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01.11.2006 
Interview mit Klaus J. Jacobs

„Erschreckend wenig Engagement“

von Barbara Gillmann

Die Bremer Elite-Hochschule International University Bremen (IUB) bekommt eine Spende von 200 Millionen Euro. Die Schweizer Jacobs Foundation will der Privat-Uni bis 2011 das Geld in mehreren Schritten zur Verfügung stellen – und sichert ihr damit das Überleben. Im Handelsblatt-Interview begründet Kaffee-Milliardär Klaus J. Jacobs seinen Einsatz.

Klaus Jacobs: 'Geld ist genug vorhanden.' Foto: dpaLupe

Klaus Jacobs: 'Geld ist genug vorhanden.' Foto: dpa

Herr Jacobs, Ihre Stiftung unterstützt die private International University Bremen mit 200 Mill. Euro und rettet sie damit vor dem Ruin. Warum?

Wir tätigen dieses gewaltige Investment in eine einmalige Institution, eine Campus-Universität, an der man Englisch spricht und die junge Menschen aus 86 Nationen in einer für Europa einzigartigen Elitehochschule zusammenbringt. Sie funktioniert aber nur in Kooperation vor allem mit der Uni Bremen, aber auch mit außeruniversitären Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut.

Gibt es ein Vorbild? Sie selbst haben in Stanford studiert . . .

Ein Vorbild ist die Rice University in Houston, Texas, die bei der Gründung der IUB neben dem Land und der Uni Bremen als Taufpate beteiligt war. Und natürlich Stanford.

Da brauchen Sie aber andere Summen, Stanford hat ein Jahresbudget von rund 1,9 Mrd. Euro.

Ja, da müssen wir noch gewaltig die Trommel rühren. Deshalb sehe ich meinen Beitrag bewusst als ersten Schritt. Gefragt ist auch das weitere Engagement der Stadt und seiner Bürger.

Bisher halten sich Wirtschaft und Privatleute in Deutschland bei der Unterstützung von Forschung und Lehre sehr zurück.

Das ist in der Tat erschreckend. Denn Geld ist genug vorhanden. Die Deutschen leben seit 60 Jahren in Frieden, Menschen und Industrie sind insgesamt sehr wohlhabend. In Ländern wie England, aber auch der Schweiz, Holland oder Belgien herrscht da eine andere Attitüde. Dort engagieren sich Unternehmen und Privatleute viel mehr für die Bildung.

Woran liegt das?

Die Leute sind nicht aufgerüttelt, bei jedem Problem wird in Deutschland nach dem Staat gerufen, wie aktuell im Gesundheitswesen oder dem Arbeitsmarkt. Diese deutsche Tugend sollten wir nicht weiter pflegen. Natürlich gibt es hervorragende Institutionen wie etwa die Bosch-Stiftung – aber die haben eine sehr lange Tradition. Nach dem Krieg hat sich eigentlich nicht mehr viel getan.

BDI-Präsident Jürgen Thumann hat kurz nach Amtsantritt angekündigt, die Industrie sei bereit, Geld in die Hand zu nehmen für bedürftige Studenten. Passiert ist nichts.

Wir haben zugehört, und wir tun es. Wir haben auch Kommissionspräsident Barroso zugehört, der ein European Institute of Technology gründen will. Das finde ich prinzipiell sehr gut – unabhängig davon, wie es organisiert wird. Es wäre jedoch eine Sünde, dabei auf die Vielfalt der existierenden guten Unis in Europa zu verzichten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ausbildung junger Menschen zu „global citizens"

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