Ernst kündigte Kampfkandidatur an
IG Metall streitet weiter

Bei der Besetzung der künftigen IG-Metall-Spitze zeichnet sich auf dem Frankfurter Gewerkschaftstag eine Fortsetzung der Auseinandersetzungen zwischen Traditionalisten und Modernisierern ab.

Reuters FRANKFURT. Damit könnte der in der Führungskrise der IG Metall zwischen den tief zerstrittenen Flügeln gefundene Kompromiss über das Personaltableau noch einmal ins Wanken geraten. In der Debatte über den gescheiterten Streik in Ostdeutschland wiesen sich beide Lager der größten Industriegewerkschaft am Samstag gegenseitig die Schuld am Scheitern des Arbeitskampfes zu.

Der zu den Traditionalisten gerechnete Schweinfurter IG-Metall-Chef Klaus Ernst kündigte nach Angaben von Bezirksleiter Werner Neugebauer eine Kampfkandidatur für den Geschäftsführenden Vorstand an. Ernst habe dies auf einem Treffen der bayerischen Delegierten erklärt und dafür die Unterstützung von sechs von 19 anwesenden Verwaltungsstellen erhalten. Der Vorstand wird am Sonntag neu gewählt.

IG-Metall-Finanzchef Bertin Eichler sagte, Ernst habe auch den designierten IG-Metall-Chef Jürgen Peters über seine Kandidatur informiert. Während sich Peters dazu auf Anfrage nicht äußern wollte, kritisierte sein designierter Stellvertreter, der Chef des einflussreichen Bezirks Baden-Württemberg, Berthold Huber, die Kandidatur von Ernst. Ernst sagte Reuters, er wolle sich erst am Sonntag äußern. Zunächst sei am Abend ein weiteres Treffen der bayerischen Gewerkschaftsdelegieren geplant. Es wurde erwartet, dass Ernst gegen den im IG-Metall-Vorstand bisher für Bildungspolitik verantwortlichen Wolf Jürgen Röder kandidieren wird.

Huber hält nichts von Ernst-Kandidatur

Peters und Huber, die sich am Sonntag als Führungstandem zur Wahl stellen wollen, hatten auf dem Höhepunkt der Führungskrise im Frühsommer einen Burgfrieden geschlossen, um die IG Metall vor der damals drohenden Spaltung zu bewahren. Der Kompromiss, der nach dem Rücktritt von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel zu Stande kam, sieht vor, dass Peters als Erster und Huber als Zweiter Vorsitzender kandidiert. In dem dabei vereinbarten Personaltableau für den siebenköpfigen geschäftsführenden Vorstand verfügt Huber über eine deutliche Mehrheit. Deshalb war vor dem Gewerkschaftstag spekuliert worden, Peters könnte versuchen, seine Gefolgsleute ins Rennen schicken, um die Gewichtige in dem Gremium zu seinen Gunsten zu verschieben. Unmittelbar vor dem Gewerkschaftstag ließ Peters aber erklären, er werde nicht an den Besetzungsvorschlägen rütteln.

Huber sagte Reuters am Rande des Kongresses zur Kandidatur von Ernst: „Ich halte es nicht für richtig, dass ist aber eine ganz andere Frage.“ Niemand könne verhindern, wenn jemand seine Kandidatur erkläre. Damit erhielten Spekulationen Nahrung, das Huber-Lager könnte eine Reaktion auf den Vorstoß von Ernst erwägen. Für möglich gehalten wurde auch, dass aus dem Peters-Lager Einfluss auf Ernst genommen werden könnte, auf eine Kandidatur zu verzichten.

Gewerkschaftsflügel dreiten um künftige Richtung

Ernst hatte sich zuvor in einer Rede vor den Delegierten für eine stärkere Profilierung der IG Metall gegen die SPD ausgesprochen, um die Kritik an den Reformen der Bundesregierung deutlich zu machen. Dies war von Delegierten als Bewerbungsrede gewertet worden. Ernst gilt als Anhänger der von Peters vertretenen harten Linie gegen die Arbeitgeber. In der mit Mitgliederschwund und damit verbundenen Einnahmerückgängen kämpfenden Gewerkschaft gibt einen Streit über den künftigen Kurs, darüber, ob sich die IG Metall weiter als „Wagenburg gegen Sozialabbau“ versteht, oder sich Modernisierungen öffnet. In der Diskussion über den Streik in Ostdeutschland lieferten sich die Vertreter der beiden Lager einen Schlagabtausch. Huber, dem den Modernisierern zugerechnet wird, griff bis zum Nachmittag nicht in die Debatte auf dem Gewerkschaftstag ein.

Der als Streikleiter für den Arbeitskampf mitverantwortliche Berliner Bezirkschef Hasso Düvel übernahm in der Debatte einen Teil der Verantwortung für das Scheitern des Streiks, lehnte aber einen Rücktritt erneut ab. Düvel warf der damaligen IG-Metall-Führung vor, den Streik für die 35-Stunden-Woche im Osten im Machtkampf um die Nachfolge an der Gewerkschaftsspitze missbraucht zu haben.

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