Erste bundesweit koordinierte Proteste
Tausende Studenten protestieren gegen Studiengebühren

Knapp 20 000 Studenten haben in mehreren deutschen Städten gegen geplante Studiengebühren protestiert. Die größten Demonstrationen gab es in Hamburg und Leipzig.

HB BERLIN. Es waren die ersten bundesweit koordinierten Proteste, nachdem das Bundesverfassungsgericht vergangene Woche das bundesweite Studiengebührenverbot der rot-grünen Regierungskoalition aufgehoben hatte. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte unterdessen die Länder, „mehr an die Chancengleichheit der Jugendlichen“ zu denken. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass „das Kind eines Chefarztes immer noch mehr Chancen auf Bildung hat als das einer Putzfrau“, sagte Schröder bei einer Wahlkampf-Veranstaltung in Husum. An die Länder-Ministerpräsidenten gerichtet, sagte der Kanzler weiter: „Überlegt Euch das gründlich“. Die CDU/CSU-geführten Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg wollen bis 2006 Gebühren auch für das Grundstudium einführen.

In Leipzig protestierten nach Polizei-Angaben 8000 Studenten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen diese Pläne. In Hamburg demonstrierten 7000 Studenten aus nord- und ostdeutschen Hochschulen unter dem Motto „Studiengebühren stoppen, Bildung ist keine Ware“. In Mannheim versammelten sich knapp 3000 Studenten, in Essen 1000. Zum Teil kamen blieben die Teilnehmerzahlen aber weit unter den Erwartungen der Veranstalter. In Berlin demonstrierten nur einige hundert Studenten.

Nach Worten des Präsidenten des Deutschen Studentenwerks, Hans- Dieter Rinkens, ist das Karlsruher Urteil kein Freibrief für die Bundesländer, „nach Belieben“ Studiengebühren einzuführen. Mit dem Urteil werde vielmehr den Ländern der klare Auftrag erteilt, „die Chancengerechtigkeit beim Hochschulzugang sicherzustellen“. Wer Gebühren wolle, müsse zunächst für ihre soziale Abfederung sorgen.

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