Ernteausfälle in Deutschland
Bauern hadern mit dem schlechtem Wetter

Die Ernte fällt dieses Jahr buchstäblich ins Wasser. Der Bauernverband rechnet mit Ernterückgängen im zweistelligen Prozentbereich. Zudem sind die Preise niedrig. Die Landwirtschaft fordert Unterstützung von der Politik.

Dieser Sommer meint es den Bauern nicht gut. Kaum freuen sich Deutschlands Landwirte über ein paar Tage Sonne, kündigt sich bereits das nächste Tief mit herbstlichen Temperaturen und viel Niederschlag an. Kurz bevor das nächste Tief – Hildegund bringt spätestens ab Sonntag neuen Regen – ins Land zieht, haben die deutschen Bauern offiziell Bilanz des heurigen Sommers gezogen.

Das Ergebnis: Die Getreide-Ernte ist im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um fast elf Prozent zurückgegangen. Auch die Raps- und Obstbauern sowie Winzer müssen Ernteeinbußen hinnehmen. Das schätzt der Deutsche Bauernverband (DBV) auf Basis der Erntemeldungen der Landesbauernverbände. Weitere Ernteausfälle könne man aufgrund der Wetterprognosen nicht ausschließen. Die Bauern bräuchten deshalb dringend Unterstützung von der Politik, hieß es von Seiten des DBV.

Denn tiefe Temperaturen und wassergesättigte Böden sind ein willkommene Voraussetzung für allerlei Krankheiten und Pilze – und ohne Sonne können sich Getreidekörner und Früchte nicht voll ausbilden. Zudem machen in Europa ursprünglich gar nicht heimische Schädlinge, wie die Kirschessigfliege, den Landwirten seit einigen Jahren zu schaffen. Joachim Rukwied, Präsident des DBV, forderte deshalb die Zulassung von mehr Abwehrtmitteln: „Wir verdanken es dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, dass wir in diesem Jahr überhaupt ernten konnten. Das gilt sowohl für konventionelle als auch für ökologische Landwirtschaft.“

Zusätzlich leiden die hiesigen Bauern darunter, dass außerhalb Deutschlands teilweise Rekordernten eingefahren werden. Das globale Angebot an Weizen, Raps und anderen Agrarprodukten steigt – und entsprechend fallen die Preise. „Geringere Ernte plus geringerer Preis: vielen Ackerbauern geht das Geld aus“, sagte Rukwied.

Dieses Jahr falle weltweit gesehen die zweitgrößte globale Ernte aller Zeiten an und deshalb sei in naher Zukunft kein Anstieg der Preise zu erwarten. „Wir müssen unsere Landwirte in dieser lang anhaltenden Phase niedriger Preise unterstützen“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Die Bundesregierung müsse zusammen mit der EU bereits seit mehreren Monaten einen kräftigen Beitrag zur Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft leisten. teilte sein Ministerium mit.

Dem Bauernverband ist das aber zu weinig. Zwar hat der Bund bereits die maximal zulässige Verdoppelung der EU-Zuschüsse für Landwirte auf insgesamt 116 Millionen erreicht und will damit hauptsächlich den Milchbauer unter den Arm greifen. Man habe mit dem Bundesminister Schmidt, jedoch vereinbart, dass der Bund den Bauern noch einmal zusätzliche 60 Millionen Euro zur Verfügung stelle, sagte Rukwied. Einzige Bedingung: Auch die Länder sollen sich an der Finanzspritze beteiligen und weitere 40 Millionen zuschießen. Wie man die zusätzlichen 100 Millionen nutzen wolle, habe man sich bereits überlegt, erklärte Rukwied: „Zuerst müssen die Länder aber einmal die 40 Millionen auf den Weg bringen. Das ist die größte Hürde.“ Auf reine Solidaritätsbekundungen könne man verzichten.

Zusätzlich zu Finanzhilfen forderte der DBV, dass sich die EU intensiver um ein Ende des russischen Embargos gegen europäische Agrarprodukte bemühe. Unterstützung bekommen die Landwirte dabei vom Bundeslandwirtschaftsminister, der für eine schrittweise Auflösung des russischen Embargos plädierte. Russland hatte als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise vor zwei Jahren verhängt. Obstbauern macht es hierzulande besonders zu schaffen. Rukwied rechnet allerdings nicht mit einer raschen Besserung der Lage deutscher Landwirte, sollte Russland die Beschränkungen aufheben: „Der Markt ist weg“, sagte er. Diese Absatz-Bereiche wieder aufzubauen, werde ganz schwierig.

Die Bauern hoffen vor diesem Hintergrund auf ein Umdenken von Seiten des Lebensmittelhandels und der Endverbraucher: „Wir hoffen auf Qualitätszuschläge ab 2017“, sagte Rukwied. Gentechnikfreie Milch, größeres Tierwohl und auch qualitativ hochwertige Ernten seien einfach teurer – bei gleichen Preisen sei das nicht zu machen.

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