Eon stößt mit Vorschlag eines Preismoratoriums bei Konkurrent RWE auf Vorbehalte
Strombranche vor Energiegipfel uneins

Vor dem geplanten Energiegipfel bei Bundeskanzler Gerhard Schröder bröckelt offenbar die Front der Energiekonzerne: Die Eon AG will die Branche zu einem vorläufigen Verzicht auf die geplanten Preisschritte bewegen, stößt beim Wettbewerber RWE aber auf Vorbehalte. Man wolle die Konkurrenten zu einem einvernehmlichen Angebot an die Regierung bewegen, hieß es in Kreisen des Düsseldorfer Konzerns.

dc/jsn/juf DÜSSELDORF. Eon würde dies allerdings auch leichter fallen als den anderen Konzernen, reagierte ein RWE-Vertreter hinter vorgehaltener Hand reserviert auf den Vorstoß. Das Thema ist so brisant, dass sowohl die Konzerne als auch das Bundeswirtschaftsministerium offiziell einen Kommentar ablehnen.

Nach Informationen des Handelsblatts will sich Bundeskanzler Gerhard Schröder voraussichtlich am 30. September mit den Chefs der vier größten Versorger Eon, RWE, Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Vattenfall Europe sowie Vertretern aus der Industrie treffen. Thema sind die steigenden Energiepreise. Der Termin wäre günstig, weil dann auch die Änderungswünsche der Länder, über die der Bundesrat am 24. September berät, mit einfließen können.

RWE und Vattenfall Europe hatten vor kurzem angekündigt, sowohl die Preise für Haushaltskunden anzuheben als auch die Entgelte, die sie Konkurrenten für die Nutzung ihres Netzes in Rechnung stellen. Die Ankündigungen stießen in Politik und Öffentlichkeit auf harsche Kritik. Verbraucherschützer und Industriekunden warfen den Konzernen vor, sie wollten die Zeit ausnutzen, bis die geplante Regulierungsbehörde für den Energiemarkt ihre Arbeit aufnimmt. Selbst Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat die Konzerne aufgefordert, die Pläne zurückzunehmen.

Die Argumente der Kritiker seien zwar nicht zutreffend, aber ernst zu nehmen, erklärte ein Eon-Vertreter den Vorstoß. Die Energiekonzerne sollten Schröder zusagen, auf Preiserhöhungen zu verzichten, bis der Regulierer im kommenden Frühjahr seine Arbeit aufnimmt. Sowohl für die Endkundentarife als auch für die Netzentgelte solle ein Moratorium vereinbart werden. Mit dem Vorschlag wolle man auch Clement entgegenkommen, auf dessen Unterstützung die Branche bei der aktuellen Diskussion des Energiewirtschaftsgesetzes angewiesen sei.

Auch in Industriekreisen wurde bestätigt, dass es vor dem Gipfel bereits Vorgespräche über ein so genanntes Preismoratorium gegeben habe. Nach Handelsblatt-Informationen könnte ein mögliches Gegengeschäft so aussehen, dass sich die Bundesregierung um eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für den Bau neuer Kraftwerke bemüht. Die Folge wären Kosteneinsparungen für die Energiekonzerne, mit denen sie einen vorläufigen Verzicht auf Preiserhöhungen begründen könnten. Bei dem Gipfelgespräch soll ein Gesamtpaket geschnürt werden, in dem die Konzerne auch schon konkrete Investitionen zusichern.

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