Entscheidung des zuständigen Kuratoriums am Donnerstagabend
Gutachten: Ohne Degussa in absehbarer Zeit kein Mahnmal

Der Auschluss der Firma Degussa vom Bau des Holocaust-Mahnmals könnte das gesamte Projekt gefährden. Davor warnten am Donnerstag Mitglieder der Stiftung für das Berliner Holocaust-Mahnmal und die Vorsitzende des Bundestagskulturausschusses, Monika Griefahn (SPD). Am Donnerstagabend soll das zuständige Kuratorium eine Entscheidung treffen.

HB BERLIN. Nach Informationen der ARD, die ein internes Gutachten der Stiftung zitiert, würden ohne Degussa die Kosten für den Graffiti-Schutz bei den Stelen um 2,34 Millionen Euro steigen. Ein Weiterbau im vorgesehenen Budget und Zeitrahmen wäre nicht mehr möglich.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Alexander Brenner, lehnte dagegen erneut eine Zusammenarbeit mit Degussa ab. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem NS-belasteten Unternehmen würde „Salz in Wunden“ streuen. Degussa und dessen Tochterfirma Degesch, die das Todesgas Zyklon B hergestellt hat, seien untrennbar mit der Ermordung von Millionen Juden verbunden, sagte Brenner im Deutschland-Radio Berlin.

Es sei auch im Interesse von Degussa, sich nicht mehr am Bau zu beteiligen. Brenner sprach sich aber dafür aus, die bereits mit dem Degussa-Grafittischutz imprägnierten Stelen stehen zu lassen. Griefahn sagte, alle deutschen Unternehmen, die in der Bauchemie tätig seien, hätten historische Beziehungen zu der in den Holocaust verstrickten I.G. Farben. Andernfalls müsse das Denkmal ausschließlich mit ausländischen Firmen gebaut werden.

Der CDU-Abgeordnete Günter Nooke rechnet mit einer Entscheidung für Degussa. Schon vor dem Bau des Denkmals habe sich die Stiftung nach intensiver Diskussion entschieden, „dass wir sagen, es geht nicht anders, als dass man mit belasteten Firmen das wohl auch machen muss“, sagte Nooke am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Ein Rückbau sei zum jetzigen Zeitpunkt auch schwierig, da in den Fundamenten bereits Betonverflüssiger von einem Tochterunternehmen der Degussa verarbeitet sei. Das Kuratorium wollte sich am Nachmittag in Berlin treffen, um über den Weiterbau des Holocaust-Mahnmals zu entscheiden.

Die Produktion der rund 2700 Mahnmal-Stelen war Ende Oktober unterbrochen worden, nachdem bekannt wurde, dass sie mit einem Degussa-Produkt beschichtet werden.

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