Erfolgsboni: Teilhabe am Aufschwung setzt sich durch

Erfolgsboni
Teilhabe am Aufschwung setzt sich durch

Erfolgsboni und ähnliche variable Gehaltskomponenten sind keine Domäne von Managern mehr. Während die Koalition noch um neue Fördermodelle für die Mitarbeiterbeteiligung ringt, erhalten bereits immer mehr Arbeitnehmer Erfolgsboni – Unternehmen lassen ihre Beschäftigten am Aufschwung teilhaben.

BERLIN. Erfolgsboni setzen sich zunehmend auch bei der Bezahlung von Tarifbeschäftigten durch. Das zeigt eine Untersuchung der Managementberatung Towers Perrin, die dem Handelsblatt vorliegt. In der Gruppe der Arbeitnehmer mit mehr als sieben Jahren Berufserfahrung etwa hat sich danach der Anteil der Bezieher ergänzender Bonuszahlungen allein seit 2004 um die Hälfte erhöht.

Dies lässt den Schluss zu, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten bereits erheblich mehr am Aufschwung teilhaben lassen – obwohl eine von der Großen Koalition genau zu diesem Zweck geplante stärkere Förderung von Mitarbeiterbeteiligungen auf sich warten lässt. Union und SPD hatten im Sommer 2007 jeweils eigene Modelle dafür vorgelegt und später eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingesetzt. Ungeachtet wiederholter Bekräftigungen durch Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Kurt Beck wird in Koalitionskreisen aber kaum vor Herbst 2008 mit konkreten Gesetzesänderungen gerechnet.

Die neue Studie basiert auf einer breitgefächerten Auswahl von gut 200 mittleren und größeren Firmen mit zusammen mehr als 250 000 Beschäftigten. Damit ist sie zwar nicht im statistischen Sinne repräsentativ, kann aber sehr wohl Veränderungen im Zeitablauf signifikant belegen, wie Martin Hofferberth, Vergütungsexperte bei Towers Perrin, betont.

Dazu zählt, dass unter den erfassten Tarifbeschäftigten mit mehr als sieben Jahren Berufserfahrung zuletzt 69 Prozent in den Genuss variabler Bonuszahlungen kamen. 2004 waren es nur 45 Prozent, 2006 immerhin schon 61 Prozent. Von den weniger erfahrenen Beschäftigten konnten laut Studie zuletzt zwischen 56 und 62 Prozent Boni beziehen, wobei die Steigerungsraten in dieser Gruppe ähnlich hoch waren. Das Volumen der Boni lag im Schnitt bei acht bis neun Prozent des jeweiligen Grundgehalts. Berücksichtigt wurden sowohl variable Gehaltsteile, die auf Tarifverträgen beruhen, als auch solche auf Basis betrieblicher Modelle.

Wenn sich solche Beteiligungsformen nun schon ohne politisches Zutun stärker durchsetzen, könnte das womöglich neue Zweifel am Projekt der Koalition nähren – zumal wenn gleichzeitig der Aufschwung abflaut: Arbeitnehmer am Abschwung zu beteiligen, wäre politisch weitaus weniger attraktiv. Gerald Weiß, Chef der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, tritt solchen Gedankenspielen jedoch strikt entgegen. „Mitarbeiterbeteiligungen bringen Unternehmen nachweislich Produktivitätsvorteile und fördern so auch das Wirtschaftswachstum“, sagte er dem Handelsblatt. Daher verdiene das Vorhaben unbedingt weiter Priorität.

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