Erste Reaktionen
Volkswirte zu den Arbeitsmarktdaten vom Juli

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im Juli weiter verschlechtert. Im Juli waren 4 359 900 Menschen in Deutschland ohne Arbeit.

HB BERLIN. Die zu erwartende Konjunkturerholung werde sich vorerst nicht auf den Arbeitsmarkt auswirken, erklärte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. Volkswirte sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim:
„Wegen der Gesetzesänderungen ist es schwierig zu beurteilen, wer nun genau als Arbeitsloser klassifiziert wird. Die Zahlen zeigen, dass die Firmen trotz der Erholung bei den Exporteuren immer noch nicht bereit sind, neue Stellen zu schaffen. Wir erwarten in diesem Jahr noch eine Stagnation des Arbeitsmarktes, aber keine spürbare Verbesserung. Was 2005 betrifft, hängt es davon ab, wie viel Investitionen das Wirtschaftswachstum generiert.

Im Moment sehen wir einen Aufschwung im Maschinenbau, aber es gibt immer eine Verzögerung zwischen Wachstum und Neueinstellungen. Die Firmen bewältigen ihr Pensum noch mit Überstunden oder flexibleren Arbeitszeiten anstelle von neuen Mitarbeitern.“

Howard Archer, Global Insight:

„Der stärkere Anstieg die Arbeitslosigkeit im Juli und der neue kräftige Rückgang der Beschäftigung im Mai stärken unsere Überzeugung, dass es auf dem deutschen Arbeitsmarkt in diesem Jahr nicht mehr zu einer Wende kommt. Es ist klar, dass die Firmen immer noch entschlossen sind, ihre Beschäftigung so gering wie möglich zu halten, um die Kosten unter Kontrolle zu halten, weil die Gewinnmargen unter Druck kommen. Die anhaltende Schwäche des Arbeitsmarktes wird wahrscheinlich weiterhin die Stimmung der Verbraucher und die Konsumausgaben belasten. Dadurch sinken die Chancen, dass die Inlandsnachfrage in naher Zukunft zum Wirtschaftswachstum beiträgt.“

Jürgen Michels, Citigroup:
„Das ist schon ein bisschen enttäuschend. Man kann aber trotzdem immer noch sehen, dass die Anstiege zum Vormonat tendenziell langsam abnehmen. Wir dürften im Spätsommer eine Stabilisierung der Arbeitslosenzahlen bekommen. Auch der Rückgang der Beschäftigung sollte bald zum Stillstand kommen. Das generelle Szenario ist trotz der leichten Enttäuschung weiter intakt: Die starke Auslandsnachfrage dürfte zu einer Stabilisierung der Binnenwirtschaft führen. Zunächst wird es mit der Beschäftigung in der Industrie aufwärts gehen, denn die sind die großen Export-Profiteure. Aus diesem Sektor gibt es bereits positive Nachrichten, etwa die Zahl der offenen Stellen.“

Andreas Rees, Hypo-Vereinsbank:
„Die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ist noch weit entfernt. Die Gründe dafür sind nicht weiter verwunderlich: Das Wachstum in Deutschland ist zu schwach, um Impulse zu geben. Die Reformen, die angestoßen wurden, brauchen mehr Zeit, um sich positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken zu können. Das wird frühestens 2005 der Fall sein. Was wir im Moment erleben, ist der klassische beschäftigungslose Aufschwung in Deutschland. Der Arbeitsmarkt ist die Archillesverse für den Aufschwung, den wir im Augenblick erleben. Die Export getriebene Erholung schlägt sich nicht auf den Arbeitsmarkt nieder und hat keine positiven Impulse für den privaten Verbrauch. Deshalb steht der gesamte Aufschwung auf sehr wackligen Füßen.“

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