Erneuerbare-Energien-Gesetz

Ökostrom-Reform soll reformiert werden

Was tun, um die Kosten der Energiewende im Rahmen zu halten? Die auf den Strompreis aufgeschlagene Förderumlage für erneuerbare Energien wird wohl sehr stark steigen. Der Druck auf die Bundesregierung wächst.
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Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Quelle: dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

(Foto: dpa)

Berlin/HamburgDas Bundeskartellamt fordert zur Begrenzung der Stromkosten eine möglichst rasche Reform bei der Förderung erneuerbarer Energien. „Die Förderung in der Form, wie wir sie bislang kennen, läuft aus dem Ruder“, sagte Präsident Andreas Mundt. Die über den Strompreis zu zahlende Umlage, deren genaue Höhe am 15. Oktober bekanntgegeben wird, werde 2013 auf rund 5 Cent je Kilowattstunde steigen. Das würde für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden einen Anstieg der Förderkosten von 125 Euro auf 175 Euro jährlich bedeuten - ohne Mehrwertsteuer. Der "Spiegel" meldete, vor der letzten Verhandlungsrunde der Stromnetzbetreiber zeichne sich sogar eine Umlage von 5,4 Cent ab.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will an diesem Dienstag mit Branchenvertretern beraten, wie seine Idee einer Ausweitung kostenloser Energieberatungen umgesetzt werden kann. Durch die Hilfe bei der Suche nach Energiesparmöglichkeiten sollen die Strompreiserhöhungen für die Bürger abgefedert werden.

Die SPD machte die Regierung mitverantwortlich für die Situation. „Vor allem das schlechte Management der Bundesregierung treibt die Preise nach oben“, sagte Bundestags-Fraktionsvize Hubertus Heil. „Hinzu kommt das Problem, dass 16 Länder 16 eigene Energiekonzepte haben und es an Koordinierung durch den Bund mangelt. Alle paar Monate ein unverbindlicher Energiegipfel ist da zu wenig.“

Bis 2050 soll sich der Anteil des Stroms aus regenerativen Energiequellen in Deutschland vervierfachen im Vergleich zu 2010. 80 Prozent des Stroms sollen nach Prognosen der Bundesregierung dann aus Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme, Biomasse oder Wasserkraft produziert werden. Deutschland setzt dabei vor allem auf einen starken Zuwachs der Photovoltaik- sowie der Windkraftanlagen. Quelle: dpa-infografik GmbH

Bis 2050 soll sich der Anteil des Stroms aus regenerativen Energiequellen in Deutschland vervierfachen im Vergleich zu 2010. 80 Prozent des Stroms sollen nach Prognosen der Bundesregierung dann aus Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme, Biomasse oder Wasserkraft produziert werden. Deutschland setzt dabei vor allem auf einen starken Zuwachs der Photovoltaik- sowie der Windkraftanlagen.

(Foto: dpa-infografik GmbH)


Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müsse behutsam reformiert werden, um Kosten für die Verbraucher zu dämpfen, forderte Heil. „Das EEG ist als Instrument für die Markteinführung der erneuerbaren Energien ein großer Erfolg, es ist in 60 Ländern kopiert worden“, betonte der SPD-Politiker. Er verlangte eine bessere Synchronisation des Ausbaus der erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau. Mit neuen Leitungen soll etwa Windstrom aus dem Norden zu Großverbrauchern im Süden kommen. Es sei „ein verrückter Effekt, wenn wir Anlagen aufstellen und der Strom dann nicht eingespeist werden kann, aber vergütet werden muss.“

Mundt sagte mit Blick auf die steigende Umlagehöhe: „Dass das unverhältnismäßig ist, sehen Sie allein schon daran, dass das reine Produkt Strom, also Produktion und Vertrieb, an der Strombörse 5 bis 6 Cent kostet.“ Obendrauf komme dann unter anderem die Umlage, die inzwischen in etwa genauso hoch sei, kritisierte Mundt. Er schlug einen Umstieg auf ein Quotenmodell vor, bei dem die Energieversorger verpflichtet werden, einen bestimmten Ökostromanteil anzubieten.

Tricks zum Heizkosten sparen

Eine Quotenregelung hat den Charme, dass sie nur einen Rahmen setzt und die Marktakteure diesen Rahmen möglichst effizient ausfüllen können.“ So komme man weg von den auf 20 Jahre festgelegten Vergütungen und am Markt würden sich die günstigsten Erzeugungsformen durchsetzen - in Deutschland wäre das bislang Strom aus Windparks an Land. „Das Drehen an den Stellschrauben führt hier nicht mehr weiter. Wir haben heute schon einen Ökostrom-Anteil von 25 Prozent und dieser Anteil wird in den kommenden Jahren stetig wachsen“, sagte Mundt.

