Entgegen früherer Ankündigungen
Seehofer will offenbar CSU-Chef und Ministerpräsident bleiben

Über das kommende Jahr hinaus will Horst Seehofer laut CSU-Kreisen bayerischer Ministerpräsident und Parteivorsitzender bleiben. Vor der Landtagswahl 2013 hatte er angekündigt, 2018 definitiv aufhören zu wollen.
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MünchenDer bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer will entgegen früherer Ankündigungen über 2018 hinaus im Amt bleiben. Bereits vor den Gremiensitzungen an diesem Montag kündigte der 67-Jährige einem kleinen Kreis von Parteifreunden an, wieder für beide Spitzenämter zu kandidieren, wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntagabend aus CSU-Kreisen erfuhr. Zuvor hatte die Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

CSU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im Herbst soll demnach der bayerische Innenminister Joachim Herrmann werden. Die CSU hätte den 60-Jährigen bei einem Wahlerfolg gerne als neuen Bundesinnenminister.

Am Montag will Seehofer zunächst mit der engeren Parteiführung sprechen, anschließend ist eine Sitzung des gesamten Parteivorstands angesetzt. Am frühen Nachmittag will er eine Pressekonferenz geben.

Seehofer ist seit Oktober 2008 CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Der nächste Parteitag, auf dem die gesamte Parteiführung neu gewählt wird, ist für Herbst geplant. Bei der Landtagswahl im Herbst 2018 will sich Seehofer dann um eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident bewerben. Vor der Landtagswahl 2013 und auch später hatte er noch angekündigt, 2018 definitiv aufhören zu wollen. Davon war er dann aber immer weiter abgerückt.

CSU-intern war die neuerliche Kandidatur Seehofers nun seit längerem erwartet worden. Auch Seehofer selbst hatte zwar betont, dass noch nichts entschieden sei, gleichzeitig aber das Ergebnis eines umfassenden Gesundheitschecks als Entscheidungskriterium genannt.

Zuletzt hatten sich zahlreiche CSU-Spitzenpolitiker für ein Weitermachen Seehofers ausgesprochen, darunter Parteivize Manfred Weber, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Auch eine Reihe ehemaliger CSU-Vorsitzender und Ministerpräsidenten sprach sich dafür aus.

In der CSU geht eine breite Mehrheit davon aus, dass die CSU mit Seehofer an der Spitze aktuell sowohl bei der Bundestagswahl im Herbst als auch bei der Landtagswahl 2018 die besten Wahlchancen hat. Finanzminister Markus Söder, der seit längerem als aussichtsreichster Nachfolgekandidat gilt, muss sich nun noch weiter in Geduld üben.

Seehofer wird in der CSU als wichtiges Gegengewicht zu Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel gesehen – auch wenn Seehofer und Merkel nun gemeinsam in den Wahlkampf ziehen, um die Regierungsmacht gegen die SPD unter Kanzlerkandidat Martin Schulz zu verteidigen. Die beiden Unionsspitzen hatten allerdings erst im Februar den demonstrativen Schulterschluss gesucht, nach monatelangem Dauerstreit über die Flüchtlingspolitik. Kürzlich erst hatte Seehofer dann über die Kanzlerin gesagt: „Wir werden nur mit Angela Merkel diesen Wahlkampf gewinnen. Das ist unser größter Trumpf. Und mit niemandem sonst.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Entgegen früherer Ankündigungen: Seehofer will offenbar CSU-Chef und Ministerpräsident bleiben"

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  • Auch bei Seehofer beginnt der Virus nicht loslassen vom Amt ....zu wirken. Das klammern an der Macht in Deutschland ist gefühlsmässig weiter verbreitet als in Nordkorea und anderen Diktaturen.

    Die CSU sollte Seehofer klar machen ,dass er als Wackeldackel auf der Kofferaumablage bei Merkel ausgedient hat , Für kommende Jahre muss frisches Blut die Führung übernehmen, sonst sind auch die bereits zu alt.

    Die CSU kann doch nicht nach der Krimiserie " Der ALTE" leben , wo der Assistent genauso alt ist wie der Hauptkommissar .

    Also nach der Ankündigung von Seehofer weiter zu machen bis zum Nimmerleinstag, muss es einen Aufstand geben , dass ist
    für 2018 zwingend zum überleben notwendig. Nur eine frische CSU kann sich von der betagten müden CDU absetzen und nicht in deren Schatten mit untergehen.

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