Energiewende Neue Netze braucht das Land

Die Energiewirtschaft drückt aufs Tempo: Die Netzbetreiber wollen neue Starkstromleitungen für 20 Milliarden Euro bauen. Die Bundeskanzlerin will die Pläne durchpeitschen, doch die Länder kündigen bereits Widerstand an.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Sicherheitszentrale des Netzbetreibers Amprion: Beschleunigtes Verfahren. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Sicherheitszentrale des Netzbetreibers Amprion: Beschleunigtes Verfahren.

(Foto: dpa)

BonnWie können Stromangebot und -nachfrage in Deutschland besser in Einklang gebracht werden, und wie lässt sich eine sichere Versorgung gewährleisten? Auf diese Fragen haben die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50-Hertz, Amprion und EnBW heute ihre Antwort gegeben: Der von ihnen vorgelegte Netzentwicklungsplan gibt erstmals eine konkrete Vorstellung davon, auf welche neuen Stromleitungen sich Deutschland einstellen muss. Die Studie enthält alle Maßnahmen, die die Netzbetreiber innerhalb der nächsten zehn Jahre für erforderlich halten, wenn Deutschland kein Blackout drohen soll.

"Der Netzausbau ist elementarer Bestandteil für das Gelingen der Energiewende", erklärten die Betreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Mittwoch in Berlin. Der vorgelegte Entwurf soll die Grundlage für den Ausbau des Stromnetzes sein.

Die Kernaussagen des "Netzentwicklungsplans": In Deutschland müssen bis 2022 Hochspannungsleitungen mit einer Gesamtlänge von 1 700 Kilometern neu gebaut werden. Außerdem sollen bereits bestehende 4 000 Kilometer lange Leitungen modernisiert werden.

Darüber hinaus planen die privaten Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und EnBW, parallel zum bestehenden Netz vier Nord-Süd-Trassen mit einer Länge von insgesamt 2 100 Kilometern zu bauen. Dabei handelt es sich um "Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen", die große Mengen Strom fast verlustfrei von der Nord- und Ostseeküste in die industriellen Zentren der Republik transportieren. Die Kosten für diese Projekte beziffern die Netzbetreiber auf 20 Milliarden Euro. Hinzu kommen gut zehn Milliarden Euro für die Anbindung der Offshore-Windparks.

"Ohne Umbau der Stromnetze laufen die Fortschritte bei der Nutzung erneuerbarer Energien ins Leere", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Mit der Modernisierung des bestehenden Netzes ziehen die Betreiber die Konsequenz aus den Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahren machen mussten: Wo immer sie neue Stromleitungen bauen wollen, regt sich Widerstand. Bürgerinitiativen, nicht selten von Landes- oder Kommunalpolitikern unterstützt, bekämpfen die Projekte und sorgen mitunter für jahrelange Verzögerungen. Der Rückgriff auf bestehende Trassen dürfte weitaus geringere Akzeptanzprobleme auslösen als ein kompletter Neubau.

Dennoch führt am kompletten Neubau von 1 700 Kilometer neuer Trassen kein Weg vorbei, heißt es in der Studie. Dieser Wert liegt allerdings deutlich unter jenen 3 600 Kilometern, die die Deutsche Energie-Agentur (Dena) veranschlagt.

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31 Kommentare zu "Energiewende: Neue Netze braucht das Land"

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  • Deutschland braucht keine neuen Netze - Deutschland braucht bezahlbaren Strom, der auch dann fließt, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.

  • Der Finanzamtvergleich soll Ihnen zeigen, dass es wohl ausreichend ist, wenn die Bundesnetzagentur als staatliches Kontrollorgan die Investitionen auf ihrer Höhe und Richtigkeit prüft.

    Sie verstehen nicht, warum man Geschäftsgeheimnisse wie den Einkaufspreis für sich behält? Würden Sie wenn Sie einen neuen Arbeitgeber suchen dem genau sagen wieviel Sie vorher verdient haben? Wohl nicht, schließlich wollen Sie ja eventuell zukünftig mehr verdienen. Ist einfach Geschäftstaktik. Dies hat nichts mit Gehältern von Geschäftsführern zu tun, es ist einfach nur wirtschaftlich notwendig.

    Wenn Sie so auf transparenz abfahren, dann informieren Sie sich doch einfach auch umfangreich über Themen. Ich denke die Ansätze sind eigentlich nicht schwer zu verstehen.