Man könne den Dualismus zwischen einem liberalisierten Strommarkt und einem System feststehender Vergütungen nicht dauerhaft aufrechterhalten. „Wenn der Staat anfängt, den Wettbewerb zurückzudrängen und selbst Märkte zu planen, wird es meist viel teurer als man eingangs dachte“, sagte der Kartellamts-Präsident. „Irgendwann müssen Sie die erneuerbaren Energien mal in den Markt einführen.“

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11 Kommentare zu "Erneuerbare-Energien-Gesetz: Ökostrom-Reform soll reformiert werden"

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  • Diese Stromsparlyrik ist doch Volksverdummung im Quadrat. Je weniger Strom verbraucht wird, umso höher muss die Umlage auf jede Kilowattstunde ausfallen, da die Einspeisetarife garantiert sind. Die von der EEG-Umlage befreiten Großbetriebe werden ja nicht zum Sparen animiert, also verteilt sich die zu tragende Umlage auf immer weniger Schultern! Dieser Umweltminister sollte sich nochmals mit den 4 Grunrechenarten beschäftigen, bevor er seine "Berater" ausschwärmen lässt.

  • Deutschland ist das Land wo ständig was reformiert wird, nur nichts getan und wirklich zum Nutzen verändert.
    Wenn das Wort Reform fällt, sollte man höchst wachsam sein, denn in Deutschland heißt Reform immer Verteuerung

  • @Pandora0611

    Bitte sachlich bleiben. Suchen Sie mal den Begriff StromEinspG oder den Namen Matthias Engelsberger. Das EEG war ein parteiübergreifendes Gesetz. Kein Rot-Grünes.

    Auch werden Sie sich keinen Pullover anziehen müssen. Das ist wirklich lächerlich.

  • Strompreis rauf!
    ==============
    Das ist in Deutschland die Devise.
    Jetzt soll die EEG-Zwangsabgabe von 3,6Cent/kWh auf 5,4Cent/kWh steigen. An der Börse kostet die kWh zwischen 5-6Cent.
    Der Rest sind Steuern und Abgaben in Deutschland.
    Es ist ebenfalls ein Wahnsinn, daß Strom, der erzeugt aber nicht abgenommen wird, ebenfalls bezahlt werden muß (EEG).

    Altmaier will eine "kostenlose Energieberatung".
    Diese sieht wie folgt aus:
    Die Heizung auf 15°C herunderregeln, dafür einen Pullover mehr anziehen; evenduell auch eine Decke nehmen; kalt duschen (das härtet ab); mehr "kalte Küche"; im Winter den Kühlschrank ausschalten und die Lebensmittel im Freien lagern; .....

    Und wem verdanken wir das EEG? ROT-GRÜN!!!
    Und jetzt jammern sie!

  • Das EEG ist tatsächlich am Ende.

    Weil die großen Industrieunternemen in Deutschland sich an den Kosten des EEG nicht mehr beteiligen und sich daran in Zukunft nicht beteiligen wollen.

    Dazu zählen sämtliche DAX-Unternehmen und die Mehrzahl der MDAX-Unternehmen.

    Aber auch der Zubau der Leistung bei erneuerbaren Energien muss sinnvoller sein. Der Zubau soll nur dann möglich sein, wenn die notwendigen Netze dafür bereit stehen, um den erzeugten Strom dahin transportieren zu können, wo dieser benötigt wird.

    Allerdings sollten kleine Anlagen davon ausgenommen sein.
    Denn kleine Anlagen werden meistens genutzt, um den Eigenverbrauch zu decken.



    Trotzdem!


    Die Schuld für die "Explosion" der Kosten beim EEG tragen alleine

    - DAX-Unternehmen
    - MDAX-Unternehmen
    - (unsere Bundesregierung)


    weil diese Großverbraucher an den Kosten des EEG sich nicht beteiligen, dafür aber von der Energiewende extrem profitieren, weil die Großhandelspreise für Strom, durch Ökostrom, derzeit auf einem 8-Jahres-Tief sind.

    Bei den Kosten beim EEG hat sich nichts getan.
    Weil aber diese Unternehmen sich ab 2013 an den EEG-Kosten überhaupt nicht mehr beteiligen, werden die Kosten auf die privaten Haushalten umverteilt.

    Ich finde es nur sehr schade, dass die Profiteure der Energiewende - also sämtliche DAX-Unternehmen und MDAX-Unternehmen - gerade dabei sind das Erfolgsmodell EEG zum Grabe zu tragen, nur weil sie ihren Gewinn maximieren wollen.

    Das ist inzwischen alles soweit pervertiert, dass selbst Aluminiumhersteller - die größten Stromverbraucher in der Großindustrie - in Deutschland wieder massenhaft produzieren wollen. Siehe Norsk Hydro. D.h. dass die privaten Haushalte in Deutschland diese Unternehmen subventionieren (müssen).

    Frau Merkel hat hier einen großen ordnungspolitischen Fehler begangen.

  • Reformen der Reform sind immer gut. Bis zur nächsten Reform.

