sie ist zurzeit zwischen Bund und Ländern umstritten.

Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW überreichten Merkel den Entwurf des ersten nationalen Netzentwicklungsplans. Er bildet die Grundlage für den Netzausbau, der im Detail nun ausgearbeitet werden soll und bis Ende des Jahres in ein Gesetz einfließen soll. Schwerpunkt seien leistungsstarke Nord-Süd-Leitungen. Sie sollen die verbrauchsstarken und vom Ausstieg aus der Kernenergie besonders betroffenen Regionen im Südwesten Deutschlands mit dem durch den Zubau an Windenergie geprägten Norden verbinden.

Weitere Einzelheiten zu den Plänen wollen die Betreiber am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellen. In Deutschland müssten neue Leitungen mit einer Länge von rund 3800 Kilometern gebaut werden, erläuterte der Geschäftsführer von Tennet TSO, Martin Fuchs, bereits vorab. Darüber hinaus müssten bestehende Trassen mit einer Länge von rund 4000 Kilometern modernisiert werden.

Die Übertragungsnetzbetreiber seien überzeugt, das deutsche Höchstspannungsnetz für die erfolgreiche Energiewende fit machen zu können, sagte Fuchs. "Zwanzig Milliarden hört sich erschreckend an", erklärte der Manager. In Relation zu den Ausgaben für die Förderung von erneuerbaren Energien in Höhe von jährlich 14 Milliarden Euro sei dies jedoch eine handhabbare Summe.

Sorge mache ihm vor allem die Akzeptanz der neuen Trassen in der Öffentlichkeit, sagte Fuchs. Der Netzausbau sei deshalb kein Selbstläufer. Hier sei ein Schulterschluss aller Beteiligten notwendig.

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  • Willkommen im Jahr 2012. Da Ihnen etwas entgangen ist, möchte ich gerne ein wenig nachhelfen.

    1. Das deutsche Stromnetz bzw. die Stromnetzbetreiber stehen unter staatlicher Regulierung und sind von der Erzeugung und dem Vertrieb getrennt. Dividenden von E.ON, Vattenfall, RWE oder EnBW haben mit den Netzen nichts zu tun.

    2. Es werden jährlich in Stromnetze 100 Millionen investiert. Also wer von fehlendem Ausbau und der Bereitschaft zu investieren spricht, der hat sich noch nie mit der Materie beschäftigt.

    3. Ihr Problem in NRW mit den Blackouts hat nichts mit den Energieversorgern zu tun. Hier trifft es Netzbetreiber. Die Stromnetze sind zwar schon alt, aber dies bedeutet nicht, dass diese schlecht sind. Was Sie hier vergessen, sind die Witterungsbedingungen, die das Problem ausgelöst haben. Es bleibt dennoch zu bemerken, dass Deutschland das beste Stromnetz der Welt hat. Kein anderes Land hat weniger Stromausfälle als Deutschland.

    Lieber erst informieren, dann lospoltern. Hilft ungemein.

  • Schön das Leute die keine Ahnung haben groß rumbrüllen. Die Rendite ist bei Erdkabeln und Freileitung identisch. Diese wird von staatlicher Seite (Bundesnetzagentur) festgelegt und das Geschäft aller Netzbetreiber ist staatlich reguliert.

    Wenn Sie sich mit dem Thema Erdkabel beschäftigen würden, dann erkennen Sie sicher auch die Probleme. Neben den höheren Kosten (die nebenbei an die Netzkunden gewälzt werden dürfen) bestehen auch Problem mit der Instandhaltung. Zudem darf auf der 30m breiten Trasse auch nicht gepflanzt werden.

    Also erst informieren, dann blöd labern.

  • Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur, ist der verantwortliche Lobbyist(VWLer) der 20 Mrd. 7,8 tkm behauptet!!



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