Erhebung des DIHK
Firmen bilden trotz Krise kräftig aus

Die Konjunkturkrise kann dem Ausbildungsmarkt in Deutschland bisher wenig anhaben. Trotz Auftragsflaute und boomender Kurzarbeit will offenbar die ganz überwiegende Mehrheit der Betriebe ihr Angebot an Lehrstellen in diesem Jahr nicht zusammenstreichen. Dies belegt eine aktuelle Stichprobenerhebung, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unter seinen Mitgliedsfirmen gemacht hat.

BERLIN. Mehr als neun von zehn Firmen wollen demnach auch im Krisenjahr 2009 mindestens so viele junge Menschen ausbilden wie 2008, zum Teil sogar noch mehr. Die Unternehmen stuften die längerfristige Sicherung ihrer Fachkräftebasis offenkundig als wichtiges Ziel ein, fasste eine DIHK-Sprecherin das Ergebnis auf Anfrage des Handelsblatts zusammen.

Die Befunde sind ein ermutigendes Signal für die heute laufenden Gespräche im Rahmen des Ausbildungspakts von Regierung und Wirtschaft. Nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses für den seit fünf Jahren bestehenden Pakt will die Bundesregierung heute in Berlin mit den Wirtschaftsverbänden eine Bilanz des Ausbildungsjahres 2008 präsentieren.

Nach einer dem Handelsblatt dazu vorliegenden Eckpunkte-Übersicht werden die Pakt-Partner verkünden können, dass die vereinbarten Ausbildungszusagen im abgelaufenen Jahr "erneut deutlich erfüllt und in vielen Bereichen weit übertroffen" worden sind. Insgesamt haben Kammern und Verbände danach bei ihren Mitgliedsfirmen 86 500 neue Lehrstellen eingeworben. Dabei hätten sich allein 52 700 Betriebe erstmalig bereit gezeigt, Berufsanfänger auszubilden, heiß es in dem Papier.

Die Gesamtzahl der 2008 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge war den Daten zufolge mit 616 300 allerdings um 9 600 oder 1,5 Prozent niedriger als im Jahr 2007, das den zweithöchsten Wert seit der Deutschen Einheit markierte. Per saldo hat sich die Lage am Ausbildungsmarkt im abgelaufenen Jahr statistisch gesehen dennoch verbessert: Mit der üblichen Nachvermittlungsaktion, die jeweils zu Beginn des Lehrjahres am 1. Oktober startet, verringerte sich die Zahl der noch "unversorgten" Bewerber von anfangs 14 500 auf knapp 6 000 im Januar. Das sind jeweils weniger als halb so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Parallel hätten sich zugleich die Chancen der sogenannten Altbewerber verbessert, folgern die Pakt-Partner: Die Zahl der Schulabgänger - der potenziellen Neubewerber - verringerte sich binnen Jahresfrist um 34 000 und damit deutlich stärker als die Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze. Daher entfielen rechnerisch auch mehr angebotene Plätze auf solche Kandidaten, die in den Vorjahren nicht zum Zuge gekommen waren. "Die Herausforderung, die immer noch hohe Zahl der Altbewerber zu senken, bleibt aber bestehen", fügen Regierung und Verbände selbstkritisch hinzu.

Der im September 2008 von der Großen Koalition zugunsten dieser Gruppe eingeführte Ausbildungsbonus war dabei offenbar bisher weniger erfolgreich als erhofft. Bisher habe die Bundesagentur für Arbeit (BA) erst 11 600 Anträge auf Förderung verzeichnet, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf die Behörde. Den Bonus von je 4 000 bis 6 000 Euro können Betriebe erhalten, die auf einer zusätzlich eingerichteten Lehrstelle einen Altbewerber ausbilden. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hatte damit bis 2010 rund 100 000 Lehrstellen für Altbewerber schaffen wollen.

Entlastend wirkt sich auf den Ausbildungsmarkt einstweilen der Rückgang der Schülerzahlen aus. Das ist zwar kein gutes Vorzeichen für eine längerfristige Sicherung der Fachkräftebasis. Es erhöht aber die Chance, dass es trotz Rezession zu keinem neuen Bewerberstau kommt. So werden schon 2009 vier Prozent weniger Jugendliche die Schule abschließen als im Vorjahr, im Osten sind es sogar 15,5 Prozent.

Zugleich allerdings wird auf dem Ausbildungs- wie auf dem Arbeitsmarkt viel davon abhängen, ob die aktuelle Wirtschaftskrise tatsächlich ein vorübergehender Konjunktureinbruch bleibt. Andernfalls dürfte sie bald auch bei der Ausbildungsbereitschaft Spuren hinterlassen. Ob sich die aktuell günstigen Einschätzungen auch 2010 noch gelten, sei derzeit nicht seriös zu sagen, hieß es beim DIHK.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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