Erneuerbare Energien
EEG-Umlage steigt – und erzürnt Industrie und Handel

Der Strompreis steigt – wenn auch nicht so stark wie in den vergangenen Jahren. Mehrere Netzbetreiber kündigten an, dass sich EEG-Umlage 2016 um drei Prozent erhöht. Industrie und Handel fürchten Wettbewerbsnachteile.

DüsseldorfDie Verbraucher müssen im nächsten Jahr für die Ökostromumlage tiefer in die Tasche greifen. Wie die Netzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW am Donnerstag mitteilten, wird die Umlage 2016 auf 6,354 Cent je Kilowattstunde und damit um drei Prozent angehoben. In der Industrie und im Handel stieß die Erhöhung auf Kritik. „Die vom Bundeswirtschaftsministerium versprochene Kostenbremse bei der Energiewende war Wunschdenken“, erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Industrie (BDI), Ulrich Grillo. Die Umlage werde aber weniger deutlich steigen als in den Jahren 2012 bis 2014, erläuterte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Insofern sei es mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gelungen, die Kostendynamik zu durchbrechen. 2015 war die Ökostromumlage allerdings gesunken.

Über die Ökostromumlage wird die Differenz zwischen den staatlich garantierten, höheren Abnahmepreisen von Ökostrom und dem Börsenstrom-Tarif bezahlt. Das bedeutet: Je niedriger der Börsenpreis, desto höher die Umlage und umgekehrt. Für den Betrag von zuletzt gut 23 Milliarden Euro müssen die Stromkunden aufkommen, vor allem Mittelständler und Privathaushalte. Denn zahlreiche Industriebetriebe sind als große Verbraucher davon ausgenommen. Auf Basis der aktuellen 6,17 Cent je Kilowattstunde zahlt ein Durchschnitthaushalt inklusive Mehrwertsteuer dafür etwa 250 Euro im Jahr.

Die Betreiber verteidigten die Erhöhung. Nach ihren Schätzungen sei sie nötig, da auch 2016 mit steigender Stromerzeugung vor allem aus Wind und Biomasse und damit mit Kosten in Höhe von 23,1 Milliarden Euro zu rechnen sei.

Von den energieintensiven Unternehmen hagelte es dagegen Kritik, obwohl sie von einem Teil der Umlage befreit sind. „Trotz aller Reformen dreht sich die Kostenspirale beim EEG weiter“, sagte Utz Tillmann, Sprecher der Energieintensiven Industrien in Deutschland (EID). Noch immer gebe es keine wirksame Kostenbremse für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Schon heute betrage die Belastung der EID-Branchen über zwei Milliarden Euro. Auch in der Textil- und Modeindustrie sowie im Handel sorgte die EEG-Umlage für Unmut. „Exportstarke Industrieunternehmen haben damit Riesenprobleme, weil die Produktionskosten in Deutschland dadurch weit höher sind als in anderen Industriestaaten“, sagte Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes HDE, forderte eine faire Kostenverteilung. Den Handel träfen die steigenden Belastungen in doppelter Weise. „Denn zum einen bleibt bei steigenden Strompreisen den Kunden weniger Geld zum Einkaufen in der Tasche. Zum anderen zahlen auch die Handelsunternehmen immer höhere Preise für Strom und Energie.“

Der Strompreis für die privaten Verbraucher setzt sich aus einer ganzen Reihe von Faktoren zusammen. Die auch durch die EEG-Umlage gestiegenen Steuern und Abgaben machen bereits gut die Hälfte aus. Hinzu kommen die Kosten für Beschaffung und Vertrieb. Verbraucherschützer kritisieren schon länger, dass die Branche um E.ON, RWE & Co die gefallenen Börsenpreise unzureichend an die Kunden weitergebe. Andererseits steigen in einigen Regionen die Kosten für den Netzausbau.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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