Ermittlungen nach Skiunfall
Althaus bringt Thüringer CDU zunehmend in Zugzwang

Kein Verdacht auf fahrlässigen Tötung „unter besonders gefährlichen Verhältnissen“: Gegen den thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus wird lediglich wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Das stellten Staatsanwalt Walter Plöbst und Althaus-Anwalt Walter Kreissl klar. Dennoch drohen die Ermittlungen den Wahlkampf des Politikers zu belasten.

HB LIEZEN/ERFURT. Althaus war am Neujahrstag in Österreich mit der 41-jährigen Beata C. zusammengestoßen. Sie wurde dabei getötet, der CDU-Politiker erlitt schwere Kopfverletzungen.

„Spiegel Online“ hatte am Wochenende aus einem Gutachten zitiert, das einen Fahrfehler des Ministerpräsidenten nahelegt. Danach soll er mit hoher Geschwindigkeit in die Piste, auf der die Frau unterwegs war, eingebogen und ihr entgegengefahren sein. Damit drohe Althaus eine Anklage wegen „fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen“, hatte es in dem Text geheißen. Im Falle einer Anklage drohte Althaus eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft ist über die Indiskretion verärgert. Das Gutachten mache keine Angaben zur Schuldfrage, stellt Staatsanwalt Walter Plöbst klar. Man ermittle weiterhin routinemäßig wegen fahrlässiger Tötung. Althaus' Anwalt betonte, das genannte Delikt stehe zur Diskussion; dafür gebe es nicht den geringsten Anhaltspunkt. Kreissl erklärte, auch die Gegenseite habe signalisiert, dass sie möglichst rasch zu einer Einigung kommen wolle, sobald die Ermittlungsergebnisse vorlägen.

Der österreichische Ermittler erklärte, Althaus müsse im Fall einer Anklage nicht unbedingt persönlich an dem Verfahren teilnehmen. Nach österreichischem Recht könne er sich durch einen sogenannten Machthaber vertreten lassen. Zunächst müsse man aber noch ein zweites Gutachten abwarten; danach sei eine Vernehmung des Ministerpräsidenten unerlässlich. Laut seinen Ärzten ist Althaus voraussichtlich in der ersten Märzhälfte vernehmungsfähig.

Die thüringische CDU scheint nunmehr davon auszugehen, dass Althaus etwas später in die Politik zurückkehrt. „Nach der Sommerpause muss er da sein. Dann geht unser Wahlkampf los“, sagte CDU-Fraktionschef Mike Mohring dem „Hamburger Abendblatt“. Wenn er zurückkomme, müsse er auch zu 100 Prozent einsatzfähig sein: „Man wird auf jede Regung bei ihm achten. Jedes „'Äh' wird man als Nachwirkung des Unfalls deuten.“ Die Partei werde ihn aber nicht zu einer schnellen Rückkehr in die Politik drängen. Die amtierende Ministerpräsidentin Birgit Diezel rechnet weiterhin mit einer Rückkehr Althaus' im März oder April. „Deshalb gibt es zurzeit auch keine Personalentscheidungen zu treffen.“

„Selbst wenn Anklage gegen ihn erhoben werden sollte, stehen wir zu ihm“, sagte der Sprecher der thüringischen CDU, Heiko Senebald. Am 30. August wird im Freistaat ein neuer Landtag gewählt.

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