  • Hat eigentlich ein Verfechter des Quotenmodells mal gesagt, wie viel billiger der Strom dadurch wird ? Kartellamt, F.D.P., anyone ?
    Nö und das ist auch kein Wunder:

    Szenario 1: EEG für Altanlagen und Quote für neue - dann bleibt natürlich die EEG Umlage genau da, wo sie jetzt ist. Sobald irgend wann einmal die Quote die Liefermengen der EEG Altanlagen überschreitet, werden die neuen Anlagen, weil sie keine Vollauslastung und Abnahmegarantien mehr haben, mehr für ihren Strom verlangen müssen ! 5-6 ct/kWh für Windstrom sind dann Geschichte (Faktor 2, 2,5, 3...?).

    Szenario 2: Altanlagen werden unter die Quote gezwungen - dann brechen die Kalkulationen der ex EEG Anlagen zusammen und es kommt zu Massenpleiten. Dadurch kann dann die Quote nicht mehr erfüllt werden und neue Quotenanlagen kalkulieren dann mit Preisen, die richtig, richtig weh tun (30, 40, 50ct/kWh Strom für Verbraucher ?).

    Umgekehrt ist natürlich klar, dass das EEG reformiert werden muss:
    1. PV Ausbau muss praktisch sofort durch entsprechende Senkung des Deckels abgestellt werden !
    2. Biomasseverstromung muss effizienter werden, 20% el. Wirkungsgrad bei Biogas sind Umweltzerstörung und Verschwendung pur !
    3. Windkraft darf nicht in irgendeiner Pampa gebaut werden, wenn weder Leitung noch Abnehmer dafür da sind bzw. der Strom unter Einbeziehung des Leitungsbaus aberwitzige Kosten verursacht !
    4. Erneuerbarer (EEG) Strom, den selbst bei fast völliger Abschaltung/Herunterfahren fossiler/konventioneller KW niemand haben will, darf nicht mehr vergütet werden, auch nicht für Altanlagen. So viel Markt muss einfach sein und ist auch verkraftbar bzw. wer das nicht mal verkraftet, hat die Insolvenz nun wirklich verdient !
    5. Die Vergütung für PV ist immer noch massiv zu hoch und muss weiter abgesenkt werden.
    6. Geld für Biogas/Biomasse nur noch bei el. Wirkungsgraden ab 35-40% und/oder Technik zur Spitzenlastfähigkeit.

  • Es ist völliger Unsinn das "Regenerative Energien" in Zukunft alternativlos sein werden.
    Mit dem in der USA bereits laufenden Schifergas Revolution werden die So genanten "Regenerative Energien" von Markt gedrängt werden.
    Die so genannten "Regenerative Energien" sind ohnehien nur durch Subvensionen, was heist Gesetzliche beforteilung, überhaupt am Markt zu halten.
    Und die noch dazu, da Wind und Sonne nur extrem Schwankende Stromlieferanten sind die zwische 0 und 100% der Nennleistung hin und her Schwankt nicht wirklich Sinn macht.
    Was heist es wird immer schwiericker die Strom versorgung aufrecht zu erhalten.
    Aussrdem Vernichten wir mit dieser teuer teuer teuer Politik, Arbeitsplätze.
    Das versprochene Grüne Job wunder ist eine Schimäre.
    Fazit die Deutsche Energie Politik ist alles in allem auch was den Umweltschutz angeht im betracht von 200000 geschröderten Vögeln und 200000 geschröderten Fledermäusen und in Klein Wasserkraftwerken tonnen von geschröddertem Fisch Kontraproduktiv.
    Ausserdem sind Subvensionen auch immer Sozial ungerecht.

  • Liebe Leute: Das EEG ist am Ende. Es wird massenhaft Strom produziert, der meist umsonst ins Ausland verschenkt wird (und trotzdem als Ökostrom-Anteil gezählt wird), und den kompletten Strommarkt in eine gefährliche Abwärtsspirale bringt. Hier hilft nur eines: Mindestpreis für Ökostrom an der Börse setzen, Export von Ökostrom nicht durch die EEG-Umlage subventionieren, und Leitungen, die NUR zum ABTRANSPORT für Ökostrom taugen, NICHT bauen - ermöglichen Sie doch einen Export des subventionierten Ökostroms nach Österreich und der Schweiz. Das wollen wir nicht!

  • Da hat Deutschland mit den regenerativen Energien endlich mal einen Boom zustande gebracht, prompt wird so ein Fettsack als Lobbyist der Grossindustrie installiert.

    Regenerative Energien werden in Zukunft alternativlos sein, selbst dann wenn sie teuerer werden. Auch Puffermöglichkeiten gibt es aus technischer Sicht genug. Batterien sind da total überflüssig. Die Industrie ist lediglich unwillig in Speichersysteme zu investieren.
    Ein riesiger Anteil der Strompreiserhöhungen ist nicht Folge der alternativen Energien sondern dieses Leitungsschwachsinns. Man muss wie in der Politik die Dinge wieder verstärkt lokal betrachen und diese überdimonsionierten Verteilernetze reduzieren.

    Und vor Allem muss man solchem Lobbygesindel wie dem Altmaier endlich ins Ausscheidungsorgan treten, - und zwar extrem heftig !!

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