Erneuerbare Energien
Öko-Stromer gehen auf die Politik zu

Die Erneuerbare-Energien-Branche hat verbissen um hohe Vergütungen gekämpft. Mittlerweile jedoch setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Grenze der Belastbarkeit erreicht ist. Nun lenken die Windkraftproduzenten ein – und sorgen für Spannungen in der Branche.
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BERLIN. Die Öko-Strom-Hersteller beginnen umzudenken. „Alle Sparten der Erneuerbare-Energien-Branche tragen gemeinsam eine Verantwortung dafür, Kostensenkungspotenziale zu benennen und auch zu nutzen“, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), dem Handelsblatt. Die gesamte Branche müsse der Politik ein Angebot machen, wie die Kosten für die Förderung zu reduzieren seien, sagte Albers.

Der Wind-Verband greift damit die Kritik an der Höhe der Umlage auf, die von allen Stromverbrauchern für die Förderung der Erneuerbaren zu zahlen ist. Gemessen an der Zahl der Arbeitsplätze bei den Anlagenherstellern und an der Stromproduktion ist die Wind-Sparte die größte innerhalb der Erneuerbaren-Energien-Branche.

Geregelt ist die Förderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EGG), das den Betreibern von Anlagen zur Stromproduktion aus Wind, Sonne, Wasser, Geothermie oder Biomasse feste Vergütungssätze garantiert. Sie liegen teilweise erheblich über den Börsenpreisen für konventionell erzeugten Strom. Mit dem wachsenden Ausbau der Erneuerbaren steigt die EEG-Umlage kontinuierlich. Besonders drastisch fällt der Anstieg zum Jahreswechsel aus: Ab Januar erhöht sie sich um 70 Prozent. Die Mehrkosten für den Ökostrom dürften sich damit 2011 auf zwölf Milliarden Euro summieren.

Das Einlenken der Wind-Fraktion weist auf Spannungen innerhalb der gesamten Branche hin. Im Frühjahr und Sommer hatte sich die Photovoltaik-Sparte vehement gegen Kürzungen der Einspeisevergütungen für Solaranlagen gesperrt. Die Koalitionsfraktionen beugten sich dem massiven Druck der Solarunternehmen und beschlossen lediglich moderate Einschnitte der Einspeisevergütung je Kilowattstunde – auf den ersten Blick ein Sieg der Branche. Doch in der Politik hat sich erheblicher Unmut aufgestaut

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Unruhe bei Stromverbrauchern

Der bevorstehende drastische Anstieg der EEG-Umlage zum Jahreswechsel, der zu einem wesentlichen Teil auf den starken Zubau bei der Photovoltaik zurückzuführen ist, sorgt in der Wirtschaft für Unruhe. Für Unternehmen mit hohem Strombedarf wird die EEG-Umlage zu einer Belastung: Eine Megawattstunde konventionell erzeugten Stroms ist an der Strombörse EEX für gut 50 Euro zu haben, hinzu kommt derzeit eine EEG-Umlage von 20,50 Euro. Diese Umlage wird sich 2011 auf 35,30 Euro erhöhen. In der Wirtschaft wächst die Sorge, die Umlage könnte in wenigen Jahren schon höher sein als der eigentliche Netto-Strompreis. „Der Anstieg der EEG-Umlage um 70 Prozent zum Jahreswechsel ist mit Blick auf die anstehende Novelle des EEG in der Debatte durchaus ein Hemmnis“, sagte Albers. „Die Branche der erneuerbaren Energien muss im Blick behalten, dass ein weiterer exponentieller Anstieg der Umlage dem gesamten Fördersystem schaden könnte.“

Die Debatte über die Förderung dürfte 2011 voll in Gang kommen, weil zum Jahreswechsel 2011/2012 turnusmäßig eine EEG-Novelle in Kraft tritt. Bis dahin müssen die EEG-Vergütungssätze neu festgesetzt werden. Der Wind-Verband sorgt sich, dass angesichts wachsender Kritik an den Kosten das System insgesamt ins Wanken gerät. „Die grundsätzliche Mechanik des EEG ist optimal. Sie hält das Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit und Ausbaudynamik“, sagte Albers. Insbesondere der Einspeisvorrang für die Erneuerbaren dürfe nicht in Frage gestellt werden.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • der zu einem wesentlichen Teil auf den starken Zubau bei der Photovoltaik zurückzuführen ist
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    So ist es ! Solarenergie ist der Preistreiber der sofort abgeschaltet werden muss , nicht die Windparkbetreiber .

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