Ergebnisse heute aber nicht zu erwarten
Postengeschacher voll im Gange

Union und SPD gehen heute Abend bei einem Spitzentreffen die Personalfrage für eine große Koalition an. Zahlreiche Weichen sind offenbar bereits gestellt: Die SPD plant nicht mehr mit Finanzminister Hans Eichel, die CSU konkretisiert die Ansprüche von Parteichef Edmund Stoiber und wirft den Namen ihres Gesundheitsexperten Horst Seehofer wieder ins Rennen um Ministerposten. Auch der Preis für eine Kanzlerin Merkel ist absehbar.

HB BERLIN. An dem Gespräch, das um 19 Uhr in Berlin beginnt, wollen Bundeskanzler Gerhard Schröder, SPD-Chef Franz Müntefering sowie die Vorsitzenden von CDU und CSU, Merkel und Stoiber, teilnehmen.

Dabei soll erstmals auch über Personal- und Strukturfragen für die künftige Regierung sowie über grundlegende Inhalte geredet werden. Von beiden Seiten wurden jedoch Erwartungen gedämpft, dass bei dem Treffen bereits über die Kanzlerfrage und die Zusammensetung des künftigen Kabinetts entschieden wird. Nicht ausgeschlossen wird, dass vor einer endgültigen Klärung ein weiteres Spitzentreffen in den nächsten Tagen notwendig werden könnte.

Die Spitzengremien von CDU und SPD kommen bereits am Vormittag zu getrennten Sitzungen in Berlin zusammen. Müntefering und Merkel wollen die Gremien über die Ergebnisse der Sondierung vom Vortag unterrichten. Die CSU-Führung berät darüber in München. Union und SPD hatten sich nach dem dritten Sondierungsgespräch betont zuversichtlich geäußert, dass eine große Koalition zu Stande kommt. Beide Seiten gaben sich optimistisch, dass die offiziellen Verhandlungen bereits nächste Woche beginnen können.

Zwar wollen beide Seiten offiziell noch keine Namen in die Runde werfen. Doch hinter den Kulissen ist das Postengeschacher bereits in vollem Gange. So kristallisierte sich am Donnerstag heraus, dass Stoiber wohl nicht das Amt des Finanzministers übernehmen wird. Führende CSU-Politiker überzeugten ihren Parteivorsitzenden bei zwei CSU-Spitzentreffen am Mittwochabend und Donnerstagvormittag davon, besser das Außen- oder das Wirtschaftsministerium in einer großen Koalition anzustreben. "Die Begeisterung für das Finanzministerium hielt sich in Grenzen", hieß es. Man sei sich einig gewesen, dass Stoiber in einer großen Koalition ein Ressort übernehmen müsse, in dem er etwas für Bayern bewegen könne. Insgesamt könne die CSU wahrscheinlich mit zwei Ministerien rechnen.

"Wenn das Außenministerium zur Debatte stünde, würde niemand zögern", sagte ein Teilnehmer. Der stellvertretende CSU-Chef Ingo Friedrich sagte am Donnerstag vor der gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Landesgruppe in München: "Das Außenministerium wäre für uns interessant. Aber es gibt keinerlei Festlegungen." Die Parteispitze habe am Vorabend "ausgelotet, welche Positionen für uns in Bayern in Berlin richtig und wichtig sein könnten", sagte Friedrich. Stoiber habe aber für das anstehende Spitzengespräch in Berlin in jedem Fall volle Rückendeckung.

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