Ermittlungen
Liechtenstein-Prinz im Visier der Steuerfahndung

Deutsche Steuerbehörden ermitteln gegen ein Mitglied des liechtensteinischen Fürstenhauses wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. „Ich habe meine Steuerpflicht in Deutschland stets nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt“, ließ Prinz Max von und zu Liechtenstein indes in einer schriftlichen Erklärung wissen. Doch der Prinz fand sich auf der „Zumwinkel-Steuerliste“.

HB VADUZ/BOCHUM. Die Bochumer Staatsanwaltschaft wirft dem Fürstensohn Prinz Max von und zu Liechtenstein vor, Geld, das ihm aus einer Familienstiftung zugeflossen ist, nicht in Deutschland versteuert zu haben. Die Liechtensteiner LGT-Bank bestätigte am Freitag in Vaduz, dass der in Deutschland lebende Prinz Max nach Auffassung der Steuerermittler Erträge aus einer Familienstiftung nicht versteuert haben soll. Die Anwälte des Prinzen bestreiten eine Steuerpflicht des Fürstensohns. Der 39 Jahre alte Sohn des Fürsten Hans-Adam II. ist Chef der LGT-Gruppe. Im Handelsblatt-Interview hatte Prinz Max erst kürzlich zum Fall Zumwinkel, dem Bankgeheimnis und dem Steuerstreit mit Deutschland Stellung genommen.

Prinz Max selbst betonte in seiner schriftlichen Erklärung, er habe seine Steuerpflicht in Deutschland erfüllt. Falls es sich herausstellen solle, dass er dem deutsche Staat dennoch Steuern schulde, werde er allen Verpflichtungen umgehend nachkommen. „Ich habe meinen Wohnsitz bewusst in Deutschland gewählt und bezahle hier Steuern in beträchtlichem Ausmaß. Meine Steuerverpflichtungen nicht zu erfüllen, war ganz sicher nie meine Absicht“, erklärte er.

Der Streit dreht sich um eine bereits 1993 in Liechtenstein gegründete Familienstiftung des Fürstenhauses, deren Begünstigte die Nachfahren des regierenden Fürsten und deren Familienmitglieder sind. Nach Auffassung der deutschen Steuerbehörden sei das gesamte Stiftungsvermögen Prinz Max zuzuordnen, da er den größten Teil der Ausschüttungen erhalten habe, berichtete die Bank.

Doch bestreiten die Anwälte des Adligen diese Interpretation. Nach ihrer Auffassung entstammt das Stiftungskapital nicht dem Vermögen des Prinzen, sondern demjenigen der Fürstenfamilie. Bei Auflösung der Stiftung im Jahr 2003 sei es auch an diese zurückgeflossen.

Bei einem Treffen zwischen Prinz Max und Vertretern der deutschen Steuerbehörde im Dezember vergangenen Jahres wurde nach Angaben der LGT-Gruppe vereinbart, dass die Anwälte des Fürsten die nötigen Informationen beibringen, um den Sachverhalt zu klären. „Prinz Max hat jederzeit mit den Steuerbehörden kooperiert, und die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss“, betonte das Bankhaus.

Nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ waren Bochumer Steuerfahnder bei ihren Ermittlungen in der Liechtenstein-Affäre auf den Fürstensohn aufmerksam geworden. Wie der inzwischen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilte frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel tauche Prinz Max auf einer Liste mit rund 800 Namen auf, die ein ehemaliger Mitarbeiter der LGT Bank für 4,3 Millionen Euro an den Bundesnachrichtendienst verkauft habe. Die Bochumer Staatsanwaltschaft lehnte jeden Kommentar zu dem Bericht ab. Zu Einzelpersonen äußere man sich nicht, sagte Behördensprecher Bernd Bienioßek.

Prinz Max lebt seit September 2001 mit seiner Familie in Deutschland. Auch 1999 hatte er seinen Wohnsitz schon einmal in der Bundesrepublik.

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