  • Ich denke, dass hier jeder für seinen eigenen Saft redet und die Wahrheit verschleiert.
    Stromnetze nun zu erstellen kostet ein Haufen Geld, welches dann auch bezahlt werden muss. Allerdings kann es nicht so sein, dass die Industrie den Kunden jetzt bluten lässt für die hohen Investitionen und später noch einmal für den fast kostenlosen Ökostrom 3000 % Profit erwirtschaftet, die dann auch der Kunde zahlt. Hier sollte es eine klare Regel geben, 10% Profit meinetwegen, aber dann gleichmässig, d.h. jetzt teurer in 10 Jahren nur noch 10% des heutigen Preises, denn die Abschreibungen sind weg. Käme mir dann als zukünftiger Renter und Verbraucher gut zu stehen. Die heutigen Netze sind 40 Jahre alt, also 30 Jahre günstigen Strom. Denn letztendlich können die Verbraucher und Steuerzahler nicht ständig die Wirtschaft sanieren und beglücken, denn ansonsten würde sich für mich eine Anlage lohnen, die 10% mehr Strom produziert als ich selber verbrauche, die Investition bürde ich dem Steuerzahler auf, den Rest verkaufe ich zu garantierten Höchstpreisen in den nächsten 5000 Jahren mit einer jährlichen Preiserhöhung von 30% ( schliesslich gibt es Inflation und Ertragssteigerung welche zu stemmen sind ).
    Betriebswirtschaftlich klingt die Idee hervorragend, denn ich muss ja nichts mehr für meinen Profit machen ausser Instandhaltung - Gewinn, Gehalt und Ertrag steigen automatisch. Schön - dieses Model würde ich gerne patentieren und für mich in Anspruch nehmen, garantiert es doch immer sprudelnde Einkünfte --- ein perpetuum mobile sozusagen.
    Hilfen ok, aber nicht zu diesen Preisen. Vielleicht sollte die Politik auch ein Wenig nachdenken, bevor sie weitreichende und dumme Entscheidungen trifft.
    Die Lobby ist stark und schlau, die Politik in den seltensten Fällen.

  • ... kennen Sie einen Menschen in Deutschland, der behauptet, die Sonne scheint ständig oder der Wind weht ständig? Ich nicht.

    Wir haben über 600 Kraftwerke mit mehr als 100 MW Leistung (ohne PV-Anlagen) in Deutschland. Über 40 kommen bis 2020 dazu. Ein Teil dieser neuen Kraftwerke sind Windfarmen auf der Nordsee, die mit über 4000 Volllaststunden (das schafft längst nicht jedes KKW) im Jahr Strom produzieren. Warum sollen wir diesen Standortvorteil nicht nutzen? Die Spanier, Portugiesen, Italiener oder Griechen haben diese Möglichkeit nicht, dafür haben Sonnenenergie bis zum Abwinken. Die Schotten und Franzosen haben Gezeitenenergie. Die Norweger wiederum haben Speicherkraftwerke, die sie so optimieren können, dass sie bei Windstille halb Europa mit Strom versorgen können. Dazu kommen die fossilen Wasserkocher und die Kernkraftwerke in Europa, die alleine auch nie eine Lösung waren, weil sie nicht/schwer steuerbar sind.

    Letztendlich ist unsere Stromversorgung nicht dadurch sicher, dass wir ein paar kräftige Stromerzeuger haben, die bei einem Ausfall ein riesen Problem darstellen, sondern durch viele unabhängige Kraftwerke, die sich durch ein modernes Stromnetz gegenseitig absichern. Das macht die Stromversorgung sicher und nicht ein 2000 MW-Kraftprotz, der schlagartig auf 0 W runterfährt, wenn eine Dichtung platzt.

  • Leider gehen die meisten Kommentare hier am Thema Netze vorbei.

    Ich würde gerne wissen, wieso denn plötzlich neue Netze das Speicherproblem lösen?

    Es gibt keinen (bezahlbaren) Speicher, der 10 Tage Windflaute speichern kann. Allenfalls können wir mit mehr Netzen Strom aus der "Tschechdose" (siehe http://tinyurl.com/7tm9y2c) beziehen und überflüssigen Zufallsstrom unter Erzeugerpreis ins Ausland schicken.

    Wieso sind plötzlich gefährliche und hässliche Hochspannungsleitungen besser als eine verbrauchernahe, effiziente und preisgünstige Stromerzeugung?

    Neue Netze hin oder her, Merkel's Energiespaß ist schon heute unbezahlbar. 100 Milliarden für die Photovoltaik halten den Klimawandel ein paar Stunden auf. Mit dem Wind verhält es sich ähnlich.

