0 Bewertungen
30.07.2007 

Auf den Prüfstand gehören zudem die Arbeitsbeschaffungs-Programme: Gerade in der guten Konjunktur dürften viele überflüssig und manche schädlich sein, weil sie die Aufnahme regulärer Arbeit verzögern. Auch bei den 185 Mrd. Euro jährlichen Familienleistungen ist Spielraum, durch Umschichten das Geld für neue Krippenplätze frei zu schaufeln.

Zudem sollte die Koalition neuen Ehrgeiz entwickeln, beim Subventionsabbau weiter zu kommen. Die Kürzung der Pendlerpauschale und der sukzessive Abbau der Eigenheimzulage beweisen, dass sich dauerhaft Milliarden sparen lassen. Der Abbau der einst massiven Steuervergünstigungen für Biodiesel ist daher richtig. Ob die Solarindustrie dauerhaft so stark wie heute gefördert werden muss, ist selbst dann diskussionswürdig, wenn man gleichzeitig die Klimaschutzziele erreichen will. Über Investitionsprogramme sollte eine Regierung nur in Schwächephasen nachdenken.

Die Regierung muss allerdings zuerst sich selbst und dann den Wählern klar machen, warum der Haushaltsausgleich erste Priorität hat: Trotz aktuell hoher Steuereinnahmen sind die laufenden Ausgaben nicht dauerhaft sicher finanziert. Sobald die Konjunktur abkühlt, wird der Einnahmeanstieg enden. Dreht die Konjunktur auf Abschwung, werden automatisch Arbeitslosigkeit und Sozialkosten erneut steigen. Der Glaube der Regierung, den Aufschwung über 2011 hinaus verlängern zu können, ist - mit Blick auf die Vergangenheit - zu optimistisch.

Die große Koalition sollte also ihre großen Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat nutzen, bis 2009 einen schuldenfreien Haushalt ohne Privatisierungserlöse vorzulegen. Das geht nur mit hartem Sparkurs. Erst dann kann Steinbrück sicher sein, dass der nächste Abschwung nicht sein Bild des erfolgreichen Sanierers zerstört. Bürger und Unternehmer können dann darauf vertrauen, dass die nächste Regierung nicht bald - wie zu Beginn dieses Jahres - wieder Steuern erhöhen muss, um das strukturelle Defizit wenigstens ansatzweise in den Griff zu bekommen.

Mittelfristig kommt es darauf an, dass die Regierung sämtliche Staatsausgaben auf ihre Effizienz untersucht. Steinbrück hat lobenswerter Weise Analysen in Auftrag gegeben, die zeigen sollen, welche Ausgaben das Wirtschaftswachstum positiv beeinflussen und welche nicht. Eine stärkere Output-Orientierung ist nötig: Allein die Ausgaben für Zinsen, Arbeitslosenunterstützung und Renten verschlingen fast zwei Drittel des Bundesbudgets. Die demographische Entwicklung wird aber die Renten - und Gesundheitslasten langfristig noch steigen lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Checkliste für mehr Ausgabendisziplin.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Krönung und Konfetti

    Krönung und Konfetti

    Der Parteitag der Demokraten ist im vollen Gang. Die Show in Denver soll Begeisterung und Siegesgewissheit vermitteln. Es geht darum, die Herzen der Amerikaner zu gewinnen. Bildergalerie 

  • Südossetien und Abchasien...

    Südossetien und Abchasien – abtrünnig und weitgehend isoliert

    Die autonomen Gebiete Südossetien und Abchasien in Georgien gelten seit vielen Jahren als Konfliktherde. Beide hatten sich nach dem Zerfall der Sowjetunion in Bürgerkriegen von Georgien abgespalten. Von der internationalen Gemeinschaft werden sie bis heute aber nicht a...Bildergalerie 

  • Aus dem Frühling in einen...

    Aus dem Frühling in einen frostigen Winter

    In dieser Woche jährt sich das Ende des „Prager Frühlings“ von 1968. Damals wollten tschechoslowakische Reformer das totalitäre System an eine Demokratie annähern. Der Versuch scheiterte in der Nacht zum 21. August 1968, als sowjetische Panzer auf Prag vorrückten.Bildergalerie 

  • „Das Schlimmste steht noc...

    „Das Schlimmste steht noch bevor“

    Die Finanzkrise beherrscht das diesjährige Treffen der Wirtschafts-Nobelpreisträger in Lindau. Die Top-Ökonomen Clive Granger, Daniel McFadden, John Nash und Myron Scholes analysieren für das Handelsblatt die Ursachen und skizzieren Wege aus der Krise. Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Amerika verstehen  Artikel in Merkliste

29.08.2008 von Markus Ziener

So sieht machtvolles Selbstbewusstsein aus: Barack Obama hat am Donnerstagabend demonstriert, was er will. Nicht etwa ehrenhaft mitspielen um den wichtigsten Job in den USA, sondern mit voller Kraft voraus ins Weiße Haus einziehen. Aber ist nach seiner Rede klarer geworden, was er will? Ja und nein. Kommentar