„Entlastung trotz Beitragerhöhungen“
Merkel besteht auf Gesundheitsreform

Angela Merkel hat vor den Folgen eines Scheiterns der Gesundheitsreform gewarnt. Werde sie nicht umgesetzt, drohten den Versicherten Beiträge von 16 Prozent, schreibt die Kanzlerin im Handelsblatt. Allerdings wird bereits jetzt kräftig draufgeschlagen. Die Erhöhungen der größten Kassen im Überblick.

HB BERLIN. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) pocht auf die Umsetzung der Gesundheitsreform. „Ohne Gesundheitsreform würden die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung in den kommenden Jahren von derzeit 14,3 Prozent auf bis zu 16 Prozent ansteigen“, erklärte die CDU-Vorsitzende in einem Beitrag für das Handelsblatt.

Mit der Reform werde es keine „automatischen Beitragssatzerhöhungen“ mehr geben, da Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag gesetzlich festgelegt würden. Zudem werde der Wettbewerb im System erheblich erhöht. Der medizinisch-technische Fortschritt und gesamtgesellschaftliche Aufgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung würden vermehrt durch Steuern und Zusatzbeiträge finanziert, schrieb Merkel. „So werden die Gesundheitskosten nach und nach von den Arbeitskosten abgekoppelt.“

Merkel wies zudem darauf hin, dass die große Koalition Bürger und Unternehmen trotz steigender Krankenkassenbeiträge bei den Sozialbeiträgen insgesamt entlaste. „Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung sinken um 2,3 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent“, betonte die Kanzlerin. „Dem Ziel, die Lohnzusatzkosten dauerhaft unter 40 Prozent zu senken, kommen wir damit einen entscheidenden Schritt näher.“

Im kommenden Jahr müssen sich die Versicherten auf kräftige Beitragserhöhungen einstellen. Die Spitzenverbände der Kassen hatten durchschnittliche Anhebungen um 0,7 Prozentpunkte vorhergesagt. Die mitgliederstarken Ortskrankenkassen schlagen allerdings bis zu 1,6 Prozentpunkte - wie in Rheinland Pfalz - auf ihren Satz auf.

BEITRAGSERHÖHUNGEN 2007 GROSSER GESETZLICHER KASSSEN
KasseAlter BeitragNeuer BeitragErhöhung Prozentpunkte
Barmer Ersatzkasse13,814,4+ 0,6
DAK13,814,5+ 0,7
Techniker Krankenkasse13,213,5+ 0,3
AOK Bayern13,614,5+ 0,9
AOK Baden-Württemberg13,914,5+ 0,6
AOK Rheinland/Hamburg13,414,3+ 0,9
AOK Sachsen12,012,9+ 0,9
AOK Niedersachsen13,514,1+ 0,6
AOK Westfalen-Lippe13,013,8+ 0,8
KKH13,213,9+ 0,7
AOK Hessen14,414,9+ 0,5
Gmünder Ersatzkasse13,613,9+ 0,3
AOK Rheinland-Pfalz13,915,5+ 1,6
AOK Schleswig-Holstein14,415,3+ 0,9
AOK Mecklenburg-Vorpommern14,015,0+1,0
Quelle: dpa

Gründe für die Beitragserhöhungen sind nach Ansicht der Kassen die steigende Mehrwertsteuer, die Reduzierung der Steuerzuschüsse und die Kostendynamik im Gesundheitswesen. Auch die Gesundheitsreform werde zu einer Belastung der Kassen in Höhe von 450 Millionen Euro führen.

Verbraucherschützer empfehlen den Versicherten, erst einmal abzuwarten, wie sich die Situation im Januar entwicklt. Das Sonderkündigungsrecht bei Beitragssatzerhöhungen räumt allen gesetzlich Versicherten eine zweimonatige Frist zur Kündigung ein. Das gilt selbst dann, wenn sie erst kurz zuvor die Kasse gewechselt haben und dort noch keine 18 Monate versichert sind.

Nicht immer lohnt es sich allerdings, im Falle der Beitragsanhebung auch direkt die Krankenkasse zu wechseln. Entscheidend sollte vielmehr das Gesamtpaket der zur Frage stehenden Krankenkassen aus Erreichbarkeit, Service, Leistungen und Beitragssatz sein. Die Kassen unterscheiden sich in diesen Punkten teils erheblich.

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