  • ... richtig, seit 10 bis 12 Jahren steigen die Preise kräftig. Warum sind die Preise gestiegen, wo die EE-Umlage lange Zeit unter 1 Cent/kWh blieb und die Kernkraftwerke bis zum März letzten Jahres alle am Netz waren?

    Der Zusammenhang zwischen alternativen Energien und der Verdopplung der Strompreise in den letzten ca. 12 Jahren besteht nicht. Das wollen uns ein paar ewig Gestrige einreden, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen alternative Energieerzeugung als das Böse schlechthin entdeckt haben.

    Übrigens: Falls jemand auf die Schnappsidee kommt, der Netzausbau macht den Strom nennenswert teuer, sollte vorher nachrechnen. Die 30 Mrd € machen auf 30 Jahre Nutzungsdauer gerechnet bei 600*30 TWh Stromverbrauch in ganz Deutschland etwa 0.0017 €/kWh aus.

  • @Sonnenschein

    Äußerst naiv zu glauben, dass wir eine Stromversorgung bekommen, die uns von niemanden abhängig macht. Wir sind immer von irgendjemanden abhängig, wenn es um das Thema Energie geht. Im Zweifelsfall werden alle Kosteneinsparungen beim Strompreis direkt in Steuererhöhungen umgewandelt. Merkel gönnt ihrem Volk nunmal nicht das Schwarze unter dem Fingernagel.

    Stellen Sie sich vor. Alle hätten ihre eigene PV auf dem Dach und ein Windrad im Garten. Und da nunmal laut den geistig Umnachteten hier in Deutschland die Sonne ständig scheint und der Wind ständig weht, kann sich jeder für alle Zeiten selbst versorgen. Dann zahlen wir halt nicht mehr 25ct für Strom inkl. Steuern an die Stromanbieter, sondern 25ct Steuern auf unseren kostenlosen Strom. Oder dürfen Sie Ihren eigenen Schnaps zuhause brennen, weil er dann ja nichts kostet? Ohne Steuerabgabe auf den Selbstgebrannten ist das Steuerhinterziehung. Merkel oder jeder andere Kanzler nach ihr wird Ihnen das Leben niemals leicht machen. Es war schon immer so, dass die Menschen in eine Richtung getrieben werden und wenn sie dort alle hinlaufen, werden sie dafür bestraft. Zahlen müssen sie sowieso. Ob nun das Geld an die Stromanbieter oder an die Ölscheichs oder an den Staat geht. Das ist doch völlig egal.

  • War der AKW Strom denn nicht "billig"? Wer soll die angeblich so hohen Kosten der AKW bezahlt haben, ohne das zu merken?

    Fakt ist doch, daß wir jetzt seit c.a. 10 Jahren steigende Preise haben, und der Strom (nicht inflationsbereinigt) jetzt c.a. doppelt so teuer ist. Im "Atomzeitalter" (wo noch Dinosaurier lebten wie der berühmte Großmannsaurus-Rex) war der Strom deutlich billiger.

  • @MitgliedEcke

    Sonnenschein ist das typische Resultat der politisch geforderten und durch die Medien ausgeführten Massenverblödung. Ich sehe sie noch vor meinem geistigen Auge, die Superschlagzeile im Handelsblatt: "Solarstrom ersetzt in Deutschland 20 Atomkraftwerke". War doch so Superwetter über Pfingsten. Jetzt brauchen wir uns keine Sorgen mehr machen. Sonne satt. Für immer!! Sowie auch Wind. Warum brauchen wir überhaupt noch Kraftwerke? Deutschland wird leider nicht mehr schlauer. Das Ding ist gelaufen. Ich denke ernsthaft übers Auswandern nach.

  • Was soll der Finanzamtvergleich? Schließlich kann das Finanzamt schon seit mehreren Jahren alle meine Konten überprüfen. Das nenne ich mal 100% Transaparenz.

    Aber wenn es umgekehrt gehen soll und staatliche Projekte mit Bürgergeld finanziert werden, dann funktioniert das nicht?

    Ob Siemens, ABB ist doch egal - müssen wir die Aktionäre dieser Unternehmen mit Steuergeld reich machen? Peter Löscher verdient mit 8,65 Mil., das 45fache von der Bundeskanzlerin (190.000). Da sind bei den Großkonzernen aber noch gewaltige Einsparpotentiale vorhanden.

    Wenn die Bundeskanzlerin nicht langsam das Internet als Transparenzmedium begreift - geh ich Piraten wählen.

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