Erkenntnisse des BKA
Auch Bundeswehr im Visier der El Tawhid

Die islamistische El-Tawhid-Gruppe hat nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts (BKA) mit Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 auch die Bundeswehr in Deutschland ins Visier genommen.

Reuters DÜSSELDORF. „Nach dem Beginn des Afghanistankriegs geriet nicht nur die USA, sondern auch Deutschland ins Fadenkreuz von El Tawhid“, sagte ein Kriminalhauptkommissar des BKA, der am Freitag im Prozess gegen den mutmaßlichen El-Tawhid-Angehörigen Shadi A. vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf als Zeuge auftrat. „Damit galt auch die Bundeswehr als mögliches Anschlagsziel.“ Der in Düsseldorf angeklagte Shadi A. sagte den Vernehmungsprotokollen zufolge, in einem Lager in Afghanistan seien auch mehrere Deutsche von El Tawhid ausgebildet worden.

Im Jahr 2001 war die Taliban-Regierung in Afghanistan von einer US-geführten Allianz gestürzt worden. Die Bundeswehr hat derzeit im Rahmen der Internationalen Sicherheitstruppe ISAF in der afghanischen Hauptstadt Kabul 2300 Soldaten stationiert, von denen bis Ende August 800 abgezogen werden sollen.

Am Donnerstag hatte der Angeklagte bereits ausgesagt, die Zelle von El Tawhid in Deutschland habe nahezu gleichzeitig mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA den Befehl für Anschläge erhalten. Der Ermittler des BKA erklärte nun, El Tawhid habe in einer engen Beziehung zum El-Kaida-Netzwerk des Moslem-Extremisten Osama bin Laden gestanden. So sei das Ausbildungslager von El Tawhid in der Nähe der afghanischen Stadt Herat von Bin Laden zur Verfügung gestellt und finanziert worden. Shadi A. hat dort den Umgang mit Waffen, den Bau von Sprengsätzen und die Herstellung von Giftstoffen gelernt.

Am Freitag wurde bekannt, dass der Angeklagte in diesem Lager auch mindestens fünf deutsche Staatsangehörige gesehen haben will, die sich von der Gruppe ausbilden ließen. „Darunter war auch ein sehr junger Deutscher mit blonden Haaren“, hatte Shadi A. bei Vernehmungen angegeben, die vor Gericht verlesen wurden.

Verdächtiges Telefonat abgehört

Als operativer Anführer von El Tawhid, der der deutschen Zelle Befehle erteilte, gilt nach Einschätzung des BKA und des Bundesnachrichtendienstes der Jordanier Abu Musab Al Zarqawi. Zarqawi habe einen Treueschwur auf Bin Laden geleistet und sei Anführer einer Fraktion innerhalb der El Kaida, sagte der BKA-Zeuge. El Tawhid unterhalte auch Kontakte zu anderen extremistischen Moslem-Organisationen wie zur libanesischen Hisbollah und zur palästinensischen Hamas. Die USA verdächtigen Zarqawi außerdem, Verbindungsmann Bin Ladens zu Saddam Hussein gewesen zu sein. Dafür hätten die deutschen Ermittler aber keine Anhaltspunkte, sagte der BKA-Beamte. Al Zarqawi wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Der BKA-Zeuge erklärte, dass die Observierung der deutschen El-Tawhid-Zelle am 18. Oktober 2001 begann, nachdem ein verdächtiges Telefonat von Abu Ali abgehört worden war, dem mutmaßlichen Anführer der Zelle. Darin habe sich Abu Ali der Führung in Afghanistan als „Märtyrer“ angeboten, also einen Selbstmordanschlag vorgeschlagen. Dies sei aber abgelehnt worden, weil Abu Ali noch gebraucht worden sei.

Während die übrigen Zellenmitglieder als religiös und linientreu gelten, zeigte sich der vor Gericht stehende Shadi A. dem westlichen Lebensstil aufgeschlossener: Er besuchte nach Angaben des BKA häufiger eine bestimmte Gaststätte in Düsseldorf zum Biertrinken. „Bei seiner Festnahme bei sich zu Hause saß er auf einer 11er-Kiste Krombacher“, berichtete der Zeuge, was allgemeine Heiterkeit im Gerichtssaal auslöste.

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