Energiewende
Oettinger warnt vor deutschem Alleingang

Bei der Handelsblatt-Jahrestagung „Erneuerbare Energien“ hat sich EU-Energiekommissar Günther Oettinger gegen Euphorie und Ideologie in der Energiewende ausgesprochen. Wichtig sei eine europäische Lösung, so der Minister.
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BerlinEU-Energiekommissar Günther Oettinger hat auf der Handelsblatt-Jahrestagung zu Erneuerbaren Energien in Berlin vor einem deutschen Alleingang bei der Energiewende gewarnt: „Wenn jeder autark werden will, wird es keinen Binnenmarkt geben“, so Oettinger am Montag. Gleichzeitig kritisierte Oettinger die bisherige Umsetzung. Die Pläne des Bundes, der Länder und der Kommunen zur Energiewende ergäben bislang kein „stimmiges Gesamtbild“. Es handele sich um eine „Form von Planwirtschaft“, bei der auf Verbraucherwünsche ebenso wenig eingegangen werde, wie auf die Bedürfnisse der Nachbarstaaten.

Besonders der Erneuerungsbedarf der Netzinfrastruktur, der durch die Energiewende entstehe, sei in Deutschland bislang noch nicht zu Ende gedacht worden. „Wir stellen Strom an Orten und zu Tageszeiten her, zu denen er nicht gebraucht wird.“ Ungefragt dringe der Strom aus Husum und Emden anschließend in die nationalen Stromnetze von Polen und Tschechien. Deutschlands Anrainerstaaten stünden damit vor dem großen Problem, die eigene Energieinfrastruktur stabil zu halten. Der Ausbau bei den Stromnetzen verlange daher nach einer „europäischen Lösung“, so Oettinger.

Die Versorgungssicherheit innerhalb der EU-Staaten stehe für die Kommission an erster Stelle. Er warnte vor Stromausfällen bei der Kupfer- und Halbleiterproduktion in Deutschland. Wenige Sekunden Ausfall könnten wochenlange Reparaturarbeiten zur Folge haben. Zu Stromausfällen wie in den USA oder Asien dürfe es nicht kommen. Gleichwohl scheint das Vertrauen in die Versorgungsstabilität unter den Unternehmern zu sinken: Immer mehr Unternehmen würden sich mittlerweile private Dieselaggregat zulegen, so Oettinger - obwohl sie ans öffentliche Netz angeschlossen seien.

In Deutschland würde zudem die Wirkung überschätzt, die der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien auf den Klimawandel habe. Die Staaten der EU seien lediglich für 12 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, Deutschland alleine für drei Prozent. Es müsste daher vermehrt global darum geworben werden, um den CO2-Ausstoß nachhaltig senken zu können. Und das werde schwierig, so Oettinger. In den USA glaube eine Vielzahl der Parlamentarier ohnehin nicht an den Klimawandel, in China würden die Interessen der Industrie an erster Stelle stehen und erst dann folge der Umweltschutz. In Deutschland täte man daher gut daran, sich von Euphorie und Ideologie nicht überwältigen zu lassen und stattdessen „Vernunft walten zu lassen“.

Beispielhaft dafür sei etwa die Einführung des umstrittenen Biosprits E10 in Deutschland gewesen, die Oettinger „Bauchlandung pur“ bezeichnete. E10 sei vorschnell und ohne gute Vorbereitung an die Zapfsäulen gebracht worden, dies sei „kein Musterbeispiel für gute Regierungstätigkeit gewesen“, tadelte er. Die Debatte „Teller oder Tank“ sei kaum zu bestehen. Daher rate die EU-Kommission von einem höheren Beimischungsanteil von 15 oder 20 Prozent nach 2020 ab.

Kommentare zu " Energiewende: Oettinger warnt vor deutschem Alleingang"

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  • Alternativlos sollte nach Meinung der Kanzlerin die Energiewende sein. Abgeliefert hat sie dazu nur Murks ohne Plan oder Konzept. Zu allem schweigt sie nun in bester Kohl-Manier.

  • Herr Oettinger muß begreifen, dass in Deutschland die Ökofanatiker sind

  • @ wolfibaerli,
    das Problem sind Politiker in der EU die in ihrer Vergangenheit bewiesen haben, dass noch nicht einmal für eine nationale Politik geeignet sind.

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