Enquete-Kommission
Keine Alternative zum Wachstum

Experten und Abgeordnete des Bundestags sollten in einer Kommission nach Alternativen zum Wachstum suchen. Doch obwohl es viele Ideen gab, sie sind gescheitert. Schuld daran war das parteipolitische Kleinklein.
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Sie hat geglaubt, dass eine andere Art von Politik möglich ist. Damals, vor gut zwei Jahren. Die junge Abgeordnete Daniela Kolbe saß da wie heute. Den Kopf schräg, der Blick abwartend. Sie beendete viele Sätze noch mit Fragezeichen und erzählte ganz offen von ihren Zweifeln: ob es immer weitergehen könne mit unserer Art des Wirtschaftens und dem Wachstum. Ob sie die Lebensqualität der Bürger künftig schützen könne. Wo sich doch die Krisen häuften, auf den Märkten, in der Umwelt, im Sozialen. Zugleich aber hoffte sie: Wenn es gut läuft im neuen Job, hat sie am Ende nicht nur eine Zahl, mit der sich der Wohlstand des Landes besser messen lässt. Sie würde auch wissen, was der Bundestag tun muss. Gegen die Krisen.

Kolbe war damals gerade von einem einfachen Bundestagsmitglied zur Chefin der Enquete-Kommission »Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität« befördert worden. Sie, die junge SPD-Bundestagsabgeordnete aus Leipzig, sollte gemeinsam mit anderen Abgeordneten und Experten untersuchen, wie es um das Land und dessen Wohlstand steht. Ob die Politik zu sehr auf Wirtschaftswachstum setzt, das Bruttoinlandsprodukt zu ernst und andere Zeichen nicht ernst genug nimmt. Ob es bessere Indikatoren für Lebensqualität gibt.

In diesen Wochen präsentiert die Kommission ihre Ergebnisse. Klar ist aber schon jetzt: Die neue Zahl gibt es nicht. Man konnte sich auf keine einigen. Die Geschichte von Daniela Kolbe ist also auch die einer enttäuschten Hoffnung. Doch genau deswegen ist sie interessant, zeigt sie doch, warum selbst kluge Leute nur schwer aus gewohnten Denkwelten ausbrechen können. Und warum die Angst vor den großen Krisen im Berliner Politikalltag so wenig verändert hat.

Kommentare zu " Enquete-Kommission: Keine Alternative zum Wachstum"

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  • @cybercrash
    Ja, ideologische „Wirklichkeiten erkennt man leicht an der Redundanz von Adjektiven.“ Sowohl mit Adjektiven wird Begreifen relativiert als auch mit dem Erklären in „Bildern“ beliebiges Verstehen ermöglicht. Nicht leicht zu erkennen ist, dass damit das Verstehen mit dieser Ideologie von Wirklichkeit beherrscht wird. Die „Freiheit“, beliebig verstehen zu dürfen, ist Ausdruck dieses herrschenden Verständnisses und verhindert das Begreifen von Wirklichkeit

  • "Objektiv betrachtet werden müßte des weiteren die DDR, die aus ihrer Rohstoffknappheit Vorteile zog, indem sie die geplante Obsoleszenz verweigerte"

    Findet doch jetzt auch statt, durch Verweigerung von Zahlungsmitteln und mangelnde Möglichkeiten der Selbstversorgung durch Bürokratie und Lobbygesetze.
    Wachstum wird in Deutschland schon lange durch Zwangsabzocke (GEZ, Handelskammern, Stromanschlußzwang u.v.a) erzeugt.
    Wachstum ist eine wirtschaftliche Philosophie, die durchaus durch Wertigkeit ersetzt werden könnte. Wenn man denn wollte. Aber dann muß man sich tatsächlich mit 2% zufrieden geben, und sich Gedanken um echte Werte machen, und vor allem, diese würdigen.
    Dreifuffzig für eine Friseuse ist Sklavenarbeit und hat mit Würde und Wachstum nichts zu tun.
    Der gute alte Bänker, der das Geld seiner Kunden gut anlegt und für einen kleinen Salär, der sich in der Masse summiert, das Kundengeld verwaltet, und nach ordentlichen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten verleiht, scheint leider lange ausgestorben.
    Wachstum muß sein, aber am Ende muß auch eine nachvollziehbare, moralische, umweltbewußte und menschliche Wertigkeit stehen. Und wenn es eben erst nach 20 Jahren ist, weil ein Kühlschrank eben auch solange hält, wenn man ihn nach diesen Gesichtspunkten baut. Alles andere ist einfach Gier und Verschwendung auf Kosten der ganzen Welt und deren Bevölkerung.

  • Der Wachstums-Wahn ist eine konstruierte Wirklichkeit, genauer, einer Ideologie, und die arbeitet unter der Maßgabe politischer Korrektheit mit Freund-Feindbildern. Ideologische Wirklichkeiten erkennt man leicht an der Redundanz von Adjektiven.
    Leider haben wir uns schon so sehr von der Objektivität entfernt, daß ein Erkenntnisgewinn nur über ein Studium möglich wäre.
    Der Club of Rome hatte doch Recht, als er die Grenzen des Wachstums vorher sah. Am Beispiel des Umweltschutzes läßt sich das ganz gut darstellen, daß uns nämlich die Kosten für die Umweltzerstörung aufgezwungen werden: Die Energiekonzerne produzieren Strom mit Uranium, streichen die Gewinne ein, der abgebrannte Brennstoff muß jedoch in Endlagern untergerbracht werden und diese Kosten trägt der Bürger über die Abgabenlasten. Strom ist also erheblich teurer als die 25 Cent KW/h.
    Objektiv betrachtet werden müßte des weiteren die DDR, die aus ihrer Rohstoffknappheit Vorteile zog, indem sie die geplante Obsoleszenz verweigerte. Das Glühbirnen z.B. arbeitet mit einer Haltbarkeit von 1000 bis 2000 Stunden, während DDR-Birnen eine Lebensdauer von 50.000 Stunden erreichten und mehr. Die älteste Glühbirne brennt Tag und Nacht in den USA in einer Feuerwache seit 1890.
    Kühlschränke in der DDR mußten wenigstens 25 Jahre halten und alle produzierte Ware war reparabel.
    Es ist auch eine Märe, daß die DDR bankrott war. Sie war bis zum Ende zahlungsfähig, sie ist politisch gestürzt.

    Zudem wird auch in desem Artikel wieder mit der "Alternativlosigkeit" gearbeitet. Wofür braucht es Politiker, Wirtschaftsblätter und Experten, wenn sich nur eine Lösung, hier Wachstum, aufzwingt als quasi Naturgesetz?
    Die Kommunikation des Systems ist klinisch! Und auch die muß hinterfragt werden.

    Kaufen für die Müllhalde Arte Doku

    https://www.youtube.com/watch?v=zVFZ4Ocz4VA



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