Erdogan-Rolle in Kobane-Krise
„Berlin muss türkischen Botschafter einbestellen“

Die Rolle der Türkei im Kampf gegen die Dschihadisten-Miliz IS sorgt zunehmend für Unmut in Berlin. Die Grünen werfen Ankara vor, die Extremisten zu unterstützen. Die Bundesregierung dürfe das nicht länger hinnehmen.
  • 4

BerlinDer innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hat das türkische Verhalten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat IS scharf kritisiert und Konsequenzen gefordert. „Die Bundesregierung schweigt dazu, wo deutliche und klare Worte an unseren türkischen Verbündeten notwendig wären. Es ist höchste Zeit, dass Berlin den türkischen Botschafter einbestellt“, sagte Beck dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Deutschland müsse dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan klar machen, „dass wir erwarten, dass die Türkei ihre Grenzen für kurdische Flüchtlinge öffnet und ihnen Schutz gewährt, dass sie IS-Kämpfer auf ihrem Territorium nicht gewähren lässt, sondern sie fest nimmt und dass sie kurdische Unterstützung von Kobane nicht behindert“, sagte Beck weiter. „Solidarität der Türkei mit dem Selbstbehauptungskampf der syrischen Kurden würde auch die innenpolitische Lage in der Türkei entspannen."

Beck warf der Türkei vor, mit der humanitären Katastrophe von Kobane ein „doppeltes Spiel“ zu treiben. „Verwundete und Flüchtlinge werden Berichten zufolge immer wieder willkürlich an der türkischen Grenze zurückgewiesen, gleichzeitig mehren sich Berichte, dass IS-Kämpfer die türkische Grenze immer wieder in beide Richtungen passieren können.“ Die Welt schaue dabei einfach zu. „Man will es gar nicht glauben“, sagte Beck. „Man lässt die syrischen Kurden nicht nur militärisch im Wesentlichen auf sich allein gestellt.“

Vor Beck hatte schon die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth (Grüne), schwere Vorwürfe gegen die Türkei erhoben. „Ich habe überhaupt kein Verständnis für die Politik der Türkei“, sagte Roth kürzlich im ARD-Morgenmagazin. IS-Kämpfer würden in türkischen Krankenhäusern behandelt und Waffen über türkisches Gebiet geliefert. „Da muss die Nato jetzt mal auf den Tisch hauen und sagen: Es kann nicht sein, dass der Nato-Partner Türkei eine solche dreckige Politik betreibt.“ Offensichtlich wolle Staatspräsident Erdogan die Kurden in der Region um die umkämpfte kurdische Stadt Kobane in ihrer Selbstständigkeit schwächen.

Seite 1:

„Berlin muss türkischen Botschafter einbestellen“

Seite 2:

Unions-Außenexperte: Türkei bleibt wichtiger Partner

Kommentare zu " Erdogan-Rolle in Kobane-Krise: „Berlin muss türkischen Botschafter einbestellen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Erdugan ist ein misserabler Schachspieler.Sollte er weiterhin die Gottlosen IS Massenmörder unterstützen und
    erreichen das sie Kobane erobern , wird es in der Türkei
    einen Bürgerkrieg mit den Kurden geben , der nie gekannte
    Aussmaße erreichen wird.Folge wird unter anderem sein,das
    die komplette Tourismußbranche zum erliegen kommt.Außer-
    dem wird es an der Grenze von der Türkei zu Syrien zu riesigen Verwerfungen kommen.Kurden werden versuchen ,Kobane zurückzuerobern.Ich bin auch sicher, das dies alles die aktuelle Regierung nicht überleben wird.Ich kann Herrn Erdugan nur raten sein Gehirn einmal richtig
    durchzulüften .

  • Erdogan wir zunehmend zum Problem für das Nato-Bündnis. Bei seiner Wahl hat er die religiöse Karte gezogen und damit die ländliche, wenig gebildete Bevölkerungsschicht auf seine Seite gebracht. Genau diese Schicht ist es nun, die durchaus auch Sympathien für den IS hegt. Aufgrund der undurchschaubaren Haltung der Türkei gegenüber IS und den infiltrierten Grenzen dürfte es sinnvoll sein, das Urlaubsgebiet im Südosten der Türkei zu meiden, denn die Grenze zum IS ist dort nicht mehr weit entfernt...

  • Hat Frau Roth nicht Ländereien in der Türkei? Was machen denn die Doppelpassbesitzer?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%