Entwicklungshilfe
Nach der Fusion ist vor der Einheit

Am Donnerstag unterzeichnen die Chefs der drei bundeseigenen Entwicklungshilfe-Organisationen den Vertrag für die geplante Fusion zur GIZ, der „Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit“. Bis Mitte 2012 soll eine schlanke Organisation mit einheitlichem Auftritt in den Entwicklungsländern aufgebaut werden. Zwei Vorstandsposten gehen an Frauen.
  • 0

BERLIN. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) spricht von einem „Meilenstein“ und der „größten Reform in der Geschichte der deutschen Entwicklungshilfe“, wenn am Donnerstag die Chefs der drei bundeseigenen Entwicklungshilfe-Organisationen den Vertrag für die geplante Fusion unterzeichnen. Die Mitarbeiter dagegen sprechen eher von einem „ersten Schritt“ zur geplanten Einheit der Brunnenbauer von der GTZ, der Bildungsexperten von Inwent und dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) „Die eigentliche Fusion müssen wir 2011 erst noch vollziehen“, hieß es.

Die neue „Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) soll als „die“ Hilfsorganisation Deutschlands in den Entwicklungsländern auftreten. Die bisherige Zersplitterung hatte zu Doppelstrukturen geführt und Hilfsempfänger dazu eingeladen, gelegentlich die eine Gesellschaft gegen die andere vor Ort auszuspielen. Außerdem will Niebel eine direktere Kontrolle durch das Ministerium durchsetzen. Dass diese Ziele noch lange nicht erreicht sind, zeigt die Struktur der neuen GIZ.

Streng quotiert in den Übergang

Ihr Aufsichtsrat, geführt von Entwicklungs-Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz und Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, hat am Dienstagabend zunächst einen Übergangsvorstand eingesetzt. Er geriet zum Abbild strengen Proporzes: Die große GTZ entsendet mit Bernd Eisenblätter, Christoph Beier und Hans-Joachim Preuß drei Vorstände. Die kleine Bildungsgesellschaft Inwent und der Entwicklungsdienst bekommen für Sebastian Paust und Jürgen Wilhelm jeweils einen Posten. Und Niebels Ministerium lässt sich von Tom Pätz und Adolf Kloke-Lesch vertreten.

Im Ministerium wurde betont, dass man auf dem direkten Einfluss eigener Leute im Übergangsvorstand bestanden habe, um Veränderungen – vor allem gegenüber den selbstbewussten GTZ-Leuten, durchsetzen zu können, hieß es.

Fusion bis Mitte 2012 vollenden

Das Ziel, eine schlanke Entwicklungsorganisation mit einheitlichem Auftritt in den Entwicklungsländern aufzubauen, soll jetzt bis Mitte 2012 erreicht werden. Dann soll statt der Organisationen-Quote eine Frauen-Quote zum Tragen kommen: Zwei von dann noch fünf Vorstandsposten müssen mit Frauen besetzt werden, und es soll eine Ausschreibung nach transparenten Kriterien geben, heißt es im Aufsichtsratsbeschluss. Personalräte und Bundestagsabgeordnete im Aufsichtsrat hatten heftig kritisiert, dass im siebenköpfigen Vorstand keine Frau vertreten ist. Ab Juli 2012 soll der Vorstandssprecher auch tatsächlich Chef sein: Er oder sie bekommt bis dahin ein Vetorecht gegenüber den anderen Vorständen.

Der echte Chef soll künftig seinen Sitz in Bonn haben. Die GTZ hat allerdings erreicht, dass auch ihr Standort erhalten bleibt: Eschborn ist zweiter Firmensitz.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Entwicklungshilfe: Nach der Fusion ist vor der Einheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%