Entwicklungshilfe
Bundesregierung hält nichts mehr von Quoten

Feste Quoten bei der Entwicklungshilfe sind überholt, denkt die Bundesregierung. Deutschland verspricht nämlich viel, kann aber nicht alles einhalten. Die Bundesregierung setzt nun auf Qualität statt auf Quantität.
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BerlinDie Bundesregierung will sich im Kampf gegen die weltweite Armut von starren Quoten bei Finanzhilfen verabschieden. Angestrebt werden globale Zielvorgaben für eine ökologische, ökonomische sowie soziale Entwicklung, die auch dauerhaft wirken. Das geht aus einem Bericht für eine nachhaltige Entwicklungspolitik hervor, mit dem sich das Kabinett am Mittwoch in Berlin befasst hat.

Angestrebt wird ein geeigneter einheitlicher und globaler Maßstab für eine angemessene Höhe der staatlichen Entwicklungsgelder. Das neue Zielsystem soll ab 2015 greifen. Dann laufen Verpflichtungen der „reichen“ Staaten aus. Deutschland ist von den zugesagten Quoten bei den öffentlichen Entwicklungsausgaben noch weit entfernt.

Bis 2015 wollen Deutschland und andere Industriestaaten die öffentlichen Entwicklungsausgaben auf je 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung („ODA-Quote“) erhöhen. Nach Angaben des Entwicklungsministeriums lag diese Quote im vergangenen Jahr bei 0,38 Prozent nach 0,35 Prozent 2009. Die ODA-Leistungen seien in dieser Zeit von 8,7 Milliarden auf 10,2 Milliarden Euro geklettert.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte: „Das 0,7-Prozent-Ziel muss hinterfragt werden.“ Viel Geld auszugeben, sei nicht schwer. „Die richtige Wirkung zu erzielen, darin besteht die Kunst.“ Moderne Entwicklungspolitik sei eben nicht nur Brunnenbohren und auch keine reine humanitäre Nothilfe. „Entwicklungspolitik ist nichts weniger als die Gestaltung der Welt von morgen“, sagte Niebel. Deshalb müssten die neuen Ziele ab 2015 innerhalb eines einheitlichen Rahmens Entwicklung und Nachhaltigkeit verbinden.

Weltweit lebt mehr als eine Milliarde Menschen in Armut. Im Jahr 2000 hatte die Staatengemeinschaft „Millenniumsziele“ beschlossen. Unter anderem soll die Armut halbiert werden. Die 2015 auslaufenden Ziele werden teils verfehlt. Die Weltbank will nun bis 2030 den Anteil der Armen, die weniger als 1,25 Dollar am Tag zur Verfügung haben, unter 3 Prozent der Weltbevölkerung drücken.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Geber denken sich etwas aus, nicht die Leute, denen vorgeblich geholfen werden soll. Mit symbolischen Handlungen "eben mal die Welt retten".Die Helfer haben eine überaus irrige Auffassung ihrer Stellung in Afrika, und dieser Irrtum ist unausrottbar. Geholfen wird aber nur dann wenn die Menschen mittels Unterstützung eigener Projekte, ihre Lebensverhältnisse dauerhaft verbessern. Wenn aber Entwicklungshelfer die Probleme für die Afrikaner lösen wollen, dann schaffen sie Konflikte. Sie haben eine überaus irrige Auffassung von Hilfe, und dieser Irrtum ist offenbar unausrottbar. Entwicklung beruht immer auf Eigeninitiative. Dauergaben ohne eigene Initiativen macht die Afrikaner zu Bettlern. Aber umdenken und eigene Fehler einräumen ist in der Entwicklungshilfezunft nur schwach ausgeprägt.
    Volker Seitz, Botschafter a.D., Buchautour

  • Die Geber denken sich etwas aus, nicht die Leute, denen vorgeblich geholfen werden soll. Mit symbolischen Handlungen "eben mal die Welt retten". Geholfen wird aber nur dann wenn die Menschen mittels Unterstützung eigener Projekte, die ihre Lebensverhältnisse dauerhaft verbessern. Wenn aber Entwicklungshelfer die Probleme für die Afrikaner lösen wollen, dann schaffen sie Konflikte. BMZ und Helfer haben eine überaus irrige Auffassung von Hilfe, und dieser Irrtum ist offenbar unausrottbar. Entwicklung beruht immer auf Eigeninitiative. Dauergaben ohne eigene Initiativen macht die Afrikaner zu Bettlern. Aber umdenken und eigene Fehler einräumen ist in der Entwicklungshilfezunft nur schwach ausgeprägt.Volker Seitz, Botschafter a.D. und Buchautor

  • Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, dass sich Entwicklung von außen nicht steuern lässt, werden nicht zur Kenntnis genommen. Es gibt keine überzeugenden Argumente für immer mehr Geld wenn die Impulse für Entwicklung nicht aus dem Land selbst kommen. Die Problemlösungskompetenz in der Entwicklungspolitik hat sich- angespornt von der Betreuungsindustrie und ihrer Berufshelfer- auf das Geldausgeben reduziert. Diese Industrie hat weltweit eine halbe Million Berufshelfer, die sich selbst versorgten. Volker Seitz, Botschafter a.D und Buchautor

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