Entführungsrisiko
Politiker diskutieren Einreiseverbot für Osthoff im Irak

Politiker von SPD und Union haben ein Einreiseverbot in den Irak für die Ex-Geisel Susanne Osthoff ins Gespräch gebracht, um sie von einer Rückkehr in das Land abzuhalten. Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Werner Hoyer, hat dies gegenüber dem Handelsblatt strikt abgelehnt.

HB BERLIN. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte diesen Vorschlag nicht unterstützen, wies ihn am Mittwoch aber auch nicht zurück. Der Sprecher des Ministeriums, Martin Jäger, wies darauf hin, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier an Osthoff appelliert habe, nicht in den Irak zurückzukehren.

„Wir haben die Hoffnung, dass das auch im Irak nicht ungehört bleibt“, sagte Jäger weiter. Es sei selbstverständlich das souveräne Recht eines jeden Staates, selbst zu bestimmen, wem er die Einreise erlaube oder auch nicht. „Wir verhalten uns in der Frage völlig neutral“, fügte der Sprecher hinzu. Nach derzeitigem Stand gebe es keine „unmittelbar bevorstehenden konkreten Absichten von Frau Osthoff, in den Irak zurückzukehren“.

Werner Hoyer sagte gegenüber dem Handelsblatt, Osthoff habe aus seiner Sicht ihr Vertrauenskapital verbraucht. "Frau Osthoff muss trotz aller Bedenken frei ihren Lebensmittelpunkt bestimmen können. Der deutsche Staat kann doch einem anderen keine Empfehlung geben, ob er die Reisefreiheit eines Deutschen einschränken soll", sagte Hoyer dem Handelsblatt. Trotzdem dürfe sich Frau Osthoff nicht in Sicherheit wiegen, dass Deutschland für alles einspringe, fügte Hoyer hinzu.

Der FDP-Politiker forderte stattdessen eine Präzisierung der Reisehinweise für Touristen in Risikogebiete: „Jedem muss bei einer Entführung klar sein: konsularische Hilfe Ja, aber für Kosten wirst Du in Haftung genommen, wenn Du die Hinweise nicht befolgst“, sagte Hoyer dem Handelsblatt.

Die SPD-Außenpolitikerin Brunhilde Irber hatte der „Bild“-Zeitung gesagt: „Wir sollten prüfen, ob die Bundesregierung den Irak um ein Einreiseverbot für Frau Osthoff bitten kann.“ Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis sagte dem gleichen Blatt: „Der Irak selbst müsste ein großes Interesse haben, dieser Frau die Einreise zu verweigern.“

Osthoff hatte am Dienstag erneut offen gelassen, ob sie in den Irak zurückkehren wird. Dies sei ihre Privatangelegenheit, zu der sie sich noch nicht geäußert habe, sagte Osthoff im ZDF. Die Archäologin war im Irak in kulturwissenschaftlichen und humanitären Projekten engagiert. Sie wurde Ende November im Norden des Landes entführt, kam nach 23 Tagen wieder frei und war dann an einen unbekannten Ort außerhalb des Irak gereist, um abgeschieden von der Öffentlichkeit einige Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. Das Auswärtige Amt hat nach Angaben des Sprechers seit Sonntagabend keinen direkten Kontakt zu ihr.

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