Erschlichene Doktortitel: Warum Ghostwriter kaum zu fassen sind

Erschlichene Doktortitel
Warum Ghostwriter kaum zu fassen sind

Akademische Ghostwriter verfassen ganze Diplom- oder Doktorarbeiten. Das kann einige zehntausend Euro kosten. Die Gefahr aufzufliegen, ist für die Auftraggeber gering.
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DüsseldorfDie einen sitzen jahrelang an der Doktorarbeit, investieren Zeit und Mühe in das Werk. Die anderen einfach mehrere zehntausend Euro – sie lassen Auftragsschreiber für sich arbeiten. Akademische Ghostwriter erstellen nicht nur Gliederung oder einzelne Kapitel, sondern ganze Abschluss- oder Doktorarbeiten. Das blühende Geschäft bewegt sich in einer Grauzone  - am Rande der Legalität. Wer erwischt wird, verliert nicht nur den Doktorgrad, womöglich stellt auch die Staatsanwaltschaft unangenehme Fragen. Doch die Gefahr aufzufliegen ist gering, bemängeln Plagiatsjäger wie die Berliner Professorin Debora Weber-Wulff: „Bei Ghostwritern sind wir ziemlich hilflos.“

Anders als bei einzelnen abgekupferten Textstellen oder ganzen Kapiteln, die irgendwo abgeschrieben sind, ist der Text eines Ghostwriters aus einem Guss und keine Plagiatssoftware schlägt hier Alarm. Es sei denn, der Auftragsschreiber hat selbst abgeschrieben. In der Branche bieten etliche Einzelkämpfer ihre Dienste an, viele finden ihre Kundschaft über Aushänge in den Universitäten. In Suchmaschinen findet man auch etwa eine Handvoll große Agenturen, die teils 100 bis 300 freie Mitarbeiter beschäftigen. Und die schreiben schon auf ihren Internetseiten, dass eine gute Arbeit sicher mehr kostet als 20 bis 30 Euro je Seite.

So kommen schnell fünfstellige Summen zusammen, wenn Auftragsschreiber ganze Dissertationen mit mehreren hundert Seiten verfassen sollen. Karl-Theodor zu Guttenberg soll - diesen Verdacht hegen einige Kritiker - seine Arbeit von einem Ghostwriter haben schreiben lassen. Mehrere zehntausend Euro für eine Doktorarbeit sind wohl keine Seltenheit, sogar bis zu 100 000 Euro sollen komplexe, umfangreiche Werke kosten. Dabei schreiben die Agenturen meist nur „Gutachten“, „Ausarbeitungen“ oder „Abhandlungen“. Sie alle verweisen darauf, dass sie keine Abschluss- oder Diplomarbeiten anbieten. „Das Gutachten ist aber genauso aufgebaut wie eine Graduierungsarbeit“, sagt Otto Gantert, der eine solche Agentur betreibt. Die Anbieter sichern sich ab: Eins zu eins dürfen die Kunden die Werke nicht verwenden – so steht es in den Verträgen oder Geschäftsbestimmungen. Aber: „Was der Kunde mit dem Gutachten macht, ist uns egal“, sagt Gantert, der vor allem Betriebswirte und Juristen beliefert.

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