Erste Reaktionen
Volkswirte zum deutschen Arbeitsmarkt

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im März um 93 600 auf 4 547 500 gesunken. Das waren 62 200 weniger als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 10,9 Prozent zurück.

HB BERLIN. Analysten sagten in ersten Reaktionen:

Ulrich Kater, Dekabank:
„Die Zahlen zeigen einmal mehr, dass trotz der ganzen bisher umgesetzten Reformen die strukturellen Probleme am deutschen Arbeitsmarkt noch nicht behoben wurden. Das bestätigt sich Monat für Monat. Ich würde allerdings nicht zu viel in die Zahlen hineinlesen, was sie für die Wirtschaft bedeuten. Sie bedeuten nicht, dass jetzt alles zusammenbricht. Sie bedeuten lediglich, dass die Erholung noch immer zu schwach für den Arbeitsmarkt ist.“

Thomas Amend, HSBC Trinkaus & Burkhardt:
„Dies zeigt, dass es wirklich keine Trendwende am Arbeitsmarkt gegeben hat. Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung in Deutschland im Laufe des Jahres ihren Höhepunkt erreicht. Zudem rechen wir damit, dass die erste Hälfte des Jahres besser ausfallen wird als die zweite. Wenn man sich jedoch die Dynamik anschaut, die wir bisher hatten, wird sie nicht stark genug sein für eine signifikante Verbesserung am Arbeitsmarkt. Die Tatsache, dass die saisonbereinigten Zahlen nach dem Absinken von Mitte des vergangenen Jahres jetzt wieder steigen, ist kein gutes Zeichen. Eine wirkliche Trendwende der Arbeitslosenzahlen sehen wir weder dieses noch nächstes Jahr.“

Stefan Bielmeier, Deutsche Bank:
„Die Zahl der Arbeitslosen ist deutlicher gestiegen als erwartet. Die schwache Konjunktur hat diesen Anstieg verursacht, nachdem die statistisch günstigen Effekte nicht mehr wirken. Nachdem die Statistik zunächst zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit geführt hatte, kann es nun sogar zu Gegenbewegungen kommen. Die Beschäftigung ist im Januar deutlich gefallen, nachdem sie sich in den Monaten zuvor etwas stabilisiert hatte. Besonders diese Entwicklung sollte die Erwartungen der Haushalte bezüglich ihres Einkommens weiter dämpfen, so dass sich zu diesem Zeitpunkt die Steuersenkung nicht nachhaltig günstig auswirkt. Die Beschäftigung sollte sich im Frühjahr und Sommer stabilisieren, so dass die Arbeitslosigkeit ab dem Sommer sinken sollte.“

Ralph Solveen, Commerzbank:
„Die Zahlen zeigen eindeutig, dass am Arbeitsmarkt von der konjunkturellen Belebung noch nichts zu sehen ist. Das Problem bei den Prognosen ist immer noch die Unsicherheit über die statistischen Änderungen - Ende letzten Jahres war die Arbeitslosigkeit deswegen ja meist geringer als erwartet. Ich erwarte aber nicht, dass die Verschlechterung in diesem Tempo weiter geht. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit dürfte in den kommenden Monaten flacher werden, im zweiten Halbjahr dürften die saisonbereinigten Zahlen dann endlich zurück gehen. Zahlen wie in Amerika sollte man vom deutschen Arbeitsmarkt allerdings nicht erwarten.“

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