Entscheidung vertagt
Fall Sarrazin wird für die Bundesbank zum Nervenspiel

Finanzminister Wolfgang Schäuble fackelt nicht lange. Für ihn steht fest: Thilo Sarrazin hat mit seinen Äußerungen zur Integrationspolitik einen „ersichtlichen Verstoß“ gegen die Verpflichtung begangen, sich als Mitglied des Vorstandes zurückzuhalten. Was folgt daraus? Die Bundesbank konnte sich bisher zu keiner Entscheidung durchringen. Der Streit um die berufliche Zukunft Sarrazins zieht sich.
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HB FRANKFURT. Wie ein Sprecher der Bundesbank Reuters am Dienstag sagte, dauerten die Gespräche zwischen dem Vorstand und Sarrazin an. „Vor Donnerstag ist nicht mit einer Entscheidung zu rechnen“, sagte der Sprecher nach einer Sitzung des Vorstands. Sarrazin sieht sich wegen seiner umstrittenen Äußerungen zu Ausländern und Juden Rücktrittsforderungen ausgesetzt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte indessen unmissverständlich deutlich wie er zu Sarrazins Aktionen außerhalb der Notenbank steht. Die Autonomie der Bundesbank sei ein hohes Gut, sagte Schäuble am Mittwoch vor der Presse. Sarrazin habe als Vorstandsmitglied der Bundesbank zwar „ersichtlich gegen seine Verpflichtungen zur Zurückhaltung (...) verstoßen.“

Es gehe im Umgang mit der Affäre jedoch darum, „sehr klug die Autonomie der Bundesbank“ zu beachten. „Ich warte jetzt mal ab, was die Bundesbank heute entscheidet“, sagte der CDU-Politiker, der nach eigenen Worten mit Bundesbankpräsident Axel Weber über die Personalie Sarrazin gesprochen hat. „Es wird Sie nicht überraschen, dass ich nicht sage, was wir besprochen haben“, fügte Schäuble hinzu.

Der Bundesbankvorstand war am Vormittag zusammengekommen, um über die berufliche Zukunft Sarrazins zu entscheiden. Der Führungszirkel kann beim Bundespräsidenten eine Abberufung Sarrazins beantragen, falls ihm schwere Verfehlungen zur Last gelegt werden sollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag in einem Fernsehinterview Sarrazins Äußerungen als „vollkommen inakzeptabel“ kritisiert und die Erwartung geäußert, dass sich der Bundesbankvorstand mit Sarrazin befassen werde. Am Montag distanzierte sich die Notenbank von den „diskriminierenden“ Thesen ihres Vorstandsmitglieds, am Dienstag musste Sarrazin dem Leitungsgremium Rede und Antwort stehen.

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  • Herr Sarazin sagt es zwar drastisch (das muss man um Aufmerksamkeit zu bekommen), doch hat er absolut Recht! Deutschland entfernt sich immer weiter von einer Demokratie.Es wird nicht mehr allzulange dauern, dann gibt es entweder eine Revolution der Deutschen.. oder Deutschland hört auf zu existieren.
    Die meisten türkischen (warum haben wir eigentlich nur mit den tükischen Muslimen Probleme?) Muslime, die in D sind integrationsunwillig, verlangen, dass sich das Gast (!!!)Land ihnen anpasst.Mit italienern, Griechen, Spanieren... haben wir noch nie Probleme gehabt. Der größte Fehler Deutschlands war Türken (unter denen es sehr viele "normale" Arbeiter gibt)ins Land zu holen. besonders die aus den unterentickelten Teilen der Türkei.
    Causa

  • Wenn eine angesehene Zeitung den so nachdenklichen wie behutsamen Herrn Sarrazin ohne Umschweife als "Zündler" bezeichnet, und als beispiel für "Auslandspresse" in dieser Sache ausgerechnet die türkische Hyrriet anführt, verliert ein wehrloser bürger zwar nicht den Mut, aber die Hoffnung. Wir leben jetzt(!) in der dunkelsten Zeit Deutschlands - das will was heißen! - und es will noch dunkler werden. Auch Luzifer gibt sich als Lichtbringer aus.

    Meine guten Wünsche begleiten Herrn Sarrazin.

  • Ein beliebtes Mittel, unliebsame Meinungen zu unterdrücken und Autoren mundtot zu machen, waren bücherverbrennungen. Das wurde üblicherweise auch von den Gegnern beklatscht, die den inhalt der bücher nicht kannten bzw. nicht verstanden. Den Autoren erteilte man bestenfalls Redeverbot oder ihnen geschah noch schlimmeres.

    Geistige und verbale Verbrennung von büchern und Ächtung der Autoren ist dem gleich zu setzen und scheint immer noch eien gern genutzte Methode.

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