England als Vorbild
Ruf nach deutschem Kreativwirtschaftsminister

Großbritannien hat ihn schon, und Deutschland soll ihn bekommen – einen Kreativwirtschaftsminister. Zumindest hält der Unternehmer und Musikproduzent Tim Renner einen solchen Posten für nötig. Die Bundesregierung schenke den Kreativen noch zu wenig Aufmerksamkeit, sagte er Handelsblatt Online am Rande der Veranstaltung „Dialog der Generationen“ in Berlin.
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DÜSSELDORF. Der Unternehmer und Musikproduzent Tim Renner hat die Bundesregierung aufgefordert, dem Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft künftig mehr Gewicht zu verleihen. Die Kreativwirtschaft sei mit ihren Kleinstlabeln, Galeristen oder Softwareschmieden „extrem kleinteilig“, was sie im politischen Diskurs behindere, sagte Renner am Mittwoch im Gespräch mit Handelsblatt Online. Dagegen sei es „viel leichter, einige wenige Industrieunternehmen zu einer schlagkräftigen Lobbygruppe zu vereinen, die dann ihre Inputs in den politischen Prozess“ gebe. „Da muss der Staat eingreifen und im Zweifel selbst die Struktur bauen“, forderte der frühere Chef von Universal Music Germany.

Ein Ansatz wäre nach Renners Ansicht, die Kompetenzen dazu beim Kulturstaatsminister zu bündeln und ihn zum Kulturminister zu machen. „Das werden aber die Länder nicht mitmachen“, sagte er. Die andere Möglichkeit sei daher, „einen starken Staatsekretär im Wirtschaftsministerium zu verankern“.

Renner verwies auf die positiven Erfahrungen Großbritanniens. Dort habe man schon vor vielen Jahren einen „Minister for Creative Industries“ ins Leben gerufen, um „einen Bereich, der große Bedeutung gewonnen hat, zu fördern, die Wachstumspotenziale zu stärken und die Ungleichheiten im Markt zu ebnen“. Die Kreativwirtschaft in Deutschland sei ein Bereich „mit der höchsten Dynamik“, betonte Renner. Dort arbeiteten rund eine Million Leute, die etwa 132 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr erwirtschafteten. „Die Kreativwirtschaft ist ein starker Faktor für die Volkswirtschaft und sie wächst weiterhin kräftig.“

Dessen ungeachtet lobte Renner das bisherige Engagement der Bundesregierung. Die Einrichtung eines „Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft“ vor wenigen Tagen sei aber erst ein Anfang. „Wir bewegen uns in Trippelschritten voran, da muss dringend Geschwindigkeit rein“, sagte der Unternehmer. Renner beklagte in diesem Zusammenhang die Schwierigkeiten vieler Kreativer beim Versuch an Kredite zu kommen. „In der Kreativwirtschaft werden immaterielle Wirtschaftsgüter produziert, die aber nicht kreditfähig sind“, sagte er. Deshalb laufe die Kreativwirtschaft „ständig“ in eine Finanzierungslücke rein. „Hier muss der Staat eingreifen und die Kreativwirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen gleichstellen“, forderte Renner.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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