Energiewende: Neue Netze braucht das Land

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Energiewende
Neue Netze braucht das Land

Die Energiewirtschaft drückt aufs Tempo: Die Netzbetreiber wollen neue Starkstromleitungen für 20 Milliarden Euro bauen. Die Bundeskanzlerin will die Pläne durchpeitschen, doch die Länder kündigen bereits Widerstand an.
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BonnWie können Stromangebot und -nachfrage in Deutschland besser in Einklang gebracht werden, und wie lässt sich eine sichere Versorgung gewährleisten? Auf diese Fragen haben die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50-Hertz, Amprion und EnBW heute ihre Antwort gegeben: Der von ihnen vorgelegte Netzentwicklungsplan gibt erstmals eine konkrete Vorstellung davon, auf welche neuen Stromleitungen sich Deutschland einstellen muss. Die Studie enthält alle Maßnahmen, die die Netzbetreiber innerhalb der nächsten zehn Jahre für erforderlich halten, wenn Deutschland kein Blackout drohen soll.

"Der Netzausbau ist elementarer Bestandteil für das Gelingen der Energiewende", erklärten die Betreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Mittwoch in Berlin. Der vorgelegte Entwurf soll die Grundlage für den Ausbau des Stromnetzes sein.

Die Kernaussagen des "Netzentwicklungsplans": In Deutschland müssen bis 2022 Hochspannungsleitungen mit einer Gesamtlänge von 1 700 Kilometern neu gebaut werden. Außerdem sollen bereits bestehende 4 000 Kilometer lange Leitungen modernisiert werden.

Darüber hinaus planen die privaten Netzbetreiber Tennet, Amprion, 50 Hertz und EnBW, parallel zum bestehenden Netz vier Nord-Süd-Trassen mit einer Länge von insgesamt 2 100 Kilometern zu bauen. Dabei handelt es sich um "Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen", die große Mengen Strom fast verlustfrei von der Nord- und Ostseeküste in die industriellen Zentren der Republik transportieren. Die Kosten für diese Projekte beziffern die Netzbetreiber auf 20 Milliarden Euro. Hinzu kommen gut zehn Milliarden Euro für die Anbindung der Offshore-Windparks.

"Ohne Umbau der Stromnetze laufen die Fortschritte bei der Nutzung erneuerbarer Energien ins Leere", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Mit der Modernisierung des bestehenden Netzes ziehen die Betreiber die Konsequenz aus den Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahren machen mussten: Wo immer sie neue Stromleitungen bauen wollen, regt sich Widerstand. Bürgerinitiativen, nicht selten von Landes- oder Kommunalpolitikern unterstützt, bekämpfen die Projekte und sorgen mitunter für jahrelange Verzögerungen. Der Rückgriff auf bestehende Trassen dürfte weitaus geringere Akzeptanzprobleme auslösen als ein kompletter Neubau.

Dennoch führt am kompletten Neubau von 1 700 Kilometer neuer Trassen kein Weg vorbei, heißt es in der Studie. Dieser Wert liegt allerdings deutlich unter jenen 3 600 Kilometern, die die Deutsche Energie-Agentur (Dena) veranschlagt.

Kommentare zu " Energiewende: Neue Netze braucht das Land"

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  • Deutschland braucht keine neuen Netze - Deutschland braucht bezahlbaren Strom, der auch dann fließt, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.

  • Der Finanzamtvergleich soll Ihnen zeigen, dass es wohl ausreichend ist, wenn die Bundesnetzagentur als staatliches Kontrollorgan die Investitionen auf ihrer Höhe und Richtigkeit prüft.

    Sie verstehen nicht, warum man Geschäftsgeheimnisse wie den Einkaufspreis für sich behält? Würden Sie wenn Sie einen neuen Arbeitgeber suchen dem genau sagen wieviel Sie vorher verdient haben? Wohl nicht, schließlich wollen Sie ja eventuell zukünftig mehr verdienen. Ist einfach Geschäftstaktik. Dies hat nichts mit Gehältern von Geschäftsführern zu tun, es ist einfach nur wirtschaftlich notwendig.

    Wenn Sie so auf transparenz abfahren, dann informieren Sie sich doch einfach auch umfangreich über Themen. Ich denke die Ansätze sind eigentlich nicht schwer zu verstehen.

  • Ich denke, dass hier jeder für seinen eigenen Saft redet und die Wahrheit verschleiert.
    Stromnetze nun zu erstellen kostet ein Haufen Geld, welches dann auch bezahlt werden muss. Allerdings kann es nicht so sein, dass die Industrie den Kunden jetzt bluten lässt für die hohen Investitionen und später noch einmal für den fast kostenlosen Ökostrom 3000 % Profit erwirtschaftet, die dann auch der Kunde zahlt. Hier sollte es eine klare Regel geben, 10% Profit meinetwegen, aber dann gleichmässig, d.h. jetzt teurer in 10 Jahren nur noch 10% des heutigen Preises, denn die Abschreibungen sind weg. Käme mir dann als zukünftiger Renter und Verbraucher gut zu stehen. Die heutigen Netze sind 40 Jahre alt, also 30 Jahre günstigen Strom. Denn letztendlich können die Verbraucher und Steuerzahler nicht ständig die Wirtschaft sanieren und beglücken, denn ansonsten würde sich für mich eine Anlage lohnen, die 10% mehr Strom produziert als ich selber verbrauche, die Investition bürde ich dem Steuerzahler auf, den Rest verkaufe ich zu garantierten Höchstpreisen in den nächsten 5000 Jahren mit einer jährlichen Preiserhöhung von 30% ( schliesslich gibt es Inflation und Ertragssteigerung welche zu stemmen sind ).
    Betriebswirtschaftlich klingt die Idee hervorragend, denn ich muss ja nichts mehr für meinen Profit machen ausser Instandhaltung - Gewinn, Gehalt und Ertrag steigen automatisch. Schön - dieses Model würde ich gerne patentieren und für mich in Anspruch nehmen, garantiert es doch immer sprudelnde Einkünfte --- ein perpetuum mobile sozusagen.
    Hilfen ok, aber nicht zu diesen Preisen. Vielleicht sollte die Politik auch ein Wenig nachdenken, bevor sie weitreichende und dumme Entscheidungen trifft.
    Die Lobby ist stark und schlau, die Politik in den seltensten Fällen.

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