Erneut heftige Proteste
Zehnter Atommüll-Transport erreicht Gorleben

Auch der zehnte Transport von radioaktivem Atommüll löste heftige Proteste aus. Polizeibeamte gingen mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Doch die mehr als 1000 Atommüllgegner konnten nicht verhindern, dass der Castortransport am frühen Montagmorgen das Zwischenlager Gorleben erreicht hat.

HB GORLEBEN. Am Montagmorgen kurz nach 6.00 Uhr passierten die mit Castoren beladenen Tieflader das Tor des oberirdischen Zwischenlagers. Damit lagern dort nun 80 Atommüll-Behälter. Die zwölf Behälter mit den Überresten abgebrannter Brennelemente dieses Transportes hatten 58 Stunden Fahrt durch Frankreich und Deutschland hinter sich.

Dutzende Polizeifahrzeuge eskortierten die Tieflader auf dem Weg dorthin. In der Ortschaft Quickborn musste der Transport kurzzeitig anhalten, weil Umweltschützer auf die Straße gelangt waren. In Laase setzte die Polizei Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. Polizeihubschrauber überwachten den Transport aus der Luft.

Die letzten 20 Kilometer legte der Transport auf der Straße zurück, nachdem die Atommüllbehälter in Dannenberg von der Schiene auf die Spezialfahrzeuge umgeladen worden waren. Für die Fahrt von Dannenberg nach Gorleben benötigte der Castortransport rund anderthalb Stunden. Als die Tieflader mit den zwölf Spezialcontainern langsam aus dem Verladebahnhof rollten, stimmten die Demonstranten ein Pfeifkonzert an.

Zuvor hatten starke Polizeikräfte mehrere Sitzblockaden von Castorgegner aufgelöst. Die meisten Demonstranten leisteten keinen Widerstand und ließen sich von der Straße tragen. In zwei Dörfern hatten sich Demonstranten an Betonpyramiden gekettet. An den Protesten beteiligten sich in der Nacht mehr als 1000 Kernkraftgegner vor allem aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg.

Die Atomkraftgegner im Wendland haben ihre Protestaktionen gegen den Castortransport als politischen Erfolg gewertet. Deutlich mehr Menschen als im vergangenen Jahr hätten mit fantasievollen Aktionen gegen den Atommülltransport demonstriert, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Francis Althoff.

Der Castortransport mit Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague war am Freitagabend in der Normandie gestartet und am Sonntagnachmittag in Dannenberg eingetroffen. Auf dem letzten Teilstück stoppten Demonstranten den Zug mehrfach mit Schienenblockaden. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben auch Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein. In Dannenberg wurden die zwölf Atommüllbehälter von Eisenbahnwaggons auf Tieflader umgeladen.

Deutschland ist vertraglich zur Rücknahme des Atommülls verpflichtet. In den nächsten Jahren werden noch drei weitere Atommülltransporte aus La Hague sowie Transporte aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield im Kreis Lüchow-Dannenberg erwartet. Viele Einwohner befürchten, dass im Salzstock Gorleben auch das deutsche Endlager für Atommüll gebaut wird.

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