Enttäuschende Resonanz
Länder überdenken Ladenschluss-Freigabe

In den Bundesländern mehren sich während der WM Zweifel am Erfolg verlängerter Shoppingzeiten. Einige Länder wollen ihre bisherigen Pläne noch einmal überdenken, wie das Handelsblatt bei einer Umfrage erfuhr.

DÜSSELDORF / BERLIN. Die enttäuschende Resonanz auf die verlängerten Einkaufszeiten während der Fußball-WM könnte der geplanten Liberalisierung beim Ladenschluss einen Dämpfer verpassen. Gleich in mehreren Bundesländern, die vermutlich ab Herbst selbst über die Öffnungszeiten in ihrem Gebiet entscheiden können, mehren sich Zweifel am Erfolg weiterer Freigaben. Einige Bundesländer wollen ihre bisherigen Pläne noch einmal überdenken, erfuhr das Handelsblatt bei einer Umfrage.

„Wir werden genau beobachten, welche Auswirkungen die für die Fußball-WM vereinbarten Ausnahmeregelungen auf den Arbeitsmarkt, das Konsumverhalten, aber natürlich auch auf die sozialen Belange der Arbeitnehmerschaft, insbesondere die Familien, haben“, sagte Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens dem Handelsblatt. Anhand dieser Erfahrungen werde über die künftige Gestaltung des Ladenschlusses in Bayern entschieden. Auch Brandenburg, Sachsen und Rheinland-Pfalz wollen die Erfahrungen während der WM mit in ihre Beschlüsse einfließen lassen, sagten Sprecher der Wirtschafts- und Arbeitsministerien in Potsdam, Dresden und Mainz.

Mit den vorläufigen Ergebnissen der zur WM verlängerten Ladenöffnungszeiten sind die meisten Einzelhändler in Deutschland alles andere als zufrieden. „Selbst im nahen Umfeld der Austragungsstädte bleiben die Läden außerhalb der üblichen Öffnungszeiten leer“, klagte Werner Hariegel vom Bundesverband Parfümerien. Am nahezu bundesweit geöffneten Fronleichnam-Feiertag ließen sogar große Ketten wie etwa Hennes & Mauritz in Köln ihre Läden geschlossen. Abends schlössen einige Händler ihre Türen inzwischen wieder früher, sagte Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).

» Ladenöffnungszeiten: Die Zukunftspläne der Bundesländer

Die längeren Ladenöffnungszeiten hätten nicht zur Frequenzsteigerung in den Geschäften geführt, bestätigte Rolf Pangels vom Kaufhausverband BAG. Auch ausländische Fans honorierten den zusätzlichen Service nach Pangels Einschätzung bislang nur selten. Für den großen Schub hätten die verlängerten Öffnungszeiten nicht gesorgt, meinte auch Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Den Flop nehmen die Landesregierungen mit Interesse zur Kenntnis. In ihrer Verantwortung nämlich werden die Ladenöffnungszeiten liegen – falls ihnen die Föderalismusreform, die das Beziehungsgeflecht zwischen Bund und Ländern vereinfachen soll, dieses Recht wie erwartet bis Ende Juli zubilligt. Bislang lag es an Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD), die Voraussetzungen für die Freigabe des Ladenschlusses zu schaffen.

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