Enttäuschte Basis

CDU ruft nach der Krisenkanzlerin

Während Kanzlerin Merkel in Peking über die Eckpfeiler einer neuen Weltfinanzordnung diskutiert, weiß in Deutschland an der CDU-Basis kaum einer, wie die Partei mit der Finanzkrise umgehen soll. Kaum noch jemand im Konrad-Adenauer-Haus versteht, was im Raumschiff Kanzleramt entschieden wird.
  • Sven Afhüppe und Peter Müller
Kanzlerin Angela Merkel debattiert in China, weit weg von der Basis. Foto: dpa Quelle: dpa

Kanzlerin Angela Merkel debattiert in China, weit weg von der Basis. Foto: dpa

(Foto: dpa)

BERLIN. In diesen Tagen reist Thomas Strobl, der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, durch die Lande, um mit den Menschen über die Finanzkrise zu sprechen. „Der Aufklärungsbedarf ist enorm“, hat der Bundestagsabgeordnete festgestellt. „Die Menschen wollen vor allem wissen: Was tut ihr, damit sich das nicht wiederholt?“ Antworten will Strobl in einem Papier festhalten, das er für die CDU-Zentrale in Berlin entwirft.

Es wird dringend Zeit, denn in der Partei herrscht Unruhe. Die CDU befindet sich derzeit in einer merkwürdigen Parallelwelt. Während die Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel von einem Krisengipfel zum nächsten fliegt und die Rettung der Finanzwelt vorantreibt, verfolgen viele Parteimitglieder mit ahnungslosen Blicken den Einbruch der Aktienmärkte, die Fast-Pleite von sicher geglaubten Landesbanken wie der BayernLB und das 500-Mrd.-Euro-Rettungspaket der Regierung.

An der CDU-Basis versteht kaum noch jemand, was da oben im Raumschiff Kanzleramt entschieden wird, zu kompliziert sind die Vorgänge an den internationalen Finanzmärkten, zu groß sind die Summen, die jeden Tag abgeschrieben oder als Hilfspaket geschnürt werden müssen.

Die Kanzlerin ist vor Attacken aus den eigenen Reihen nicht mehr sicher – wenn die Angreifer auch anonym bleiben. „Frau Merkel ist nur noch Kanzlerin, sie vergisst gerade, dass sie auch Parteivorsitzende ist“, klagt ein führender CDU-Vertreter. Gegen das Krisenmanagement der Regierungschefin könne man zwar gar nichts sagen, das mache sie zusammen mit dem Bundesfinanzminister einwandfrei. „Leider fehlt in der Partei jegliche Diskussion über die Finanzkrise und ihre Folgen für die Soziale Marktwirtschaft“, klagt ein Abgeordneter. Auch die CDU müsse das Finanzsystem kritisch hinterfragen.

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