Erfolge der Rechtsextremen
Wirtschaft reagiert sachlich

Verhalten haben Wirtschaftsverbände, Unternehmen und Institute auf die Wahlerfolge von NPD und DVU in Sachsen und Brandenburg reagiert. Zwar wird ein Imageschaden bei ausländischen Investoren nicht ausgeschlossen, ein Stopp von Investitionen gilt jedoch als unwahrscheinlich.

HB BERLIN. Das Münchner Ifo-Institut rechnet derzeit nicht mit negativen wirtschaftlichen Folgen für die neuen Länder. „Hilfreich ist es natürlich nicht“, sagte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb am Montag in München. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass zum Beispiel ausländische Unternehmen deswegen ihre Investitionen verschieben oder sogar absagen könnten.

Grundsätzlich sei das politische Umfeld schon ein Standortfaktor, sagte Nerb. Allerdings würden in allen Demokratien immer wieder radikale Parteien nach oben gespült. Ein Beispiel sei Frankreich, wo es einen rechtsradikalen Bodensatz gebe. Negative wirtschaftliche Auswirkungen habe das bisher in der Regel nicht gehabt. „Man wird im Ausland jetzt aber genau beobachten, wie die anderen Parteien damit umgehen“, sagte Nerb.

Der jüngste Erfolg der rechtsextremen Parteien ist nach Einschätzung des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels (BGA) sehr kontraproduktiv für die Wirtschaft in Sachsen und Brandenburg. „Jeder Anschein von Rechtsradikalismus schadet dem Ansehen des Landes und schreckt damit Investoren ab“, sagte BGA-Präsident Anton Börner am Montag der dpa/Rufa. Die Bundesrepublik habe bislang im Ausland „als Garant für Stabilität und Verlässlichkeit“ gestanden.

Deutschland muss nach Ansicht des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) jetzt vermehrt mit seinem hohen Ausbildungsniveau und der guten Infrastruktur bei ausländischen Investoren werben. „Unsere Nachteile sind bekannt, aber auch darüber müssen wir mit den ausländischen Investoren reden“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Insbesondere die Tourismusindustrie in Sachsen habe große Angst vor einem Imageschaden.

Der US-Dienstleister World Trade Center (WTC) befürchtet in Sachsen wachsendes Misstrauen bei potenziellen ausländischen Geschäftspartnern. „Es wird wieder mehr Zurückhaltung geben. Wir werden uns vielen Fragen stellen und viele Erklärungen geben müssen“, sagte der Leipziger WTC-Geschäftsführer Klaus Janeczek. „Wir haben viele internationale Anfragen und Investoren werden die weitere Entwicklung genau beobachten“, sagte sein Dresdner Kollege André Kleinheisterkamp. Nach Erfahrung von Janeczek reagieren besonders sensibel Vertreter aus den USA, aus China und Russland.

Der Dresdner Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) sieht in Sachsen keine Konsequenzen für sein Engagement. „AMD steht zu Sachsen“, sagte der Geschäftsführer der Tochter des US- Computerriesen, Hans Deppe, der dpa. „Es ist ein demokratisches, stabiles Land und wir sind sicher, dass dies auch in den nächsten fünf Jahren so bleiben wird“, unterstrich Deppe. Das Wahlergebnis für die NPD sei natürlich sehr bitter.

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) sagte: „Wir müssen jetzt alle Kraft darauf verwenden, einen Teil unserer Glaubwürdigkeit, den wir über Nacht verloren haben, wieder herzustellen.“ Es sei ein verheerendes Bild von Sachsen im Ausland entstanden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%